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Passiv-Immunisierung – Chance (auch) gegen Corona

01. April 2020

Das Prinzip ist seit Ende des 19. Jahrhundert schon vor Einführung von modernen Antibiotika bekannt: Von einem genesenen Patienten wird Blutplasma, welches schützende Antikörper gegen Infektionserkrankungen enthält, gewonnen und dieses wird einem kranken Patienten infundiert. So kann das Immunsystem des kranken Empfängers von den Antikörpern des erfolgreich genesenen Spenders im Kampf gegen die Infektion unterstützt werden.

Genau dieses Verfahren soll nun auch bei COVID-19 zur Anwendung kommen und könnte eine grosse Chance namentlich für Hochrisikopatienten im Spital vor schwerster Erkrankung sein. Das Verfahren der Plasmaspende und Transfusion ist bewährt, relativ einfach und bei anderen Erkrankungen gut wirksam. Bei der aktuellen COVID-19 Erkrankung besteht noch keine ausreichende Erfahrung, aber es ist anzunehmen, dass dieses generelle Prinzip der Antikörperübertragung auch bei dieser Erkrankung wirken kann. Als Spender kommen aus immunologischen Gründen nur Männer in Frage. Der einzige Knackpunkt: Männer, die an Corona erkrankt waren und nun genesen sind, müssen identifiziert werden und dann zur Blutspende kommen. Dazu will die Forschergruppe um Prof. Markus Manz, Direktor der Klinik für med. Onkologie und Hämatologie, gemeinsam mit dem Blutspendedienst Zürich unter der Leitung von Dr. Beat Frey in den nächsten Wochen diejenigen Männer kontaktieren, die am Institut für medizinische Virologie der Universität Zürich (geleitet von Prof. Alexandra Trkola) vor Wochen positiv getestet worden waren und inzwischen genesen sind.

«Eine solche Blutplasmaspende könnte lokal einen wichtigen Beitrag leisten, damit erkrankte Patienten im Spital mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf gar nicht auf der Intensivstation landen», erklärt Markus Manz. Dies erfolgt in enger Kooperation mit Prof. Huldrych Günthard, stv. Klinikdirektor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene und deren Ärzteteam am Spital. Bei solch einer Massnahme lässt sich zusätzlich viel über die neuartige Erkrankung und deren Immunkontrolle lernen. Dies kann für eine zukünftige Behandlung sowie für die Entwicklung von Antikörpern und Impfstoffen von hohem Nutzen sein. «Wir wollen jetzt rasch handeln, um in der aktuellen Pandemie eine Wirkung zu erzielen. Ich hoffe auf viele positive Reaktionen bei potentiellen Spendern – also bei all jenen, die die Krankheit bereits durchgemacht haben».