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Herzbeutelentzündung

Perikarditis, Panzerherz, Pericarditis constrictiva

Unser Herz ist von einer Hülle aus Bindegewebe umgeben, dem Herzbeutel oder auch Perikard genannt. Entzündet er sich, äussert sich dies durch stechende Schmerzen in der Brust, begleitet von einer erhöhten Körpertemperatur.

Eine Herzbeutelentzündung (Fachbegriff: Perikarditis) kann akut auftreten oder einen chronischen Verlauf nehmen. Gefährlich ist die daraus resultierende Herzbeutel-Tamponade, die ohne Behandlung zum Tod führen kann. Leichte Verläufe werden hingegen oft gar nicht bemerkt und verheilen ohne Komplikationen.

Überblick: Was ist eine Herzbeutelentzündung?

Der Herzbeutel besteht aus zwei Schichten, deren Zwischenraum mit Flüssigkeit gefüllt ist. Durch diese Flüssigkeit gleiten die beiden Perikard-Schichten aufeinander und das Herz kann sich mühelos ausdehnen und zusammenziehen. Wenn sich bei einer Perikarditis diese Schichten entzünden, fliesst das dabei entstehende Sekret in den Zwischenraum und kann dadurch die Funktionsfähigkeit des Herzens beeinträchtigen. Auslöser einer Herzbeutelentzündung sind sehr häufig Viren, manchmal auch Bakterien. Oft tritt eine Perikarditis als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auf, etwa bei einer Lungenentzündung oder auch bei Autoimmun- oder Stoffwechselkrankheiten.

Herzbeutelentzündung – wer ist besonders betroffen?

Die meisten Entzündungen des Herzbeutels treten als unbemerkte Begleiterscheinung eines viralen Infekts oder einer Tuberkulose auf. Für Männer ist das Risiko einer Erkrankung insgesamt höher als für Frauen. Wenige Studien haben bisher untersucht, wie häufig eine Herzbeutelentzündung in der Bevölkerung vorkommt. Fachleute gehen von rund 25 bis 30 Erkrankten pro 100‘000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr aus, davon müssen rund drei im Spital behandelt werden. Der Herzbeutel kann sich bei Menschen jeden Alters entzünden, wobei insgesamt bei jungen Erwachsenen die Erkrankung etwas häufiger auftritt. Besonders gefährdet sind Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr, wie z.B. nach einer Organtransplantation oder durch eine HIV-Infektion.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer Herzbeutelentzündung sind vielfältig und lassen sich nicht in jedem Fall exakt bestimmen. In rund der Hälfte aller Fälle in Industrienationen sind Infektionen mit Viren für die Erkrankung verantwortlich. Erreger können Grippe-Viren sein ebenso wie Herpesviren oder HIV. Relativ oft tritt eine Perikarditis als Folge eines Atemwegsinfekts auf. Auch nach einem Herzinfarkt kann eine Perikarditis entstehen.

Zudem können neben Viren auch Bakterien eine Herzbeutelentzündung auslösen., wie z.B.  bei einer Lungenentzündung durch Pneumokokken. In der Schweiz selten, aber in Entwicklungsländern häufig, ist eine Verbindung mit einer Tuberkulose (Mykobakterien). Auch nach dem Ziehen eines Zahns können Bakterien in die Blutbahn gelangen und so eine Perikarditis verursachen.

Krebskranke sind besonders gefährdet: Bei Brust- oder Lungenkrebs sowie Leukämie können sich Tochtergeschwulste im Herzbeutel bilden und dort für eine Entzündung sorgen. Selten kann auch die Bestrahlung eine Ursache für eine Perikarditis sein.

Auch im Rahmen einer Autoimmunerkrankung kann es zu einer Herzbeutelentzündung kommen, indem . die körpereigene Immunabwehr sich gegen das perikardiale Gewebe richtet und dadurch eine Entzündung verursacht. Bei einer Nierenerkrankung können Giftstoffe im Körper verbleiben, die dann zu einer Perikarditis führen.

Bei psychischer Belastung

Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.

Symptome einer Perikarditis

Typisch für eine Herzbeutelentzündung sind Schmerzen in der Brust, meist lokalisiert unter dem Brustbein. Die Schmerzen sind in der Regel im Liegen stärker als im Sitzen und strahlen oft in den Hals, die Arme oder den Rücken aus. Häufig spüren die Erkrankten zudem einen Schmerz bei einem tiefen Atemzug oder beim Husten. Oft geht die akute Perikarditis mit plötzlich einsetzendem Fieber, begleitet von einem hohen Puls, einher. In schweren Fällen klagen Erkrankte auch über Atemnot und ein Engegefühl in der Brust. Allerdings sind die Symptome einer Perikarditis nicht immer eindeutig. Leichtere Formen können auch ohne besondere Anzeichen vorübergehen.

Schmerzen bei einer chronischen Herzbeutelentzündung

Weniger deutlich sind die Symptome bei einer chronischen Herzbeutelentzündung. Diese kann sich durch schnelle Erschöpfbarkeit und schnelles „Ausseratemkommen“ äussern. Typisch sind auch Wassereinlagerungen, die oftmals erst in der ärztlichen körperlichen Untersuchung deutlich werden. Wegen dieser kaum sichtbaren Zeichen wird eine chronische Perikarditis oft erst erkannt, wenn Komplikationen dazukommen – etwa ein Herzbeutelerguss.

Normalerweise befinden sich zwischen den beiden Schichten des Herzbeutels etwa 15 Milliliter bernsteinfarbene, klare Flüssigkeit. Beim Herzbeutelerguss mischt sich Blut hinein oder Eiter von einer bakteriellen Entzündung. Durch diese zusätzliche, träge Flüssigkeit kann das Herz nicht mehr wie gewohnt arbeiten. Erkrankte fühlen sich weniger leistungsfähig und matt.

