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Professionelle Pflege hat viele Facetten

Story

22. April 2020

Was bei den Arztberufen schon lange der Fall ist, schreitet bei Pflegefachpersonen seit einigen Jahren mit grossen Schritten voran: die vielfältige fachliche Spezialisierung.

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Weltweit werden in Zukunft 80 Prozent der Gesundheitsleistungen für Menschen mit chronischen Erkrankungen erbracht. Mit der wachsenden Gruppe alter Menschen nehmen Demenz- und Mehrfacherkrankungen stark zu. Folglich erhöht sich die Komplexität der Patientensituationen und die Anforderungen an die Pflege steigen. Deshalb wird die Aus- und Weiterbildung für Pflegefachpersonen immer spezialisierter.

Wer einen Abschluss als «dipl. Pflegefachfrau/-mann HF» hat, kann ein Bachelor- oder Masterstudium in Pflege an einer Fachhochschule abschliessen. Akademisch geht es sogar noch weiter: An den Universitäten Basel und Lausanne gibt es Doktoratsstudiengänge für Pflegefachpersonen. Sie bereiten auf Führungs- und Leitungsfunktionen in der Forschung, Lehre und Praxis vor. Die Absolvent*innen leisten einen zentralen Beitrag zur fachlichen Entwicklung der Pflege und erarbeiten innovative Lösungen für herausfordernde Gesundheitsprobleme.

Laufbahnmöglichkeiten im Spital

Das USZ bietet allen Pflegenden vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. So gibt es beispielsweise seit 2011 ein Laufbahnmodell für Pflegefachpersonen. Sie können sich für eine Fach-, Führungs- oder Bildungslaufbahn entscheiden. Das Modell hat acht Stufen. Entwicklungsmöglichkeiten bestehen sowohl innerhalb eines Pfades – Fach, Führung oder Bildung – als auch innerhalb einer Stufe. Dabei ist es möglich, zwischen den drei Pfaden zu wechseln. Dadurch entstehen sehr individuelle Laufbahnmöglichkeiten. Seit 2016 gibt es ergänzend zum Laufbahnmodell ein systematisches Talentförderungsprogramm und seit 2017 eine gezielte Leadership-Entwicklung mit der spitaleigenen Weiterbildung „CAS Leadership USZ”. Angesprochen sind dabei Fachpersonen, die eine Führungslaufbahn anstreben oder Personen, die gerade eine Führungsaufgabe übernommen haben und gezielt mehr Leadership- und Handlungskompetenzen aufbauen möchten.

Hochspezialisierte Funktionen

Weshalb braucht es diese hochspezialisierten_x000D_
Funktionen in der Pflege? Studien haben gezeigt, dass akademisch ausgebildete_x000D_
Pflegefachpersonen einen messbaren Nutzen für Spitäler erbringen (1). So weisen_x000D_
beispielsweise Krankenhäuser, in denen das Pflegepersonal jeweils weniger_x000D_
Patient*innen betreut und mehr Mitarbeitende einen Bachelor-Abschluss haben,_x000D_
eine signifikant niedrigere Sterblichkeitsrate auf als Spitäler, in denen das_x000D_
Pflegepersonal mehr Patienten betreut und weniger Pflegende einen Bachelor-Abschluss_x000D_
haben.

Was gibt es für spezifisch ausgebildete Pflegefachpersonen? Zwei_x000D_
Beispiele: Inhaberinnen eines «Masters of Science in Pflege» können die Rolle_x000D_
einer Advanced Practice Nurse (APN) ausüben. Sie sind auf eine bestimmte_x000D_
Patientengruppe oder auf ein Krankheitsbild spezialisiert. Am USZ arbeiten insgesamt_x000D_
47 APNs, eine davon als «APN Psychische Gesundheit». Sie hat spezifisches_x000D_
Fachwissen bezüglich psychischer Erkrankungen und steht Patient*innen mit einer_x000D_
psychiatrischen Diagnose und deren Familien als Ansprechperson zur Verfügung. Zudem_x000D_
unterstützt sie das Behandlungsteam dabei, Patient*innen mit psychiatrischen_x000D_
Diagnosen bedürfnisgerecht zu versorgen.

Das zweite Beispiel: Die Forensic Nurse. Sie arbeitet_x000D_
an der Schnittstelle zwischen Notfallpflege, medizinischer Versorgung und_x000D_
Rechtssystem. Ihre Fachexpertise ist gefragt, wenn Patient*innen Gewalt_x000D_
erlitten haben oder Opfer eines Verbrechens geworden sind. Die Forensic Nurse_x000D_
stellt sicher, dass Beweismaterial für gerichtliche Zwecke erhalten bleibt. Sie_x000D_
erstellt eine Dokumentation der Verletzungen und führt einen DNA-Abstrich_x000D_
durch. Zudem gewährleistet sie, dass Betroffene über ihre Rechte Bescheid_x000D_
wissen.

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Weitere Beispiele für spezialisierte Rollen sind unter anderem «Breast and_x000D_
Cancer Care Nurse» oder APNs, die Pflegesprechstunden leiten, beispielsweise für_x000D_
Patient*innen nach Leber- oder Nierentransplantation. Die Vielzahl der_x000D_
Spezialisierungen zeigt, wie vielfältig der Pflegeberuf ist – und welche_x000D_
unterschiedlichen Möglichkeiten er bietet.

 

(1) Aiken, L. et al. (2014). Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries: a retrospective observational study. Lancet, 383(9931): 1824–1830. 

 

3 Fragen an Mirella Palamar, APN Psychische Gesundheit

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Advanced Practice Nurse (APN) sind auf eine bestimmte Patientengruppe oder auf ein Krankheitsbild spezialisiert. Mirella Palamar arbeitet am USZ als «APN Psychische Gesundheit».


Mirella Palamar, was hat Sie dazu bewegt, sich zur Advanced Practice Nurse «Psychische Gesundheit» weiterzubilden?
Die Psychologie faszinierte mich schon immer. Deshalb habe ich die_x000D_
Ausbildung als Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Psychiatrie abgeschlossen. Im_x000D_
Laufe der Jahre konnte ich viele Erfahrungen in verschiedenen psychiatrischen_x000D_
Settings sammeln und mein Repertoire erweitern.

 

Wie unterscheidet sich Ihr Arbeitsalltag von dem Ihrer Kolleginnen und Kollegen?
In einem Akutspital ist die Pflege darauf fokussiert, körperliche_x000D_
Veränderungen wahrzunehmen und für das körperliche Wohlbefinden der Patienten_x000D_
zu sorgen. Der Fokus meiner Arbeit liegt in der Schulung und Sensibilisierung_x000D_
der Pflegenden im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen. Dazu gehört, den_x000D_
Pflegenden die Lebenswelt der psychisch kranken Menschen näher zu bringen, sie_x000D_
über das Krankheitsbild zu informieren und ihnen den Umgang mit psychisch_x000D_
Erkrankten vorzuzeigen. Ich lebe ihnen vor, diese Menschen ohne Vorurteile und_x000D_
Angst zu betreuen und verstehen zu lernen. Um dies gewährleisten zu können, ist_x000D_
auch die eigene Belastbarkeit der Pflegenden wichtig. Darum führe ich oft_x000D_
Fallsupervisionen durch, um die Selbstreflexion der Pflegefachpersonen zu_x000D_
stärken und um ihnen einen Austausch zur eigenen Psychohygiene zu ermöglichen. Auch_x000D_
unterstütze ich die Pflege bei der Austrittsplanung von psychisch instabilen_x000D_
Menschen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten und Psychologen_x000D_
des Psychiatrischen Konsiliar- und Liaisondienstes. Und nicht zuletzt berate_x000D_
und betreue ich Angehörige in Krisen- oder Überforderungssituationen.

Was bringt das den Patientinnen und Patienten?
Jeder Mensch ist verletzlich, sobald er in ein_x000D_
Spital eintreten muss. Gefühle von Ohnmacht, Unsicherheit und Angst können_x000D_
aufkommen. Psychisch erkrankte Menschen fühlen sich noch ausgelieferter_x000D_
diesbezüglich. Sie erleben alles intensiver. Bei dieser Patientengruppe kann es_x000D_
auch unerwartet zu Hospitalisationen kommen. Besonders herausfordernd kann auch_x000D_
der Spitalaufenthalt nach Suizidversuchen mit anhaltender Suizidalität sein. Oder_x000D_
es gibt ausgesprochen lange und komplikationsreiche Verläufe bei somatischen_x000D_
Erkrankungen und Behandlungen. Durch die Sensibilisierung der Pflegenden wird_x000D_
die Patientengruppe besser betreut, die Angehörigen werden mehr einbezogen und_x000D_
besser beraten. Sie haben eine Ansprechperson, die auf ihre Emotionen eingeht_x000D_
und diese erfragt.

 

 

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Wie Pflege heute aussieht, was sie leistet und_x000D_
wie vielfältig sie ist, werden wir Ihnen in den kommenden Wochen in_x000D_
verschiedenen Beiträgen online und offline vorstellen. Wir wissen weiter – auch_x000D_
in der Pflege.