Breadcrumb Navigation

Virus

Story

Wie wir gesund bleiben

06. November 2019

Unser Immunsystem sorgt dafür, dass wir nicht krank werden. Naheliegend also, dass wir ihm im Kampf gegen Erreger helfen möchten. Unsere Abwehrkräfte benötigen jedoch kein Training wie unsere Muskeln, sondern arbeiten konstant auf Hochleistung.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Türe und damit auch Viren und Bakterien, die unseren Körper angreifen. Was also können wir tun, um unsere Abwehrkräfte gegen solche Erreger zu stärken? „Nicht viel“, sagt Onur Boyman, Direktor der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich. „Wir sollten lediglich dafür sorgen, dass wir uns nicht unnötig schwächen.“

Die Antwort des Experten überrascht. Schliesslich finden sich im Internet zahlreiche Tipps, wie wir gezielt Abwehrkräfte aufbauen können – von regelmässigen Saunagängen über Massagen bis zur Einnahme von Zink oder Heilpflanzenextrakten. Boyman aber sagt: „Wir können unsere Abwehrkräfte nicht trainieren wie unsere Beinmuskulatur.“ Das müssten wir auch gar nicht. „Unser Immunsystem funktioniert jeden Tag zu hundert Prozent. Es tut, was in seiner Macht steht.“

Unser Immunsystem ist also zu jeder Zeit voll leistungsfähig und braucht kein Training. „Nicht falsch verstehen“, fügt Boyman an. Natürlich seien Impfungen gegen gefährliche Erreger wie zum Beispiel Pneumokokken oder Hämophilus sinnvoll. Denn unser Abwehrsystem lernt ein Leben lang und wird dadurch erfahrener. Wenn ihm wie bei der Impfung abgeschwächte Bakterien gespritzt werden, bildet es Antikörper, die diese im Ernstfall rascher eliminieren.

Die körpereigene Abwehr wird also zunächst immer widerstandsfähiger, indem sie lernt, sich gegen immer mehr Erreger zu wehren. Es hat also durchaus etwas Gutes, dass wir in den ersten Lebensjahren so oft krank sind. Entsprechend sollten Eltern ihre Kinder nicht davon abhalten, Gegenstände in den Mund zu stecken oder mit anderen Kindern und Erwachsenen zu spielen. „Je mehr Keime das Immunsystem eines Kindes kennenlernt, desto besser“, sagt Boyman.

Im Erwachsenenalter kann das Immunsystem die häufigsten Infekte wirksam bekämpfen. Aufs Alter hin jedoch kann unsere Körperabwehr wieder schwächer werden. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich die Organe, die für die Entstehung und Reifung von Abwehrzellen verantwortlich sind (wie das Knochenmark und der Thymus) mit fortschreitendem Alter weniger leistungsfähig werden bzw. sich zurückbilden. Die Vielfältigkeit der Immunzellen nimmt dadurch ab.

Etwas vom Wichtigsten: Schlaf

Die Entwicklung unseres Immunsystems ist also ziemlich komplex. Vergleichsweise einfach hingegen ist die Antwort auf die Frage, was wir tun können, um gesund zu bleiben. Denn stärken lässt sich unser Immunsystem nicht, lediglich schulen. Schwächen können wir es aber sehr wohl – und zwar, indem wir es von seinen eigentlichen Aufgaben abhalten. Etwa, indem wir uns mangelhaft ernähren, zu viel Alkohol trinken oder uns unter Dauerstress setzen. Wir haben es also zu einem Teil doch selbst in der Hand, ob wir krank werden oder nicht. Neben Bewegung als Mittel gegen Stress hebt Boyman vor allem die Wichtigkeit von genügend Schlaf hervor. Ausserdem gehe eines der wirksamsten Mittel gegen Krankheitserreger oft vergessen: Ihnen gar kein Einfallstor in den Körper bieten, indem die Hände regelmässig mit Seife gewaschen und trockene oder rissige Haut mit fettender Crème behandelt wird. „Das Immunsytem besteht nicht nur aus Abwehrzellen“, erklärt Boyman. „Auch die Haut, die Lungen und der Darm als Barrieren gehören dazu.“

Kontakt

Onur Boyman, Prof. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Immunologie
Direktor, Klinik für Immunologie, Universitäres Zentrum für Labormedizin und Pathologie (UZL)
Vertreter: Immunologie, Transplantationszentrum

Tel. +41 44 255 20 69

Behandelnder Fachbereich

Klinik für Immunologie