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Lungenabszess

Bei einem Lungenabszess sammelt sich Eiter in einem Hohlraum in der Lunge an. Meist sind Bakterien die Verursacher, die aus dem Mund und Rachen mit der Atemluft in die Lunge gelangen. Daneben können Keime auch über die Blutbahn gestreut werden und so zu einem Abszess führen. Der Lungenabszess lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln und heilt dann meist vollständig aus.

Überblick: Was ist ein Lungenabszess?

Ein Lungenabszess ist ein Hohlraum in der Lunge, der mit Eiter gefüllt ist. Aufgrund einer Entzündungsreaktion stirbt Lungengewebe ab (Nekrose) und es entsteht eine Eiterhöhle, der Lungenabszess. Die Ursache sind meist Bakterien, die den Mund- und Rachenraum besiedeln. Einerseits können die Keime mit der Atemluft, andererseits auch über die Blutbahn in die Lunge gelangen. Meist handelt es sich um Bakterien, die sich ohne Sauerstoff vermehren – sogenannte Anaerobier. Auch einige Parasiten können einen Lungenabszess verursachen. Seltener kommt er bei einer Lungenentzündung, einem Lungeninfarkt oder bei Lungenkrebs vor.

 

Der Lungenabszess löst allgemeine Symptome wie Husten, Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit aus. Solche Beschwerden sind nicht typisch für einen Lungenabszess, sondern können im Rahmen vieler Krankheiten vorkommen. Ein spezifischeres Symptom ist Abhusten von eitrigem Sekret, manchmal auch mit Blut. Eine Röntgenuntersuchung der Lunge zeigt mit hoher Sicherheit, ob sich ein Abszess in der Lunge gebildet hat.

 

Diese lokalisierte Lungeninfektion lässt sich gut mit Antibiotika behandeln und heilt in der Regel ohne einen Defekt zu hinterlassen vollständig aus. Antibiotika bremsen die Vermehrung der Krankmacher und töten sie ab. Allerdings müssen Sie diese Medikamente meist über längere Zeit einnehmen, damit sämtliche Bakterien beseitigt sind. Komplikationen sind selten, etwa die weitere Ausbreitung der Entzündung in der Lunge oder Streuung der Erreger über die Blutbahn.

Lungenabszess – Häufigkeit und Alter

Lungenabszesse sind heute eher selten geworden – dank des frühzeitigen Einsatzes der Antibiotikatherapie. Genaue Zahlen zur Häufigkeit und dem Alter der Betroffenen gibt es nicht. Gefährdet sind oft ältere Menschen, die nicht mehr richtig schlucken können, etwa, weil sie unter neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer oder Parkinson leiden. Dadurch gelangt Flüssigkeit oder gar Teile des Essens anstatt in die Speiseröhre direkt in die Luftröhre. Diese bakterienhaltigen Sekrete aus dem Mund und Rachen gelangen dann mit der Atemluft in die Lunge. Auch bei Personen mit einer Immunschwäche (medikamentös oder krankheitsbedingt wie alkoholkranke Menschen oder Diabetes-Betroffene) sind Lungenabszesse häufiger.

Lungenabszess: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen des Lungenabszesses sind in der Regel Bakterien, die im Mund- und Rachenraum vorkommen. Sie sitzen zum Beispiel in den Furchen der Rachenmandeln oder in den Falten des Zahnfleischs. Besonders viele „Krankmacher“ finden sich bei Menschen mit mangelnder Mundhygiene und Erkrankungen des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparates. Mit der Atemluft können diese Bakterien dann in die tieferen Atemwege gelangen – die Lunge und Bronchien.

Daneben können Keime auch direkt über die Blutbahn in die Lunge eingeschwemmt werden. Diese Krankheitserreger stammen von anderen Infektionsherden im Körper und werden sekundär mit dem Blut in weitere Organe verteilt (im Volksmund „Blutvergiftung“).

Dadurch entsteht zunächst eine lokalisierte Entzündungsreaktion in der Lunge, die zum Untergang des Gewebes und schliesslich zum Lungenabszess führt. Meist entleert sich der Abszess über die angrenzenden kleinen Luftwege (Bronchien) und die Betroffenen husten den Inhalt aus. Zurück bleibt ein Hohlraum, der Luft und Flüssigkeit enthält. Dieser heilt normalerweise ganz ab und es bilden sich meist nur kleine Narben.

Lungenabszess: Anaerobe und aerobe Bakterien als Ursachen

Häufig handelt es sich bei den eingeatmeten Bakterien um Arten, die sich gut ohne Sauerstoff vermehren können. Sie heissen Anaerobier. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Peptostreptokokken
  • Prevotella
  • Bacteroides
  • Fusibakterien

Seltener lösen Bakterien einen Lungenabszess aus, die nicht über das Einatmen in die Lunge gelangt sind. Dabei handelt sich meist nicht um Anaerobier, sondern um Aerobier – das heisst, diese Erreger benötigen Sauerstoff für ihr Wachstum. Sie können auch eine Lungenentzündung (Pneumonie) ohne einen Lungenabszess verursachen. Vertreter dieser aeroben Bakterien sind zum Beispiel:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Klebsiellen
  • Haemophilus
  • Legionellen
  • Pseudomonas

Manchmal sind am Lungenabszess sowohl anaerobe als auch aerobe Bakterienarten beteiligt – es lässt sich also eine Mischung der Erreger in der Lunge nachweisen.

Lungenabszess – seltenere Ursachen

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem finden sich oft noch andere, seltenere Bakterienarten sowie Pilze oder Parasiten als Ursache für den Lungenabszess. Beispiele sind:

  • Nokardien
  • Aktinomyceten
  • atypische Mykobakterien
  • Pilze: Aspergillus, Cryptococcus neoformans, Histoplasma capsulatum
  • Parasiten: einzellige Mikroorganismen wie Amöben, Würmer oder Lungenegel (in Tropengebieten)

Risikofaktoren für Lungenabszesse

Es gibt zudem einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für einen Lungenabszess erhöhen. Sie lassen die Gefahr steigen, dass ein Mensch versehentlich bakterienhaltige Sekrete einatmet und diese in die Lungen gelangen. Etwa:

  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Drogenkonsum: Alkohol, andere Drogen – sie trüben oft das Bewusstsein
  • Benommenheit, etwa durch eine Narkose oder Beruhigungsmittel
  • Bewusstlosigkeit
  • Neurologische Erkrankungen, die mit Schluckstörungen verbunden sind

Symptome: Lungenabszess entwickelt sich oft langsam

Ein Lungenabszess entwickelt sich meist schleichend über Wochen oder Monate hinweg, wenn anaerobe Bakterien an der Entstehung beteiligt sind. Wenn dagegen aerobe Bakterien die Verursacher sind, setzen die Beschwerden oft schlagartig ein und die Erkrankung verläuft akut – ähnlich wie bei einer Lungenentzündung, die durch Bakterien bedingt ist.

Die Symptome beim Lungenabszess sind oft uncharakteristisch und können auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen. Folgende Anzeichen sind möglich:

  • Husten mit Auswurf (produktiver Husten), manchmal ist der Auswurf (Sputum) mit Blut und Eiter vermengt, er besitzt einen fauligen Geruch oder Geschmack
  • manchmal Brustschmerzen
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Schweissausbrüche, besonders nachts
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit,
  • verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust

Lungenabszess: Diagnose durch uns

Am Anfang der Diagnose eines Lungenabszesses steht das Gespräch mit uns zur Krankengeschichte (Anamnese). Wichtig sind zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welche Symptome haben Sie genau, z. B. Husten, Auswurf, Fieber?
  • Wann haben Sie die Beschwerden erstmals festgestellt – vor Stunden, Tagen, Wochen?
  • Wie intensiv fallen die Beschwerden aus?
  • Gibt es Situationen, in denen sich die Symptome verstärken?
  • Sind Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt, zum Beispiel Infektionen, Zahnfleischentzündung (Gingivitis), Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) oder neurologische Erkrankungen, die zu Bewusstseinsstörungen führen?
  • Leiden Sie unter Schluckstörungen?
  • Waren Sie auf Reisen im Ausland, etwa in tropischen Regionen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Falls ja: Welche und seit wann?
  • Konsumieren Sie Drogen (Alkohol, illegale Drogen)?

Aus Ihren Antworten können wir schon erste Rückschlüsse auf die Ursache Ihrer Beschwerden ziehen. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei hören wir zum Beispiel die Lunge mit einem Stethoskop ab und kann ungewöhnliche Lungengeräusche feststellen, etwa ein Rasseln. Auch abgeschwächte Atemgeräusche können ein Hinweis auf einen Lungenabszess sein. Zudem bestimmen wir die Körpertemperatur.

Lungenabszess: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Einem Lungenabszess können Sie nicht wirklich vorbeugen. Auch spezielle Massnahmen zur Früherkennung gibt es nicht. Oft sind Bewusstseinsstörungen daran beteiligt, wenn ein Mensch Sekrete versehentlich einatmet (aspiriert in der Fachsprache), was auch bei hohem Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch vorkommen kann. Hier können die Betroffenen selbst ansetzen. Lassen Sie zudem neurologische Krankheiten, die oft mit Schluckstörungen einhergehen, von einer Ärztin oder einem Arzt behandeln. Gute Strategien für ein starkes Immunsystem, sind: Gesunde Ernährung, viel Bewegung, vermeiden von Inhalation von Noxen, wie z.B. Zigarettenrauch, wenig Alkohol und wenig Stress.

Verlauf und Prognose beim Lungenabszess

Bei etwa 90 Prozent der Patientinnen und Patienten heilt der Lungenabszess durch die Behandlung mit Antibiotika aus. Etwa zehn Prozent benötigen eine weitere Behandlung – äusserst selten sind jedoch chirurgische Eingriffe notwendig. Die Prognose und der Verlauf sind also bei den meisten Patienten gut.

Dennoch kann der Lungenabszess einige Komplikationen nach sich ziehen, zum Beispiel:

  • Aspergillom: Es können Resthöhlen in der Lunge verbleiben, in denen sich Schimmelpilze (Aspergillen) ansiedeln.
  • Pleuraempyem (Pyothorax): Der Lungenabszess bricht in die Pleurahöhle durch und Eiter sammelt sich innerhalb des Brustfells (Pleura) an.
  • Blutvergiftung (Sepsis) – die Bakterien breiten sich über die Blutbahn auf andere Organe aus, was lebensgefährlich ist. Eine Sepsis müssen wir sofort behandeln.
  • Embolien – Aufgrund der Entzündung Verstopfen die Lungengefässe

Lungenabszess: Behandlung meist mit Antibiotika

Meist rufen Bakterien den Lungenabszess hervor. Gegen diese gibt es wirksame Medikamente, die die Keime abtöten – Antibiotika. Wir verabreichen sie in der Regel als Infusion in höheren Dosierungen über die Vene. Bei einem weniger ausgeprägten Lungenabszess können Sie die Antibiotika auch als Tabletten einnehmen. Die Medikamente müssen über längere Zeit verabreicht bzw. eingenommen werden, etwa drei bis sechs Wochen. Der Grund für die längere Anwendung: Wenn nicht sämtliche Erreger beseitigt sind, können sie sich erneut vermehren. Dann droht ein Rückfall (Rezidiv).

Details zu den Behandlungen

Behandelnde Fachbereiche

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Klinik für Nuklearmedizin

Klinik für Thoraxchirurgie

Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene