Breadcrumb Navigation

Tinnitus

Wenn Sie andauernd ein Pfeifen, Brummen, Zischen oder Summen hören, das nicht aus Ihrer Umgebung kommt, dann leiden Sie möglicherweise an einem Tinnitus: Das Ohrgeräusch ist zwar nicht gefährlich, kann Ihr Wohlbefinden aber massiv stören.

Überblick: Was ist ein Tinnitus?

Jeder und jede hört manchmal ein unbestimmtes Geräusch im Ohr, das für ein paar Sekunden oder Minuten anhält. Dieses Ohrensausen oder Ohrenklingeln ist ganz normal. Um einen echten Tinnitus handelt es sich, wenn Sie das Ohrgeräusch permanent oder über einen längeren Zeitraum immer wieder hören. Charakteristisch für den Tinnitus (lat. „tinnire“ = klingeln, klimpern oder schellen) ist, dass dieses Geräusch nicht durch die Umwelt entsteht, sondern dass Ihr Körper es selbst verursacht und es für Sie keinen Informationswert besitzt. Die Medizin unterscheidet zwischen einem subjektiven Tinnitus, den Sie nur selbst wahrnehmen oder dem viel selteneren objektiven Tinnitus, den auch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hören kann.

Je nachdem wie lange Sie die Ohrgeräusche schon plagen, handelt es sich um einen:

  • akuten Tinnitus: besteht seit bis zu drei Monaten,
  • chronischen Tinnitus: besteht länger als drei Monate.

Wie Sie die Beeinträchtigung durch das andauernde Klingeln im Ohr erleben, ist von Fall zu Fall verschieden. Viele arrangieren sich damit, andere fühlen sich dadurch sehr belastet.

Tinnitus: Ursachen und Risikofaktoren

Landläufig verbinden viele Tinnitus mit Stress. Tatsächlich ist eine übermässige Belastung häufig Auslöser für Ohrgeräusche, aber lange nicht der einzige. Die Hauptunterteilung der Ursachen erfolgt durch die Hörbarkeit des Dauertons:

  • subjektiv, also nur von Ihnen selbst oder
  • objektiv, also auch vom HNO-Arzt oder von der HNO-Ärztin.

Schätzungen zufolge hatte jede vierte Person schon einmal vorübergehend Ohrgeräusche. Ein chronisch subjektiver Tinnitus, der bereits länger als drei Monate anhält, betrifft dagegen nur rund vier Prozent aller Erwachsenen, Frauen häufiger als Männer. Mittlerweile klagen immer mehr junge Erwachsene unter permanentem Ohrensausen: Grund ist die zunehmende Lärmbelastung in der Freizeit, durch laute Musik via Kopfhörer, in Clubs und auf Konzerten.

Die Ursachen des subjektiven Tinnitus

Wenn nur Sie den Tinnitus hören, also es sich um die subjektive Form handelt, dann kann er als Nebenerscheinung bestimmter Krankheiten auftreten.

Ursache Stress

Stress gilt als einer der wichtigsten Auslöser für einen Tinnitus, aber auch Ängste, Überforderung und psychische Erkrankungen. Unter Anspannung schüttet Ihr Organismus vermehrt das Stresshormon Kortisol aus. Es verengt die Blutgefässe, wodurch das Blut schlechter kursieren kann. In den kleinsten Blutgefässen (Kapillaren) kann es so zu Verschlüssen kommen, auch im Innenohr, das dann nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Unklar ist allerdings, wie daraus ein Tinnitus entsteht.

Ursachen im zentralen Nervensystem

Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis), Tumore und multiple Sklerose können zu Tinnitus führen.

Ursachen im Skelett

  • HWS-Syndrom: Einige Fachleute vertreten die These, dass Probleme der Halswirbelsäule, zum Beispiel blockierte Wirbel, Ohrensausen auslösen können. Sie ist allerdings nicht bewiesen.
  • Zahn- und Kiefergelenksprobleme: Selten können Zähneknirschen, Kieferfehlstellungen, Verkrampfungen der Kaumuskulatur, schlechtsitzende dritte Zähne oder Zahnfüllungen Ohrgeräusche verursachen.

Ursache Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Arterienverkalkung, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck können die Durchblutung des Innenohrs stören und Ohrensausen zur Folge haben.

Weitere Auslöser

Eine Vielzahl anderer Bedingungen kann einen Tinnitus verursachen, dazu gehören

  • Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Diabetes, Nierenfunktionsstörung
  • Störungen im Hormonhaushalt (zum Beispiel während der Menopause)
  • Anämie (Blutarmut)
  • Alkoholvergiftung
  • Drogenmissbrauch
  • Narkosemittel
  • Verschiedene psychische Erkrankungen

Die Ursachen des objektiven Tinnitus

Den objektiven Tinnitus kann auch Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hören und mit speziellen Geräten messen. Er liegt nur etwa einem Prozent aller Tinnitus-Fälle zugrunde.

Der objektive Tinnitus entsteht hauptsächlich durch:

  • Strömungsgeräusche von Blutgefässen durch Verengungen (pulsierendes Geräusch) klickende oder knackende Ohrgeräusche durch Verkrampfungen des Binnenmuskels im Mittelohr oder der Gaumenmuskeln
  • Atemabhängige Ohrgeräusche durch Verschlussdefekte der Ohrtrompete, durch die Luft ins Mittelohr gelangt.
  • Knirschende Geräusche, weil Knochen- beziehungsweise Knorpelflächen beim Schliessen oder Öffnen des Mundes aneinander reiben.

Tinnitus: Welche Symptome auftreten

Ohrensausen ist sehr verbreitet. Jede vierte Person hatte vorübergehend schon damit zu tun. An der chronischen Form, die länger als drei Monate andauert, leiden nur vier Prozent der Bevölkerung. Der Tinnitus kann sich ganz unterschiedlich zeigen: Betroffene beschreiben die Geräusche im Ohr beispielsweise als Brummen, Piepen, Summen, Rattern, Surren, Kreischen oder Rauschen. Die Töne können gleichbleibend intensiv sein oder rhythmisch an- und abschwellen. Genau genommen ist der Tinnitus keine Krankheit – sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann.

Die Mehrheit der Betroffenen empfindet das dauernde Klingen im Ohr als bedrohlich und sehr belastend, auch wenn es im Grunde nicht gefährlich ist. Zum Teil treten als Folge des Tinnitus weitere Symptome und gesundheitliche Probleme auf, darunter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, verspannte Hals- und Kiefermuskeln, Schwindel, Angstzustände, Depressionen. Der Tinnitus in Begleitung dieser zusätzlichen Symptome kann das Leben sehr einschränken – bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Es kommt oft zu einem Teufelskreis, da die Begleiterscheinungen weiteren Stress verursachen und den Tinnitus noch verstärken können.

Mann hält sich am Ohr weil es zu schmerzen scheint

Schweregrade des Tinnitus

Der Tinnitus wird in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt:

  • Grad 1: Der Tinnitus ist gut kompensiert: Sie nehmen das Ohrgeräusch wahr, haben aber keinen Leidensdruck.
  • Grad 2: Sie bemerken die Ohrgeräusche, wenn es still ist. Diese verstärken sich unter Belastung. Sie haben den Tinnitus weitestgehend kompensiert.
  • Grad 3: Die Tinnitus-Symptome belasten Sie im Berufs- und Privatleben erheblich. Sie verursachen Probleme im kognitiven, emotionalen und körperlichen Bereich. Sie leiden beispielsweise unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Gefühlen der Hilflosigkeit und Resignation.
  • Grad 4: Sie nehmen den Tinnitus ständig wahr und empfinden ihn als Dauerbelastung, die das Privat- und Berufsleben massiv beeinträchtigt. Sie können ihren Beruf nicht mehr ausüben, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und leiden unter massiven psychischen Störungen wie Ängsten oder Depressionen.

Tinnitus: Diagnose durch uns

Tritt ein Tinnitus beispielsweise nach einem Knalltrauma oder einem lauten Konzert auf, dann verschwindet er in der Regel nach ein paar Tagen von selbst wieder. Hören Sie nach drei Tagen immer noch ein Geräusch im Ohr, sollten Sie uns aufsuchen.

Besteht der Verdacht auf Tinnitus, stellen wir zunächst Fragen zu Art und Häufigkeit der Ohrgeräusche. Ihre Schilderung bildet die Grundlage der Diagnostik und uns oft schon eine erste Einschätzung des Schweregrads. Die Krankengeschichte der betroffenen Person und die genaue Beschreibung der Ohrgeräusche lassen Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache des Tinnitus zu. Zunächst werden wir deswegen den Patienten oder die Patientin nach der Art und Häufigkeit des Tinnitus sowie nach weiteren Beschwerden fragen.

Ausserdem nehmen wir verschiedene körperliche Untersuchungen vor, um die Ursache näher zu ergründen, beziehungsweise die Diagnose zu festigen, so zum Beispiel:

  • Untersuchung von Hals, Nase und Ohren
  • Hörtests
  • Analyse des Tinnitus-Geräuschs: Mit einem Audiometer bestimmen wir die Frequenz, auf der die Ohrgeräusche am stärksten sind, und ihre Lautstärke.
  • Tympanogramm: Mit einer kleinen Sonde, die in den Ohreingang gesetzt wird und diesen verschliesst, prüfen wir die Beweglichkeit des Trommelfells.
  • Stapediusreflex: Gleichzeitig testen wir in der Regel den Stapediusreflex. Er dient als natürlicher Schutz vor zu starkem Schalldruck.
  • Test auf otoakustische Emissionen: Der Test überprüft die Funktionsfähigkeit der Hörschnecke bzw. der dort gelegenen äusseren Haarzellen. Er kann auf eine Innenohrschädigung hinweisen.
  • Hirnstammaudiometrie (BERA): Dieser objektive Hörtest untersucht den Hörnerv.
  • Gleichgewichtsprüfung (Vestibularis-Diagnose): Ein gestörter Gleichgewichtssinn gibt einen Hinweis darauf, dass die Tinnitusursache im Innenohr liegt.
  • Abklärung des Gehirns und der Gefässe zum Beispiel.:
    • Abklärung von pulssynchronem Tinnitus.
    • Doppler-
    • Computertomografie (CT)
    • Magnetresonanztomografie (MRT)

Wir unterscheiden die subjektiv wahrgenommenen Ohrgeräusche (subjektiver Tinnitus) von objektiven Ohrgeräuschen (objektiver Tinnitus), die beispielsweise durch Verkrampfungen der Gaumenmuskulatur entstehen. Letztere können wir mit speziellen Geräten hören.

Tinnitus: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Dem Tinnitus direkt vorbeugen können Sie nicht. Da Lärm und Stress als Risikofaktoren gelten, empfiehlt es sich, beides zu vermeiden. Tragen Sie bei Konzert- und Clubbesuchen oder beim Schiesstraining Ohrstöpsel. Verzichten Sie auf häufige oder stundenlange laute Musikbeschallung über Kopfhörer. Falls Sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt sind, sollten Sie unbedingt professionellen Hörschutz tragen.  Da Tinnitus in einigen Fällen Folge von Stress ist, empfiehlt es sich, anhaltenden Belastungen im Alltag bewusst und entspannt zu begegnen. Lernen Sie dazu Entspannungstechniken.

Verlauf und Prognose

In über 70 Prozent der Fälle verschwindet der akute Tinnitus im Verlauf der Behandlung oder bessert sich. Wie lange ein Tinnitus Im Einzelfall auftritt, ist nicht vorherzusagen. Teilweise verschwinden die Ohrgeräusche spontan. Manchmal hört das Ohrensausen bereits nach kurzer Zeit wieder auf, manchmal erst nach Monaten oder Jahren. Insgesamt führt eine Therapie mit grösserer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg, je früher Sie uns aufsuchen. In einigen Fällen verstummt der Tinnitus nicht komplett. Dann müssen Sie lernen, mit dem chronischen Rauschen im Ohr zu leben. Vielen Betroffenen gelingt das mit der entsprechenden Anleitung (Kognitive Verhaltenstherapie, Tinnitus-Retraining-Therapie) jedoch so gut, sodass sie das Ohrensausen noch hören, aber damit leben können.

Tinnitus: Behandlung für akute oder chronische Form

Der erste Schritt der Therapie zielt darauf ab, die Ursache des Ohrensausens festzustellen undsie zu beseitigen wodurch der Tinnitus verstummt. Leider ist es oft nicht möglich, die Ursache zu finden. Dann ist die Therapie gar nicht so einfach. Im Fall des subjektiven Tinnitus, also Ohrgeräuschen, die nur Sie wahrnehmen, richtet sich die Therapie nicht nur nach der Ursache, sondern vor allem danach, wie lange Sie ihn schon hören. Sind es weniger als drei Monate (akuter Tinnitus) haben Sie die grösste Chance, dass er wieder verstummt. Sie verbessern Ihre Heilungschancen, je früher Sie zu uns kommen.

Hören Sie den subjektiven Tinnitus bereits länger als drei Monate (chronischer Tinnitus), haben sich die Ohrgeräusche meist bereits verselbständig, das bedeutet, dass sie nicht einfach wieder verschwinden. Allerdings gibt es auch für den chronischen Tinnitus Therapiemöglichkeiten. Sie zielen vor allem darauf ab, dass Sie den Tinnitus zu ignorieren lernen und ihm eine weniger belastende Bedeutung geben. Vielen Betroffenen gelingt es dadurch, den Tinnitus immer weniger wahrzunehmen. So entsteht der Eindruck, der Tinnitus sei verschwunden – obwohl das Ohrensausen anhält.

Details zur Behandlung

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Klinik für Neuroradiologie

Neuigkeiten zu Tinnitus