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Schlafstörungen

Etwa jede vierte erwachsene Person ist von Schlafstörungen betroffen. Damit gehören sie zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Je nach Art der Schlafstörung kann der Schlaf zu kurz oder zu lang, zu häufig unterbrochen oder nicht erholsam sein.

Auf Dauer kann ein regelmässiger Schlafentzug der Gesundheit schaden und das Risiko für zahlreiche Erkrankungen erhöhen. Es ist also wichtig, rechtzeitig etwas zu unternehmen, bevor sich das Problem verschlimmert. Je nach Ursache gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Auch Sie selbst können Einiges für einen gesunden Schlaf tun.

Überblick: Was sind Schlafstörungen?

Schlafstörungen betreffen nicht nur die Schlafdauer. Der Schlaf kann auch gestört sein, wenn die Schlafzyklen oder Schlafstadien vom normalen Schlaf abweichen oder die Tagesbefindlichkeit der Betroffenen beeinträchtigen. Das bedeutet, dass der Schlaf entweder zu kurz oder zu lang ausfällt, zu häufig unterbrochen wird oder nicht erholsam ist.

Jeder schläft mal schlecht. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man aber erst dann, wenn die betroffene Person an wenigstens drei Nächten pro Woche über einen Zeitraum von mindestens einem Monat schlecht schläft.

DIe ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders) teilt Schlafstörungen in folgende Gruppen ein:

  • Insomnien: Hiermit sind Ein- und Durchschlafstörungen gemeint. Eine Einschlafstörung liegt vor, wenn man länger als eine halbe Stunde benötigt, bis man einschlafen kann. Bei einer Durchschlafstörung wacht man nachts häufig auf und kann längere Zeit nicht wieder einschlafen. Auch zu frühes morgendliches Aufwachen gehört in diese Gruppe. Dabei erwacht man mehrere Stunden vor der eigentlichen Aufstehzeit, ohne wieder einschlafen zu können. Insomnien sind die häufigste Form von Schlafstörungen.
  • Hypersomnien: Bei einer übermässigen Tagesschläfrigkeit leiden die Betroffenen trotz ausreichend langer Schlafdauer unter vermehrtem Schlafdrang und extremer Müdigkeit am Tage oder haben das Bedürfnis, länger als zehn Stunden zu schlafen.
  • schlafbezogene Atmungsstörungen: Im Schlaf wird die Atmung unbewusst über das vegetative Nervensystem gesteuert. Bei einer schlafbezogenen Atmungsstörung stört der Schlaf die Atmung und es kommt beispielsweise zu kurzen Atemstillständen, wie es beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom der Fall ist.
  • schlafbezogene Bewegungsstörungen: Auch Bewegungsstörungen können den Schlaf stören. Zu den häufigen schlafbezogenen Bewegungsstörungen gehören das Restless-Legs-Syndrom (RLS, „unruhige Beine“) und die Periodic Limb Movement Disorder (PLMD, periodische Bewegungen der Gliedmassen).
  • Parasomnien: Hiermit sind Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf gemeint. Dabei wird der Schlaf durch plötzliche Vorgänge oder Ereignisse wie Schlafwandeln, Alpträume oder auch Zähneknirschen unterbrochen.
  • zirkadiane Rhythmusstörungen: Der zirkadiane Rhythmus umfasst etwa 24 Stunden. Der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus wird dabei durch den Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit bei Tag und Nacht beeinflusst. Bei einer zirkadianen Rhythmusstörung verschiebt sich der Tageszyklus und damit die Schlafphase nach vorne oder hinten. Dadurch geraten die individuellen Schlaf- und Wachzeiten durcheinander, etwa in Folge einer Zeitverschiebung (Jetlag) oder Schichtarbeit.

Schlafstörungen – Häufigkeit und Alter

Viele Menschen kennen Schlafstörungen. Umfragen zeigen, dass etwa 25 Prozent der Erwachsenen an Schlafstörungen leiden. Mehr als jede zehnte Person erlebt ihren Schlaf häufig oder dauerhaft als nicht erholsam. Damit zählen Schlafstörungen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden.

Schlafstörungen: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Schlafstörungen können – je nach Form – sehr unterschiedlich sein. Mitunter liegen auch mehrere Ursachen gleichzeitig vor. Allgemein lassen sich diese in zwei Gruppen einteilen:

Äussere Einflüsse: Hierzu zählen beispielsweise Lärm, helles Licht, Hitze und Kälte, aber auch Genussgifte wie Kaffee, Alkohol, Nikotin, Medikamente oder Drogen. Auch eine schlechte Schlafhygiene oder unregelmässige Schlafzeiten durch Schichtarbeit oder ein Jetlag infolge von Langstreckenflügen mit Zeitverschiebungen können eine Rolle spielen.

Innere Einflüsse: Stress führt häufig dazu, dass Menschen schlecht ein- oder durchschlafen können. Auch Ängste, Sorgen, Ärger oder psychische Erkrankungen wie Depressionen sowie Schmerzen infolge organischer Erkrankungen wie Hormonstörungen, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen können den Schlaf nachhaltig stören. Wie schon erwähnt können das Restless-Legs-Syndrom (RLS), ein Schlafapnoe-Syndrom oder eine Narkolepsie weitere Ursachen sein.

Nicht immer lässt sich die eigentliche Ursache für die Schlafstörung ausmachen. Dies ist zum Beispiel bei der idiopathischen Insomnie der Fall. Diese besteht oft schon seit der Kindheit ohne erkennbare Ursache.

Wichtig zu wissen: Auch wenn die ursprüngliche Ursache der Schlafstörung beseitigt wurde, kann eine Schlafstörung weiterhin bestehen. Oft genügt schon die Angst vor der nächsten schlaflosen Nacht, um die Schlafstörung aufrechtzuerhalten.

Person verdeckt aus Müdigkeit ihr Gesicht mit den Händen

Symptome: Schlafstörungen

Schlafstörungen können – je nach Art und Form der Störung – zu verschiedenen Beschwerden führen. Chronische Schlafstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass die betroffene Person mehrmals pro Woche über einen längeren Zeitraum schlecht schläft. Dies macht sich durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar. Fehlt Ihrem Körper Schlaf oder ist Ihre Schlafqualität schlecht, kann sich das auch durch

  • Konzentrations- und Leistungsschwäche,
  • Nervosität und Gereiztheit,
  • Muskelverspannungen,
  • Stimmungsschwankungen,
  • depressive Verstimmung,
  • Kopf-, Nacken- und Zahnschmerzen oder eine
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit

bemerkbar machen.

Oft bleibt eine Schlafstörung von der betroffenen Person selbst auch unbemerkt. Angehörige oder Partner bemerken aber häufige Bewegungen des Bettnachbarn, Schreie, Aufschrecken, Atemstörungen oder -aussetzer sowie Schlafwandeln.

Schlafstörungen: Diagnose bei uns

Da bei Schlafstörungen verschiedene oder mehrere Ursachen vorliegen können, die mitunter weit zurückliegen, muss die Diagnose oft sehr umfassend erfolgen. Um ein möglichst genaues Bild der Beschwerden zu erhalten werden bei Schlafstörungen in der Regel verschiedene Diagnoseverfahren eingesetzt.

Zur genauen Diagnose werden wir Ihre Krankengeschichte erfragen und mögliche Erkrankungen als Ursache ausschliessen (Anamnese). Wichtig für uns zu wissen, ist auch, ob Sie Medikamente einnehmen, die den Schlaf stören, oder grosse Mengen an Koffein oder Alkohol konsumieren.

Schlaftagebuch und Schlaf-Fragebogen

Wichtige Hinweise auf die Diagnose liefert ein Schlaf-Tagebuch beziehungsweise ein Schlaf-Fragebogen. Darin dokumentieren Sie Ihr Schlafverhalten zum Beispiel in Form von

  • Zubettgeh- und Schlafzeiten,
  • bewusst wahrgenommene Wachphasen,
  • Ihrem subjektiven Empfinden des Schlafs,
  • Ihrer Lebenssituation und
  • bestimmte Vorkommnisse und Auffälligkeiten wie Schlafwandeln oder Zähneknirschen.

Die subjektiv empfundene Tagesschläfrigkeit können wir mithilfe der „Epworth Schläfrigkeitsskala“ (ESS) erfassen. Zur Ermittlung der objektiven Schlafqualität dient der „Pittsburgh Sleep Quality Index“ (PSQI).

Schlafstörungen: Untersuchung im Schlaflabor

Eine wichtige Diagnosemöglichkeit liefert eine Untersuchung im Schlaflabor, in der medizinischen Fachsprache auch Polysomnographie (PSG) genannt. Hierzu verbringen Sie beziehungsweise Betroffene eine bis drei Nächte im Schlaflabor. Dies dient dazu, der Schlafstörung genau auf den Grund zu gehen. Zudem können wir im Schlaflabor den Behandlungsfortschritt kontrollieren und gegebenenfalls anpassen.

Die Polysomnographie ermöglicht es, die genaue Schlafstruktur zu erfassen und besteht aus mehreren Untersuchungen:

  • Kontrolle der Atmung
  • Elektroenzephalogramm (EEG)
  • Elektrokardiogramm (EKG, Herzfunktion)
  • Elektromyogramm (EMG, Muskelaktivität an Beinen und Kinn)
  • Elektrookulogramm (EOG, Augenbewegungen)
  • Lage des Körpers
  • Sauerstoffgehalt im Blut

Schlafstörungen: ergänzende Untersuchungen

Auch ein (Langzeit-)EEG des Herzens und bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanz- oder Computertomografie (MRT oder CT) können bei der Diagnose von Schlafstörungen helfen.

Schlafbezogene Bewegungsstörungen lassen sich mit Hilfe einer Aktigraphie erfassen. Bei dieser Untersuchung werden mit Hilfe eines Sensors am Hand- oder Fussgelenk über mehrere Tage Daten erfasst, die Aufschluss über Ihren Schlaf-Wach-Rhythmus, Beinbewegungen im Schlaf, Schlafgewohnheiten oder Tagschlafphasen geben. Auch der Therapieerfolg lässt sich hiermit überwachen.

Schlafstörungen: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Sind Schlafstörungen eine Begleiterscheinung oder Folge einer anderen Erkrankung, sollten Sie zunächst diese behandeln lassen. Dadurch bessern sich die Schlafstörungen oft oder lassen sich ganz beseitigen.

In vielen Fällen können Sie Schlafstörungen schon durch richtiges Verhalten im Alltag vermeiden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang einfache Massnahmen wie der Verzicht auf Koffein, Nikotin und Alkohol sowie regelmässige Schlafenszeiten. Diese und weitere wichtige Regeln zur Schlafhygiene finden Sie unter dem Menüpunkt Behandlung.

Verlauf und Prognose von Schlafstörungen

Auf Dauer kann schlechter Schlaf Ihrer Gesundheit schaden. Nebst der verringerten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit erhöht sich durch Schlafmangel das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Depressionen, Übergewicht oder Diabetes Der Grund: Bei Schlafstörungen verändert sich der Stoffwechsel. Es werden weniger wachstumsfördernde Hormone produziert, die wir zur Zellerneuerung benötigen und die uns fit und gesund halten. Studien zeigen zudem, dass Menschen, die regelmässig weniger als fünf Stunden pro Nacht schlafen, eine grössere Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar eine geringere Lebenserwartung haben.

Es ist also wichtig, bei Schlafstörungen rechtzeitig etwas zu unternehmen. Das Gleiche gilt für Beschwerden, die Ihnen das Ein- oder Durchschlafen erschweren, wie zum Beispiel unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom) oder wenn Sie schnarchen. Aufmerksam sollten Sie auch werden, wenn Sie trotz ausreichenden Schlafs unter ständiger Müdigkeit und Erschöpfung leiden. Dies kann Anzeichen eines Schlafapnoe-Syndroms sein, bei dem es zu nächtlichen Atemaussetzern kommt.

Schlafstörungen: Behandlung

Bei Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum sollten Sie uns wegen der möglichen negativen Folgen für Ihre Gesundheit aufsuchen. Das gilt auch dann, wenn Sie die Störung subjektiv nicht als Problem empfinden – etwa bei Schnarchen oder häufigen Bewegungen im Bett. Wir werden der Ursache auf den Grund gehen und eine entsprechende Behandlung veranlassen.

Im Rahmen einer akuten Schlaflosigkeit kann die Einnahme eines Schlafmittels helfen. Jedoch sind Medikamente bei Schlafstörungen zweitrangig und nicht als dauerhafte Lösung zu betrachten, zumal sie abhängig machen können und nicht die eigentlichen Ursachen der Schlafstörung beseitigen.

Bedeutsam für die Therapie ist daher, die genauen Ursachen herauszufinden und diese – wenn möglich – zu beseitigen.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Klinik für Neuroradiologie

Klinik für Neurologie

Klinik für Pneumologie