Breadcrumb Navigation

Tiefe Venenthrombose

TVT

Eine tiefe Venenthrombose ist ein Blutgerinnsel in den tiefen Hauptvenen der Beine, Arme oder im Becken. Das Blutgerinnsel verschließt die Venen teilweise oder ganz und verhindert einen normalen Rückfluss des Blutes zum Herzen. Manchmal bleibt die Thrombose unbemerkt, aber sie kann auch Schmerzen, Schwellung oder Rötung der Extremität verursachen.

Überblick: Was ist eine tiefe Venenthrombose?

Als Venen werden die Blutgefässe bezeichnet, in denen das Blut aus dem Körper zurück zum Herzen fliesst. Hierbei unterscheidet man ein oberflächliches und ein tiefes System. Das tiefe System bildet die Hauptvenen und transportiert den Grossteil des Blutes zurück zum Herzen. Aus unterschiedlichen Ursachen kann ein Blutgerinnsel in den tiefen Venen der Arme, Beine oder im Becken entstehen. Meist entsteht das Blutgerinnsel in den tiefen Bein- und Beckenvenen, am Häufigsten in den tiefen Muskelschichten des Unterschenkels. Man spricht von einer tiefen Venenthrombose, abgekürzt TVT.

Bei einer TVT kann die Vene teilweise oder ganz verschlossen werden. Aufgrund der Blockade im Gefäss kann das Blut aus der Extremität nicht mehr ungehindert zum Herzen und zur Lunge zurückfliessen. Es staut sich hinter dem Gerinnsel und führt zu einer Schwellung. Typische Beschwerden sind Schmerzen in der Wade, im Oberschenkel oder in der Hüfte, die sich beim Gehen und Stehen verstärken. Auch eine Schwellung, Überwärmung oder rötlich-bläuliche Hautverfärbung können Hinweise auf eine Venenthrombose sein. Oft bleibt die Venenthrombose aber auch unbemerkt und der Körper löst das Blutgerinnsel selbst wieder auf.

Eine Thrombose ist immer ein Notfall, bei dem Sie sofort ärztlichen Rat einholen müssen! Es gilt vor allem, das Wachstum des Blutgerinnsels zu verhindern, den Blutfluss wieder sicherzustellen und lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenembolie zu vermeiden.

Cerebrale Sinusvenenthrombose

Bei der Sinusvenenthrombose (SVT) kommt es aufgrund einer Thrombose in den Hirnvenen und den grossen venösen Blutgefässen des Gehirns, durch welche Flüssigkeiten abgeleitet werden, zu einer venösen Abflussstörung. Die SVT führt häufig zu Stauungsblutungen und kann sich mit einem Schlaganfall manifestieren. Aus diesem Grund muss eine SVT umgehend auf der Stroke-Unit behandelt werden.

Venenthrombose: Ursachen und Risikofaktoren

Drei Mechanismen („Virchow-Trias“) führen zu Blutgerinnseln:

  1. Verminderte Fliessgeschwindigkeit des Blutes: Bei Bewegungsmangel durch Bettlägerigkeit, schweren Krankheiten, längeren Reisen oder nach Operationen
  2. Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes: Die Zusammensetzung des Blutes kann verändert sein, etwa bei Gerinnungsstörungen, Krebs oder der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel.
  3. Verletzungen: Veränderungen oder Entzündungen der innersten Venenwandschicht, etwa bei Krampfadern

Symptome: Venenthrombose erkennen und richtig handeln

Eine tiefe Venenthrombose verursacht in vielen Fällen keinerlei Symptome und bleibt unbemerkt. Der Organismus löst das Blutgerinnsel selbst wieder auf. Andere Menschen entwickeln dagegen Symptome, bei denen wir sofort handeln müssen. Wenn sich ein Teil des Blutgerinnsels in der Beinvene löst, wird es mit dem Blutstrom weggeschwemmt und kann an einer anderen Stelle ein Gefäss verschliessen. Häufig landet das Gerinnsel in der Lunge. Dann spricht man von einer (Lungen-)Embolie. Eine Lungenembolie kann eine lebensgefährliche Folge darstellen und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Eine Venenthrombose erkennen Sie an folgenden Symptomen:

  • Schmerzen im Bein (besonders in der Wade, aber auch im Fuss) oder Becken/Rücken – vor allem bei körperlicher Belastung und beim Auftreten. Beim Hochlagern der Beine bessern sich die Schmerzen oft.
  • Druckempfindlichkeit in der betroffenen Region
  • Schwere – und Spannungsgefühl
  • Gerötete oder bläulich verfärbte Haut
  • Schwellung
  • Überwärmung der betroffenen Körperpartie
  • „Warnvenen“: Oberflächlich verlaufende Venen treten hervor, weil sich das Blut aufgrund der Gefässblockade andere Wege sucht.

Diagnose Venenthrombose

Bei einer Venenthrombose ist eine rasche Diagnose wichtig, um zeitnah mit der richtigen Behandlung beginnen zu können.

Bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose schliessen sich folgende Untersuchungen an:

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten von Haut und Extremitäten
  • Blutuntersuchung: Bestimmung der Blutgerinnungswerte und anderer Blutwerte, etwa der D-Dimere. Diese Substanzen sind Bruchstücke des Eiweisses Fibrin. Sie entstehen, wenn ein Blutgerinnsel abgebaut wird. Erhöhte D-Dimer-Werte finden sich praktisch immer bei einer Thrombose, können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Um diese auszuschliessen und zur Diagnosesicherung wird daher bei positivem D-Dimer-Test zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Andererseits werden negative D-Dimer-Werte verwendet, um eine Thrombose auszuschliessen. Sind die Werte negativ ist eine Ultraschalluntersuchung in der Regel nicht mehr nötig.
  • Farbkodierte Duplex-Sonografie: Eine Ultraschallspezialuntersuchung, mit der sich sowohl fliessendes Blut als auch eine Thrombose (geronnenes Blut) in den Venen darstellen lässt. Die farbkodierte Duplex-Sonographie ermöglicht eine genaue Beurteilung des Ausmasses einer Venenthrombose und hilft bei der Planung der Therapie.
  • Phlebografie: Dies ist eine Röntgenuntersuchung der Venen mit Hilfe von Kontrastmittel. Ein Blutgerinnsel ist auf den Bildern gut erkennbar. Diese Methode kommt zum Beispiel bei der Behandlung von akuten oder chronischen Beckenvenenthrombosen zum Einsatz.
  • Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) kommen auch zum Einsatz. Die CT nutzt Röntgenstrahlen, während die MRT mit Magnetfeldern arbeitet. Beide Methoden erstellen hochaufgelöste, detaillierte Schnittbilder des Körpers und der Gefässe (auch: Venen). Dadurch wird die genaue Ausdehnung von Blutgerinnseln sichtbar.

Venenthrombose: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Einer Thrombose können Sie vorbeugen, indem Sie bestehende Risikofaktoren ausschalten.  Einige Tipps zur Thromboseprophylaxe, die Sie vor Blutgerinnseln schützen:

  • Bewegen Sie sich möglichst viel im Alltag und treiben Sie regelmässig Sport – am besten Ausdauersport wie Schwimmen, Wandern oder Radfahren.
  • Langes Stehen oder Sitzen tun den Venen nicht gut.
  • Stärken Sie Ihre Venen, zum Beispiel durch Fussgymnastik (auch auf Reisen!) oder durch regelmässige kalt-warme Güsse.
  • Versuchen Sie abzunehmen, falls Sie übergewichtig sind.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen. Rauchen und hormonelle Verhütung steigern das Risiko für eine Thrombose.
  • Ausgeprägte Krampfadern sollten Sie behandeln lassen. Wir beraten Sie gerne und können Ihnen die unterschiedlichsten Behandlungsoptionen anbieten.
  • Manchmal sind blutverdünnende Mittel notwendig (zum Beispiel nach einer Operation, bei Gipsverband) – sprechen Sie sich immer mit uns ab.

Reisethrombose vorbeugen – Tipps zum Schutz

Die Reisethrombose tritt vor allem bei Personen auf, die schon früher eine Thrombose erlebt oder ausgeprägte Krampfadern haben. Auch Reisende, die andere Risikofaktoren mitbringen oder bei denen Thrombophilien bekannt sind, sind gefährdet. Auf Flug-, Auto- oder Bahnreisen, die länger als vier Stunden dauern, sind daher vorbeugende Massnahmen zum Thromboseschutz (Thromboseprophylaxe) ratsam. Einige allgemeine Tipps für die Reise:

  • Tragen Sie Kompressionsstrümpfe, die von aussen Druck auf die Venen ausüben.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – trinken Sie viel Wasser oder Tee. Das gilt für den Alltag, aber auch auf Reisen.
  • Seien Sie sparsam beim Konsum von Kaffee und alkoholischen Getränken, da diese im Übermass den Körper entwässern und die Blutgerinnungsneigung erhöhen können.
  • Nehmen Sie möglichst keine Schlafmittel ein.
  • Stehen Sie mindestens einmal pro Stunde für ein paar Minuten auf.
  • Nehmen Sie blutverdünnende Mittel nur ein, wenn Sie bereits eine Thrombose oder Lungenembolie erlitten haben oder Ihnen von ärztlicher Seite eine Prophylaxe empfohlen wurde.

Verlauf und Prognose bei einer Venenthrombose

Der Verlauf und die Prognose bei einer Thrombose hängen vom Ort und der Grösse des Blutgerinnsels ab. Auch bestehende Erkrankungen können den Verlauf beeinflussen. Die Thrombose ist jedoch gut behandelbar, wenn wir sie rasch diagnostizieren und behandeln.

Eine gefürchtete Folge der tiefen Venenthrombose ist die Lungenembolie. Dabei löst sich ein Teil des Blutpfropfs (Thrombus) und wird mit dem Blutfluss in Richtung Herz und Lunge geschwemmt. Dort verschliesst es ein Lungengefäss. Dies muss nicht immer lebensbedrohlich sein. Etwa die Hälfte der Menschen mit einer frischen Beinvenenthrombose haben eine kleinere Lungenembolie, ohne dies zu bemerken. Handelt es sich jedoch um einen grösseren Thrombus, der ein grösseres Gefäss verschliesst, kann die Lungenembolie tödliche Folgen haben.

Wochen, Monate oder Jahre später kann sich aus der Thrombose ausserdem ein postthrombotisches Syndrom entwickeln. In diesem Fall sind die Gefässwände und Venenklappen so stark geschädigt, dass ein dauerhafter Blutstau im Bein entsteht. Die Folgen sind Schwellungen, Schweregefühl und Schmerzen im Bein. Dazu kommen oft Hautverfärbungen, Juckreiz und Hautausschläge. Ist das postthrombotische Syndrom sehr stark ausgeprägt, kann es auch zu chronischen Wunden und einem offenen Bein führen.

Das Risiko an einem postthrombotischen Syndrom zu erkranken ist bei ausgeprägten Thrombosen mit Beteiligung der grossen Beckenvene am höchsten. Um die Erkrankung bei Patientinnen oder Patienten mit Thrombose der Beckenvene zu verhindern, ist daher manchmal eine operative Behandlung erforderlich.

Venenthrombose: Behandlung muss schnell beginnen

Wir müssen eine tiefe Venenthrombose umgehend behandeln, damit das Blutgerinnsel nicht weiterwächst, es sich nicht loslöst und keine Komplikationen wie eine Lungenembolie entstehen. In der Regel werden tiefe Venenthrombosen an den Armen und an den Beinen mit Medikamenten zur Blutverdünnung für mindestens drei Monaten behandelt. Die Dauer der blutverdünnenden Therapie hängt u.a. davon ab, ob eine Thrombose provoziert oder unprovoziert aufgetreten ist. Bei Venenthrombosen im Bereich des Beckens ist unter Umständen zusätzlich ein operativer Eingriff erforderlich.

Ausserdem soll eine Behandlung das Auftreten eines postthrombotischen Syndroms verhindern, welches Wochen bis Jahre später auftreten kann.

Behandelnde Kliniken

Klinik für Angiologie

Comprehensive Cancer Center Zürich

Klinik für Gefässchirurgie

Klinik für Neuroradiologie

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Schlaganfallzentrum Zürich