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Priapismus (Dauererektion)

Priapismus ist eine schmerzhafte Dauererektion des Penis, die ein ernstzunehmender Notfall ist. Ärztinnen und Ärzte müssen die Dauerversteifung sofort behandeln, sonst kann im schlimmsten Fall eine dauerhafte Erektionsstörung drohen. Denn das Blut staut sich im Penis an und die Schwellkörper können Schaden nehmen. Es gibt zwei Typen des Priapismus, die verschiedene Symptome verursachen und die wir unterschiedlich behandeln.

Überblick: Was ist Priapismus?

Priapismus gilt als urologischer Notfall, den Ärztinnen und Ärzte sofort behandeln müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Gewebe der Schwellkörper dauerhaften Schaden nimmt. Diese sind aber für eine Erektion unerlässlich. Ohne schnelle Therapie ist später keine Erektion mehr möglich und es droht die dauerhafte Erektionsstörung. Umgangssprachlich heisst die Erkrankung auch oft Impotenz.

Priapismus: Low-Flow und High-Flow

Es gibt zwei Typen des Priapismus, die auf unterschiedliche Weisen entstehen und jeweils andere Ursachen haben:

  • Low-Flow-Typ („Niedrig-Fluss-Typ“): Das Blut kann nicht mehr aus den Schwellkörpern abfliessen und staut sich. Dieser Typ des Priapismus macht sich dadurch bemerkbar, dass der Penis mindestens zwei Stunden lang verhärtet ist – und zwar ohne, dass ein Mann sexuell erregt ist oder gar Lust verspürt. Im Gegenteil: Der Low-Flow-Typ ist sehr schmerzhaft. Diese Variante der Dauererektion kommt am häufigsten vor.
  • High-Flow-Typ („Hoch-Fluss-Typ“): Dabei strömt unkontrolliert Blut aus den Arterien in die Schwellkörper ein. Der Penis fühlt sich eher weich und elastisch an und Männer verspüren keine oder kaum Schmerzen. Der High-Flow-Typ ist deutlich seltener.

Die Ursachen der Dauererektion können verschiedenste Erkrankungen sein, wie zum Beispiel des Blutes, der Gefässe oder der Nerven. Daneben können einige Medikamente die Dauererektion auslösen, etwa Arzneien gegen die Erektile Dysfunktion, Depressionen oder Bluthochdruck. Hinter dem High-Flow-Typ steckt oft eine Verletzung im Bereich der Genitalien oder des Damms.

Die Behandlung der Dauererektion (Low-Flow-Typ) zielt darauf ab, den Blutabfluss aus den Schwellkörpern möglichst schnell wiederherzustellen und den Penis zum Erschlaffen zu bringen. Ärztinnen und Ärzte saugen das gestaute Blut ab und setzen gefässverengende Medikamente ein. Helfen beide Methoden nicht, ist eine zusätzliche Operation nötig um das gestaute Blut aus den Schwellkörpern zu evakuieren. Beim High-Flow-Typ lässt der Priapismus oft auch ohne Behandlung von selbst wieder nach.

Priapismus – Häufigkeit und Alter

Die Häufigkeit des Priapismus liegt bei ungefähr 1 bis 3 von 100.000 Männern. Die Dauererektion kann prinzipiell Männer jeglichen Alters betreffen. Aber besonders oft kommt sie zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr (z.B. bei Kindern mit Leukämie) sowie zwischen 20 und 50 Jahren vor.

Am häufigsten ist der Low-Flow-Typ, der ungefähr 90% aller Fälle von Priapismus ausmacht. Der High-Flow-Typ liegt dagegen nur bei etwa zehn Prozent der Männer mit einer Dauererektion vor.

Priapismus: Ursachen der Dauererektion

Die Ursachen des Priapismus sind äusserst vielfältig. Bei etwa 30 – 50% der Männer lässt sich der Grund für die Dauererektion jedoch nicht finden. Die beiden Typen des Priapismus kommen durch unterschiedliche Prozesse zustande:

  • Low-Flow-Typ: Der Abfluss des Blutes aus den Schwellkörpern über die Venen (sie führen sauerstoffarmes Blut) ist blockiert und es staut sich. Die Schwellkörper können nicht mehr abschwellen, der Druck erhöht sich und es kommt zu einer Minderdurchblutung (Ischämie). Dadurch arbeitet die Muskulatur der Schwellkörper nicht mehr richtig und der Priapismus verstärkt sich weiter. Ohne schnelle Behandlung stirbt das Gewebe ab.
  • High-Flow-Typ: Das sauerstoffreiche Blut aus den Arterien strömt unkontrolliert in die Schwellkörper ein. In diesem Fall entsteht keine Minderdurchblutung. Der Abfluss des Blutes aus dem Penis funktioniert weitgehend normal.

Priapismus: die häufigsten Auslöser

Folgende Ursachen kommen für den Priapismus in Frage:

  • Neurologische Erkrankungen, z.B. Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose, Rückenmarkskompression, Querschnittslähmung
  • Bluterkrankungen, z. B. Blutkrebs (z.B. chronisch myeloische Leukämie = CML, Plasmozytom), Sichelzellanämie, Thalassämie
  • Infektionskrankheiten, z. B. Syphilis (Lues) – eine sexuell übertragbare Krankheit
  • Verletzungen des Beckens (Bruch), der Genitalien oder des Damms
  • Tumore, die ins Gewebe hineinwachsen und die Venen zusammendrücken – es kommt zum Blutstau. Beispiel sind Prostatakrebs oder Nierenkrebs.
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie)
  • Medikamente: Antidepressiva, Blutdrucksenker, Blutverdünner (z. B. Heparin), PDE-5-Hemmer (gegen Erektile Dysfunktion)
  • Drogen, z. B. Alkohol, Marihuana, Kokain, Amphetamine (z. B. Speed, Crystal Meth)
  • Therapien, z. B. Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT) – dabei injizieren Männer selbst Medikamente in die Schwellkörper, um eine Erektion auszulösen. Bei älteren Wirkstoffen wie Papaverin oder Phentolamin kam die Dauererektion häufiger vor. Dank neuer Medikamente (Alprostadil) ist der Priapismus seltener geworden.

Symptome: Priapismus ist meist schmerzhaft

Ein Priapismus liegt vor, wenn Männer mehr als zwei Stunden eine Erektion haben, ohne sexuell erregt zu sein oder Lust zu verspüren. Die Symptome bei einem Priapismus können sein:

  • Heftige Schmerzen aufgrund des Blutstaus im Penis – der High-Flow-Typ kann auch schmerzlos verlaufen
  • Der Penis ist geschwollen und prall (die Eichel weich) – beim High-Flow-Typ kann der Penis auch weich sein
  • Penisverkrümmung nach oben
  • Bläuliche Verfärbung

Die Dauererektion ist ein medizinischer Notfall, den eine Ärztin oder ein Arzt umgehend behandeln muss. Ohne schnelle Therapie kann das Gewebe aufgrund der Minderdurchblutung absterben – es droht die Erektile Dysfunktion. Sie müssen sich also sofort in ärztliche Behandlung begeben. Versuchen Sie auf keinen Fall, den Priapismus selbst zu behandeln – dies kann schiefgehen.

Priapismus: Diagnose bei uns

Die Diagnose Priapismus können wir meist schnell stellen. Schon Ihre Beschreibung, die Symptome und der Verlauf zeigen, ob eine Dauererektion vorliegt. Wir stellen Ihnen zunächst einige Fragen zur Krankengeschichte (Anamnese), zum Beispiel:

  • Seit wann besteht die Erektion?
  • Ist die Erektion schmerzhaft?
  • Sind Erkrankungen bei Ihnen bekannt? Falls ja: Welche?
  • Gibt es Verletzungen in der Genital- oder Dammregion?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja: Welche?
  • Haben Sie kürzlich eine SKAT durchgeführt?
  • Haben Sie Alkohol und nicht erlaubte Drogen eingenommen oder angewendet?
  • Ist die Dauererektion bei Ihnen zum ersten Mal aufgetreten?

Danach schliesst sich eine körperliche Untersuchung an. Wir begutachten das Aussehen des Penis und tasten ihn vorsichtig ab. So können wir herausfinden, ob er auf Berührung empfindlich reagiert. Zudem untersuchen wir die gesamte Genitalregion auf Verletzungen und Veränderungen hin.

Wir führen eine Blutgasanalyse durch. Dafür entnehmen wir Blut aus dem Schwellkörper. So lässt sich feststellen, um welchen Typ von Priapismus es sich handelt.

  • Low-Flow-Typ: Das Blut ist sauerstoffarm und dunkel gefärbt, zudem besitzt es einen erhöhten Kohlendioxidgehalt und einen niedrigen pH-Wert.
  • High-Flow-Typ: Sauerstoffreiches Blut besitzt eine hellrote Farbe, der pH-Wert und Kohlendioxidgehalt sind normal.

Eine Blutuntersuchung liefert Hinweise auf die mögliche Ursache. Wir fertigen ein kleines Blutbild an und bestimmen die Anzahl der Erythrozyten (rote Blutzellen), Leukozyten (weisse Blutzellen) und Thrombozyten (Blutplättchen). Auch auf Drogen untersuchen wir das Blut manchmal. Beim Verdacht auf eine Sichelzellanämie helfen das Differenzialblutbild (zelluläre Zusammensetzung des Blutes) und die Bestimmung des Hämoglobin S (HbS).

Manchmal folgt noch eine Doppler-Sonografie, eine spezielle Ultraschallmethode. Dabei lassen sich die Richtung und Geschwindigkeit des Blutflusses feststellen. Bei einem Low-Flow-Priapismus strömt kaum arterielles Blut hinein und venöses Blut hinaus. Beim High-Flow-Typ sind dagegen ein hoher arterieller Zustrom und ein normaler Abfluss des Blutes erkennbar.

Priapismus: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Besondere Massnahmen zur Vorbeugung des Priapismus sind nicht bekannt. Wichtig ist, dass Sie uns bei einer Dauererektion, die länger als zwei Stunden anhält, sofort aufsuchen und sich behandeln lassen. Warten Sie aus Scham nicht lange ab, sonst kann das Gewebe absterben und es droht eine Erektile Dysfunktion.

Ansonsten gelten diese allgemeinen Tipps:

  • Verzichten Sie auf Drogen wie Marihuana oder Kokain. Auch bei legalen Drogen wie Alkohol ist Vorsicht geboten. Konsumieren Sie nur mässig Alkohol.
  • Lassen Sie bestehende Grunderkrankungen oder Verletzungen immer ausreichend behandeln. Sie können mit dem Priapismus in Verbindung stehen.
  • Manche Medikamente können eine Dauererektion auslösen – sprechen Sie mit uns eventuell über ein alternatives Präparat.

Es sind keine speziellen Massnahmen zur Früherkennung des Priapismus bekannt. Auch hier gilt wieder: Rasches Handeln ist gefragt.

Verlauf und Prognose bei Priapismus

Der Verlauf und die Prognose beim Priapismus hängen davon ab, wie schnell die Behandlung beginnt. Je länger Sie abwarten und die Dauererektion bestehen bleibt, desto grösser ist die Gefahr, dass das Gewebe im Penis aufgrund der Minderdurchblutung abstirbt. Dann kann eine Erektile Dysfunktion die Folge sein, die sich nicht wieder rückgängig machen lässt. Die Behandlung muss innerhalb von zwölf Stunden erfolgen, sonst drohen ernsthafte Folgen. Je weniger Stunden mit einem dauersteifen Penis vergehen, desto besser ist es.

Der High-Flow-Priapismus bessert sich dagegen oft ohne Behandlung von selbst wieder. Nach einer Operation liegt das Risiko für eine Impotenz jedoch zwischen 50 und 90 Prozent.

Priapismus: Behandlung muss schnell beginnen

Eines vorab: Versuchen Sie auf keinen Fall, die Dauererektion selbst zuhause zu behandeln. Der Priapismus ist ein Notfall, den wir sofort behandeln müssen. Ziel ist es, den Blutabfluss aus den Schwellkörpern wiederherzustellen, das Gewebe zu entlasten und dauerhafte Schäden zu vermeiden – nämlich eine bleibende Erektile Dysfunktion.

Low-Flow-Priapismus: Behandlung

Die Behandlung des Low-Flow-Priapismus umfasst folgende Möglichkeiten:

  • Punktion des Schwellkörpers: Wir saugen das gestaute Blut ab und spülen den Schwellkörper mit einer Kochsalzlösung.
  • Manchmal injizieren wir gefässverengende Medikamente in die Schwellkörper, z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Phenylephrin oder Etilefrin. Die Muskulatur kontrahiert sich und das Blut kann wieder abfliessen.
  • Sind diese Behandlungen nicht erfolgreich, kann eine Operation helfen um das Blut aus den Schwellkörpern zu evakuieren (Shunt-Operationen)

Ausserdem versuchen wir immer, die Behandlung der Grunderkrankung zu verbessern, wenn sie die Ursache des Priapismus ist.

High-Flow-Priapismus: Behandlung

Ein High-Flow-Priapismus erfordert nicht zwangsläufig eine Behandlung. In etwa 60 Prozent der Fälle klingt die Dauererektion von selbst wieder ab. Hilfreich sind oft:

  • Kühlen mit einem Eisbeutel
  • Lokale Kompression des Penis
  • Entzündungshemmende Medikamente
  • Embolisation: Manchmal ist ein Kurzschluss zwischen einer Arterie und dem Gewebe des Schwellkörpers der Grund für die Dauererektion. Das Gefäss lässt sich mit Hilfe einer kleinen Metallspirale (Coiling) verschliessen. Die Blockade eines Gefässes nennen Fachleute Embolisation. Allerdings besteht bei diesem Eingriff das Risiko, dass sich in der Folge Erektionsstörungen bilden.
  • Die letzte Behandlungsmöglichkeit ist eine Penisprothese, bei der wir einen künstlichen Schwellkörper implantieren.

Details zu den Behandlungen

Behandelnde Fachbereiche

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Klinik für Urologie