Diagnose bei einer Herzbeutelentzündung

Um die Diagnose einer Herzbeutelentzündung zu stellen, stützen wir uns auf folgendes:

  • Die Krankengeschichte. Eine vorhergegangene Atemwegserkrankung oder ein Magen-Darm-Infekt können einen Hinweis auf eine Perikarditis geben. Zudem wird die individuelle Krankengeschichte hinsichtlich einer autoimmunen Erkrankung aufgearbeitet.
  • Körpertemperatur, Blutdruck und Puls sowie die körperliche Untersuchung
  • Herzgeräusche. Wir hören das Herz mit einem Stethoskop ab. Ein Anzeichen für eine Herzbeutelentzündung ist ein reibendes Geräusch, akustisch vergleichbar mit Tritten auf einer Schneedecke– das so genannte „Perikardreiben“.
  • Blutwerte. Eine Blutuntersuchung kann weiteren Aufschluss geben: Weist das Blut besonders viele weisse Blutkörperchen auf, liegt eine Entzündung im Körper vor. In diesem Fall ist auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht und ein Anstieg des C-reaktiven Proteins ist zu sehen. Die Suche nach speziellen Antikörpern im Blut zeigt, ob eine Autoimmunreaktion auf körpereigenes Gewebe der Grund für die Beschwerden sein könnte.

Haben Sie vorher eine Fernreise gemacht, beauftragen wir auch einen Tuberkulosetest.

Weitere Untersuchungen bei einer Perikarditis

Weisen diese Untersuchungen auf eine Herzbeutelentzündung hin, werden wir weitere Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu festigen. Zum Beispiel:

  • Herz-Ultraschall: Durch die Sonografie erkennen wir, ob es Anomalien im Gewebe gibt und wie gross der Herzbeutel ist. Zudem kann Flüssigkeit detektiert und eingeschätzt werden, ob das Herz in seiner Funktion durch diese eingeschränkt ist. Auch Ablagerungen von Entzündungseiweissen können wir bei dieser Untersuchung erkennen.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG zeigt typische Veränderungen – etwa verringerte Ausschläge.
  • Bildgebende Verfahren: Noch detailliertere Infomationen erhalten wir durch bildgebende Verfahren. So können Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder eine Positronenemissionstomografie (PET) Aufschluss über die Art und Schwere der Erkrankung bieten. So ermöglicht ein CT, die Dicke der Flüssigkeit im Herzbeutel und dessen Verkalkung zu bestimmen. Bei einer chronischen Perikarditis kann ein Kardiologe oder eine Kardiologin auf diesem Weg entscheiden, ob ein Panzerherz vorliegt, also eine Verkalkung des Herzbeutels.

Anzeichen für eine Herzbeuteltamponade oder ein Panzerherz

Durch wiederkehrende Entzündungen einer chronischen Perikarditis können narbige Verwachsungen und eine Einlagerung von Kalk entstehen. So wird das Gewebe des Herzbeutels unbeweglich und das Herz damit in seiner Beweglichkeit gestört. Daher kommt die Bezeichnung „Panzerherz“ (Pericarditis constrictiva) für diese Komplikation.

Sammelt sich zu viel Flüssigkeit im Herzbeutel an, kommt es zu einer Herzbeuteltamponade. Durch den stark ausgeprägten Herzbeutelerguss wird das Herz zusammengepresst. Deshalb kann das Blut nicht mehr in die Herzkammern fliessen und es gelangt zu wenig Blut in den Kreislauf. Gleichzeitig staut sich das Blut in den Venen, weil es nicht mehr in die Herzkammer strömen kann. Eine Herzbeuteltamponade äussert sich mit den Symptomen eines Schocks, insbesondere durch einen Abfall des Blutdrucks. Weitere Anzeichen sind Schmerzen im Oberbauch und gestaute Venen im Hals. Bei diesem Notfall ist ein schnelles Handeln dringend erforderlich!

Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Wenn Sie einen schweren Infekt haben, sollten Sie sich möglichst schonen und vor allem keinen Sport treiben. Mit diesem Verhalten beugen Sie einer Herzbeutelentzündung vor. Wichtig ist auch, Grunderkrankungen wie Stoffwechselprobleme, Krebs oder Infektionen möglichst frühzeitig zu behandeln. Insbesondere wenn Sie ein schwaches Immunsystem haben, sollten Sie Warnsignale wie Schmerzen in der Brust beachten und uns rechtzeitig aufsuchen. Auch wiederkehrendes Fieber und andauernde Mattigkeit können Anzeichen einer Herzbeutelentzündung sein.

Verlauf und Prognose bei einer Perikarditis

Die Prognose bei einer Herzbeutelentzündung ist in den meisten Fällen gut. Leichte Verläufe heilen rückstandslos. Insbesondere bei frühzeitiger Behandlung sind die Heilungschancen positiv. In vielen Fällen heilt eine Herzbeutelentzündung nach ein bis drei Wochen aus. Allerdings kann eine idiopathische Form der Perikarditis – also eine Erkrankung ohne ersichtlichen Grund – einen chronischen Verlauf nehmen. Dann treten die Beschwerden über Jahre hinweg immer wieder auf und können im Laufe der Zeit das Herz schwerwiegend schädigen. Gefährlich und langwierig in der Behandlung sind Komplikationen wie eine Herzbeuteltamponade oder ein Panzerherz.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Herzchirurgie

Klinik für Kardiologie

Klinik für Nuklearmedizin

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Klinik und Poliklinik für Innere Medizin

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie