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Lipödem

Das Lipödem betrifftvorwiegend Frauen, deren Lebensqualität dadurch stark beeinträchtigt wird. Es gibt wenig Information über Ursachen und Häufigkeit des Lipödems. Fehldiagnosen sind häufig und heilbar ist ein Lipödem nicht.

Überblick: Was ist ein LipÜberblicködem?

Das Lipödem ist eine chronische, Erkrankung, die vorwiegend bei Frauen auftritt.  Ein Lipödem ist die symmetrische Einlagerung von Fettgewebe und Wasser in die Unterhaut von beiden Beinen. Typischerweise schmerzt ein Lipödem beim Drücken, was bei Adipositas nicht der Fall ist. Auch das Gesäss kann davon in Mitleidenschaft gezogen werden und seltener sind auch beide Arme betroffen. Ein Lipödem entwickelt sich aber niemals an Brustkorb und Bauch. Auch Füsse und Hände bleiben verschont. Somit entsteht eine offensichtliche Diskrepanz der Proportionen zwischen Unter- und Oberkörper.

Die Häufigkeit der Lipödeme ist unklar

Das Lipödem beginnt in der Regel in einer Phase hormoneller Veränderungen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre.  Die Häufigkeit der Lipödeme ist nicht genau bekannt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Lipödeme sehr oft mit Adipositas oder einem Lymphödem verwechselt werden. Die Beine sind bei 70 Prozent und die Arme bei 30 Prozent der Erkrankten betroffen. Männer leiden selten an einem Lipödem, aber wenn, dann tritt es meistens im mittleren Lebensalter auf.

Ursachen und Risikofaktoren: Liegt es in den Genen?

Die Ursache ist weiterhin unbekannt. Die genauen Pathomechanismen   (Kausalkette von Körpervorgängen, die in ihrer Gesamtheit zu einer Krankheit führen) sowie die Rolle der Hormone sind ebenfalls nicht geklärt. Bis zu 60 Prozent der betroffenen Frauen haben Verwandte mit demselben Problem, was darauf hindeutet, dass die Erkrankung vererbbar sein könnte. Ein bestimmtes Gen, das Lipödeme verursacht, wurde noch nicht entdeckt.

Das Fettgewebe in einem Lipödem enthält mehr Fettzellen als normal. Sie werden durch Bindegewebe zusammengehalten. Darüber hinaus erkranken die ganz feinen, kleinen Blutgefässe unter der Haut, die Durchlässigkeit funktioniert nicht mehr richtig, mehr Wasser kommt in das Fettgewebe und staut sich dort an. Die Wasseransammlungen zwischen den fest miteinander verbundenen Fettzellen verursachen Druck- und Spannungsgefühl, sowie Schmerzen.

Symptome: Schmerzhafte Fetteinlagerungen

Die Veränderungen des Lipödems treten immer symmetrisch an den Beinen und/oder Armen auf. Die Fettvermehrung kann sich homogen über Ober‐ und/oder Unterschenkel (Säulenbein) beziehungsweise Ober‐ und/oder Unterarm verteilen.

Lipödeme lösen Druck-, Schwere-, Hitze- und Spannungsgefühle aus und in schweren Fällen ist ein Lipödem auch ohne Druck schmerzhaft. Häufig sieht man eine Verstärkung der Symptome bei warmen Temperaturen, langem Stehen oder Sitzen und vor allem abends. Das Lipödem ist sehr empfindlich auf Stösse, so dass sehr schnell blaue Flecken entstehen. Das liegt an der Veränderung der Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefässe in den betroffenen Regionen.

Lipödem: drei Stadien – basierend auf den Hautveränderungen

Medizinisches Fachpersonal unterteilt Lipödeme in verschiedene Stadien und orientiert sich dabei am Zustand der Haut.

Stadium 1: Die Fettverteilung in der Unterhaut ist gleichmässig, die Haut wirkt noch normal, eine Ansammlung von Fett im Bindegewebe ist noch nicht sichtbar.

Stadium 2: Es gibt Knötchen im Fettgewebe der Unterhaut, eine unebene Orangenhaut entsteht, die auch schmerzhaft ist.

Stadium 3: Das Bindegewebe in der Unterhaut vermehrt sich, die Haut verhärtet. Es entstehen Fettwülste an Oberschenkeln und Knien, die Schmerzen werden intensiver.

Unterschiedliche Schweregrade eines Lipödems

Je nachdem, wo sich die Fett- und Wasserablagerungen bilden, gibt es folgende Schweregrade:

Typ 1: Fettablagerungen in Gesäss und Hüften

Typ 2: Fettablagerungen von den Hüften bis zu den Knien

Typ 3: Fettablagerungen von den Hüften bis zu den Knöcheln

Typ 4: Fettablagerungen wie beim Typ 3, plus in den Armen bis zu den Handgelenken

Typ 5: Fettablagerungen wie bei Typ 4, plus Lymphödem bis zu den Fingern und Zehen

Diagnose:  Basis ist das Krankheitsbild

An erster Stelle steht die Basisdiagnostik, welche aus einer ausführlichen Anamnese und körperlicher Untersuchung besteht. Es werden gezielte Fragen gestellt; zum Beispiel wie lange die Fettablagerungen vorhanden sind und ob versucht wurde, diese zu reduzieren, zum Beispiel mit ausgewogener Ernährung und regelmässiger Bewegung.

Betroffene klagen typischerweise darüber, dass Ernährungsmassnahmen und Sport nur zur Gewichtsabnahme am Körperrumpf, aber nicht an den Beinen führen. Weitere Fragen sind:

  • Schmerzen die Fettablagerungen?
  • Bekommen Sie leicht blaue Flecken an den betroffenen Stellen?
  • Gibt es Familienmitglieder mit demselben Problem?
  • Haben Sie Fotos aus der prä- und postpubertären Zeit?

Der Arzt oder die Ärztin schaut sich die Fettablagerungen vorsichtig an und tastet sie ab. Besonders charakteristisch dabei ist, dass sich ein Lipödem nicht eindrücken lässt und dass jeder Druck einen Schmerz auslöst. Darüber hinaus wird der Schmerz auf der Aussenseite des Beins stärker empfunden als auf der Innenseite desselben Beins, was bei gesunden Menschen eher umgekehrt ist.

Zur Verlaufskontrolle wird empfohlen weitere Parameter wie das Gewicht, den Body-Mass-Index (BMI), die „Waist-Hip-Ratio“ (WHR), die „Waist-Height-Ratio (WTR) sowie Umfangs- und Volumenmessungen der Extremitäten und den täglichen Aktivitätsindex zu dokumentieren.

Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Einem Lipödem können Sie nicht vorbeugen, da die Ursachen nicht bekannt sind. Das gilt vor allem für Frauen. Männer mit Lipödemen in der Familie sollten Alkohol vermeiden und – wenn möglich – einer Hormontherapie ausweichen. Obwohl sich ein voll entwickeltes Lipödem nicht durch Ernährung verbessern lässt, ist es ratsam, auf ein normales Gewicht zu achten, wenn es Familienmitglieder mit Lipödemen gibt.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf eines Lipödems ist sehr langsam, es dauert mehrere Jahre bis es sich überhaupt bemerkbar macht. Anfangs verteilen sich die Fettzellen gleichmässig in der Unterhaut, sodass die Haut noch gerade erscheint. Die Ansammlung von Fett im Bindegewebe ist in diesem ersten Stadium noch nicht sichtbar. Später deutet die Vermehrung des Fettgewebes auf eine Gewichtszunahme hin. Massnahmen zur Gewichtsreduzierung sind jedoch nicht hilfreich. Im 2. Stadium bilden sich Knötchen im Unterhautfettgewebe. Die Haut wird uneben  und ist schmerzhaft. Die Körperproportionen verschieben sich allmählich und der Oberkörper sieht schmal aus verglichen zu den Beinen. Das Bindegewebe der Unterhaut vermehrt sich und die Haut verhärtet. Dann bilden sich Fettwülste an den Oberschenkeln und den Knien und die Schmerzen werden intensiver.

Bleibt ein Lipödem jahrelang unbehandelt, entstehen Komplikationen, wie Lymphödeme, Einschränkung der Beweglichkeit und Wunden. Die richtige und frühzeitige Diagnose und Behandlung eines Lipödems verbessert den Verlauf der Erkrankung. Das heisst, dass die Entwicklung von Wassereinlagerungen gebremst und die Symptome gelindert werden können. Darüber hinaus wird das Komplikationsrisiko reduziert und die Lebensqualität verbessert.

Behandlung: Lipödeme sind nicht heilbar

Lipödeme sind nicht heilbar, da ihre Ursachen unbekannt sind. Deswegen dienen die Behandlungsmöglichkeiten hauptsächlich der Linderung der Symptome. Allerdings ist die Reduktion des Umfangs der Beine oder Arme möglich. Im 1. Stadium ist eine Behandlung in der Regel nicht notwendig, weil die Fettansammlung im Bindegewebe noch schmerzlos und unsichtbar ist. Daher beginnt die Behandlung eines Lipödems meistens ab dem 2. Stadium.

Wichtig ist zu versuchen, das betroffene Gewebe von den Wasseransammlungen zu entstauen. Diuretika sind in diesem Fall nicht wirksam, sie lösen eine Art ,,Bumerang‘‘ Effekt aus: Anfangs reduzieren sie die Wasseransammlungen, die sich aber nach der Therapie wieder zurückbilden, weshalb Diuretikatabletten nicht empfohlen sind.

Die Therapie verfolgt zwei Ziele:

  1. Die Beseitigung oder Besserung der Befunde und der Beschwerden (besonders Schmerzen, Ödem und Disproportion)
  2. Die Verhinderung von Komplikationen. Bei fortschreitender Ausprägung mit Zunahme vor allem der Beinumfänge steigt das Risiko von dermatologischen (zum Beispiel Mazerationen, Infektionen), lymphatischen (zum Beispiel Erysipelen, Lymphödem) und orthopädischen Komplikationen (Gangbildstörungen, Achsenfehlstellungen).

Details der Behandlungen

Behandelnde Kliniken

Klinik für Angiologie

Kompetenzzentrum Palliative Care

Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie