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Morbus Bürger

Thrombangiitis obliterans

Morbus Bürger ist eine seltene, entzündliche Gefässerkrankung. Sie betrifft besonders jüngere Männer unter 45 Jahren. Und: Fast jede erkrankte Person raucht. Alles über die Symptome und Behandlungen bei Thrombangiitis obliterans – so die medizinische Bezeichnung – und wie Sie dieser vorbeugen können.

Überblick: Was ist Morbus Bürger?

Morbus Bürger ist eine entzündliche Gefässerkrankung, die vorwiegend die kleinen und mittelgrossen Arterien und Venen in den Armen und Beinen betrifft. Die Gefässe entzünden sich, schwellen an und Blutgerinnsel (Thromben) können sie verstopfen. Morbus Bürger gehört zur Gruppe der arteriellen Durchblutungsstörungen. Ein Unterschied ist jedoch, dass diese Form der arteriellen Verschlusskrankheit nicht durch eine Gefässverkalkung (Arteriosklerose) bedingt ist. Morbus Bürger hat noch einige andere Namen: Thrombangiitis obliterans, Endangiitis obliterans, Von-Winiwarter-Buerger-Krankheit oder Morbus Winiwarter-Buerger.

Betroffene erleben schmerzhafte Durchblutungsstörungen, weil sich Blutgerinnsel in den Gefässen bilden. Der Durchmesser der Gefässe verengt sich und das benachbarte Gewebe wird schlechter durchblutet. Es erhält nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe und kann schliesslich absterben. Nicht selten müssen die betroffenen Gliedmassen sogar teilweise oder ganz amputiert werden.

Morbus Bürger – Häufigkeit und Alter

Morbus Bürger ist eine sehr seltene Erkrankung, die weltweit auftritt. In Europa erkranken vergleichsweise wenige Menschen daran. Dagegen ist die Häufigkeit in der Bevölkerung Indiens, Koreas und Japans sowie bei aschkenasischen Juden deutlich höher. Fachleute schätzen, dass der Morbus Bürger durchschnittlich 1 bis 5 von 10.000 Personen betrifft.

In erster Linie erkranken jüngere Männer zwischen dem 17. und 44. Lebensjahr, die stark rauchen (Zigaretten, Zigarillos, Zigarren,). Früher bekamen medizinisches Fachpersonal in ihren Sprechstunden fast ausschliesslich Männer zu Gesicht, die unter Morbus Bürger litten. Das hat sich in den letzten Jahren verändert – wahrscheinlich, weil Frauen ebenfalls vermehrt rauchen. Heute schätzen Experten, dass Männer „nur noch“ ungefähr dreimal so oft betroffen sind wie Frauen.

Die Ursache der Erkrankung ist noch nicht vollständig aufgeklärt, aber vermutlich ist das Immunsystem ein wichtiger Mitspieler. Auch das Rauchen scheint entscheidend an der Entstehung des Morbus Bürger beteiligt zu sein.

Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.

Morbus Bürger: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen des Morbus Bürger sind noch weitgehend unklar. Forscher wissen noch nicht, wie die Gefässerkrankung genau entsteht. Folgende Theorien gibt es:

  • Eventuell spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle, die Personen anfälliger für die Erkrankung macht.
  • Auch das Immunsystem scheint ein wichtiger Mitspieler zu sein. So gehen manche Forschende von einer Autoimmunkrankheit aus, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreift.
  • Der Auslöser für diese Attacke des Immunsystems könnte der Nikotinmissbrauch sein. Dies liegt insofern nahe, weil die Betroffenen in der Regel starke Raucher sind. Womöglich reizen die Inhaltsstoffe im Tabak die Gefässinnenwand und lassen sie anschwellen. Wer selbstgedrehte Zigaretten mit Rohtabak und mehr als anderthalb Packungen pro Tag raucht, besitzt das höchste Risiko für Morbus Bürger.
  • Chronische Zahnfleischentzündungen werden als Risikofaktoren diskutiert, wissenschaftlich bewiesen ist der Zusammenhang aber nicht.

Es ist bekannt, dass sich die Erkrankung durch einen Rauchstopp und die Nikotinenthaltsamkeit zurückbildet. Wer wieder raucht, auch nur eine Zigarette, befeuert den Morbus Bürger erneut – es kommt zum Rückfall (Rezidiv).

Psychiatrisch-psychologische Beratung

Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.

Symptome: Morbus Bürger betrifft oft Hände und Füsse

Morbus Bürger zeigt sich gewöhnlich zuerst an den Händen und Füssen. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Gefässerkrankung grössere Bereiche der Arme und Beine in Mitleidenschaft ziehen.

Morbus Bürger kann verschiedene Symptome verursachen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schmerzen in der betroffenen Extremität: Sie können in Ruhe auftreten, aber auch wenn Sie Ihre Hände und Füsse betätigen oder die Bewegung stoppen; die Schmerzen kommen und gehen.
  • Bläuliche Verfärbung der Finger und Zehen (Zyanose) aufgrund der Minderdurchblutung
  • Phlebitis migrans/saltans: Eine Entzündung oberflächlicher Venen, die immer wiederkehrt und an wechselnden Stellen auftreten kann.
  • Symptome der „Schaufensterkrankheit“ (Claudicatio intermittens oder periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK): Betroffene müssen aufgrund der Durchblutungsstörungen und Schmerzen in den Beinen beim Gehen häufiger zwischendurch stehen bleiben. Die Symptome zeigen sich im Bereich des Fusses, der Fusssohle oder der Wade.
  • Symptome des Raynaud-Phänomens: Die Extremitäten werden plötzlich blass, wenn Kälte oder Stress einwirken. Dann verfärben sie sich bläulich und einige Zeit später rötlich, wenn die Durchblutung wieder in Gang kommt.
  • Schmerzhafte Geschwüre (Gangrän) und abgestorbenes Gewebe (Nekrose) an den Fingern und Zehen sowie ein fauliger Geruch, wenn der Morbus Bürger fortgeschritten ist – eine Amputation des Fingers oder der Zehe ist dann oft unumgänglich.
  • Missempfindungen in den betroffenen Gliedmassen (Parästhesien), zum Beispiel Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle
  • Wasseransammlungen (Ödeme)
  • Kältegefühl an den Enden der Gliedmasse wegen der schlechten Durchblutung

Diagnose Morbus Bürger

Es gibt keinen speziellen Test, mit dem wir Morbus Bürger diagnostizieren könnten. Am Anfang der Diagnose steht immer das Anamnesegespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Folgende Fragen können Hinweise für eine Thrombangiitis obliterans geben:

  • Welche Symptome haben Sie genau, seit wann und wie stark sind sie ausgeprägt?
  • Wo verspüren Sie die Beschwerden: in den Fingern, Armen, Zehen, Beinen?
  • Rauchen Sie? Wenn ja: Seit wann und wie viel?
  • Wie alt sind Sie?
  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt?

Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Die Extremitäten werden auf Auffälligkeiten untersucht, zum Beispiel bläuliche Verfärbungen der Haut, Schwellungen, oberflächliche Venenentzündungen oder Geschwüre. Andere Erkrankungen als Ursache für die Symptome müssen ausgeschlossen werden, etwa:

  • Arteriosklerose und Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Aufgrund der Ablagerungen in den Gefässen entstehen ebenfalls Verengungen und Durchblutungsstörungen – mit den entsprechenden Symptomen.
  • Gefässentzündungen (Vaskulitiden)
  • Arterielle Embolie (Verschluss von Arterien durch Gerinnsel)
  • Chronische Venenschwäche (Venöse Insuffizienz)

Eine Blutuntersuchung liefert meist keine aussagekräftigen Ergebnisse, die ein eindeutiger Beweis für die Diagnose Morbus Bürger wären. So sind in der Regel die Entzündungswerte C-reaktives Protein (CRP) oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) trotz der Entzündungen normal. Allerdings können anhand der Blutwerte oft andere Krankheiten ausgeschlossen werden, zum Beispiel Diabetes, Gerinnungsstörungen oder seltene Autoimmunerkrankungen wie Sklerodermie oder Lupus.

Folgende bildgebende Verfahren kommen bei uns zur Diagnostik von Morbus Bürger zum Einsatz:

  • Farbkodierte Duplex-Sonografie: Ultraschalluntersuchung, mit der die Gefässe dargestellt werden können. Es können die Beschaffenheit der Gefässwand, der Verlauf des Blutgefässes und auch der Blutfluss beurteilt werden. Es lassen sich Verengungen oder gar Verschlüsse der Arterien diagnostizieren.
  • Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetresonanz–Angiografie: (MRA) Die MRT und MRA ist eine Methode zur Untersuchung der Gefässe., der Gefässwand sowie benachbarter Strukturen. Bei der MRA erhalten Sie ein Kontrastmittel über eine Vene und es werden anschliessend Bilder aufgenommen. Es lassen sich Verengungen, Verschlüsse, Erweiterungen und Gefässwandveränderungen erkennen.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Eine Gewebeprobe ist selten nötig, ist aber das einzige Mittel, eine definitive Diagnose zu stellen. Betroffene mit Knötchen in der Haut oder verdächtigen oberflächlichen Venenentzündungen sollten eine Biopsie erhalten. Eine Gewebeprobe wird entnommen und anschliessend in der Pathologie feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Diese histologische Methode kann die Diagnose „Morbus Bürger“ in der Regel sichern.

Morbus Bürger: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Einem Morbus Bürger vorbeugen können Sie am besten, indem Sie gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen. Und wenn Sie Raucher sind: Versuchen Sie einen strikten Rauchstopp! Wenn Sie es nicht alleine schaffen, können wir Ihnen professionelle Unterstützung anbieten. Zum Beispiel in unserer Raucherentwöhnungssprechstunde. Ein Rauchstopp kann den Morbus Bürger zum Stillstand bringen und die Prognose verbessern. Wenn Sie weiter rauchen, ist die Prognose ungünstig.

Eine besondere Möglichkeit zur Früherkennung von Morbus Bürger gibt es nicht. Suchen Sie bei verdächtigen Symptomen wie Schmerzen in den Armen oder Beinen, Missempfindungen oder Hautverfärbungen unsere Hilfe.

Verlauf und Prognose bei Morbus Bürger

Ein Morbus Bürger verläuft oft akut und sehr heftig. Die Durchblutungsstörungen können so schwer sein, dass innerhalb kurzer Zeit eine Amputation unumgänglich ist. Aber auch ein chronischer Verlauf ist beim Morbus Bürger möglich. In diesem Fall verschlechtert sich die Durchblutung der Extremitäten langsam und schleichend. Gewebe, das nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe zum Überleben erhält, stirbt ab. In diesem Fall wird eine Amputation notwendig.

Behandlung von Morbus Bürger

Die zentrale Behandlung des Morbus Bürger ist der strikte Rauchstopp. Dies ist für Betroffene oft schwierig, weil es Ihnen nicht gelingt, das Rauchen aufzugeben. Im USZ bieten wir eine spezialisierte Raucherentwöhnungssprechstunde an. Es genügt übrigens nicht, Ihren Tabakkonsum nur einzuschränken und trotzdem ein paar Zigaretten pro Tag zu rauchen – die Krankheit kann sich verschlimmern. Auch Nikotinersatzprodukte sind bei einem Morbus Bürger für den Rauchstopp nicht ratsam, weil sie Nikotin enthalten, welches die Gefässerkrankung aktivieren kann.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Angiologie

Klinik für Gefässchirurgie

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie