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Hepatitis E

Hepatitis E ist eine Entzündung der Leber (altgriechisch: «hepar»), die durch eine Virusinfektion ausgelöst wird. Der Verlauf ist fast immer akut (also nicht chronisch) und wird vom Körper in den meisten Fällen selbst geheilt, häufig sogar ohne Auftreten von Symptomen.

In bis zu vier Prozent der Fälle kann es zu einem schweren Verlauf mit lebensbedrohlichen Folgen kommen. Das Hepatitis-E-Virus verursacht eine Schädigung der Leberzellen. Die Übertragung erfolgt durch verseuchtes Trinkwasser oder Lebensmittel. Eine Impfung gegen die Erkrankung ist bisher nur in China zugelassen. Deshalb sollten sich vor allem Personen, die einen Aufenthalt in einem der Risikogebiete planen, über die Massnahmen zur Vorbeugung informieren. Eine Hepatitis E unterliegt in der Schweiz der Meldepflicht.

Überblick: Was ist eine Hepatitis E?

Das Hepatitis-E-Virus, das die akute Leberentzündung auslöst, ist ein RNA-Virus (einsträngige Ribonukleinsäure). Übertragungswege sind verunreinigtes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel. Eine Ansteckung ist von Tier zum Menschen oder über virales Blut möglich. Begünstigt werden das Vorhandensein und die Übertragung des Hepatitis-E-Virus durch mangelhafte Hygiene in warmem oder tropischem Klima. In den Industrieländern erfolgt eine Infektion meist über rohes oder ungenügend gegartes Fleisch. Fast alle Fälle von Hepatitis E heilen selbst aus, wobei der Verlauf einige Wochen dauern kann. Bei Betroffenen mit Vorschädigung der Leber und bei Schwangeren ist auch ein schwerer Verlauf möglich, der bis zu akutem Leberversagen und weiteren schweren Schäden führen kann. Wenn eine betroffene Person eine Hepatitis-E-Infektion hinter sich gebracht hat, ist sie im Gegensatz zu einer Hepatitis A oder Hepatitis B nicht immun gegen das Virus. In Europa wird eine Impfung bisher nicht angeboten. Deshalb schützt nur ein verantwortungsvolles Verhalten vor einer Ansteckung.

Hepatitis E – Häufigkeit und Meldepflicht

Die Hauptverbreitungsgebiete des Hepatitis-E-Virus liegen in Nordafrika und Vorderasien. In Südostasien herrscht während und nach der Regenzeit häufig eine saisonale Hepatitis-E-Epidemie. Durch Überschwemmungen wird das Trinkwasser kontaminiert und der Hepatitis-E-Erreger kann sich binnen kürzester Zeit flächendeckend ausbreiten Die häufigste Ansteckungsart in Europa ist die Übertragung vom Tier zum Menschen. Eine solche Hepatitis-E-Zoonose (Infektionen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können) geschieht dabei durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch von Hausschwein, Wildschwein oder Wild. Nach dem Epidemie-Gesetz und anderen Verordnungen müssen in der Schweiz Fälle von Hepatitis E durch Ärztinnen und Ärzte oder Spitäler gemeldet werden. Ausserdem sind auch Laboratorien zur Meldung von analytischen Befunden verpflichtet.

Hepatitis E: Ursachen und Risikofaktoren

Der Infektionsweg ist fäkal-oral. Das bedeutet, das Virus gelangt aus Stuhl in den Mund. Damit ist eine Ansteckung über Kontakt- oder Schmierinfektion möglich. Durch mangelhafte sanitäre und hygienische Verhältnisse kann das Virus in das Trinkwasser gelangen. In den Industrieländern geschehen die meisten Infektionen über den Verzehr von verseuchtem Fleisch, das nicht genügend erhitzt wurde. Übertragungswege direkt zum Menschen sind:

  • kontaminiertes Wasser wie Trinkwasser und Badewasser,
  • rohes oder ungenügend gegartes Fleisch (vor allem Schwein und Wild),
  • mit Fäkalien gedüngtes Gemüse, Früchte und Salate und
  • sehr selten Blut, Blutprodukte oder gemeinsam genutzte Spritzen.

Besonders gefährdet sind Personen mit einer Vorerkrankung der Leber und Schwangere. Diese beiden Gruppen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Grundsätzlich ist eine Übertragung des Hepatitis-E-Virus in allen Situationen möglich, in denen Stuhl direkt oder indirekt über den Mund zu sich genommen werden kann. Sollten Sie sich in einem Risikogebiet aufhalten, ist ein umsichtiges Verhalten der beste Schutz.

Symptome: Hepatitis E

Nach 15 bis 64 Tagen Inkubationszeit (Dauer von der Ansteckung bis zum Ausbruch) vermehrt sich das Hepatitis-E-Virus in den Leberzellen. Es breitet sich im Blut aus und wird über den Darm ausgeschieden. Während der akuten Erkrankung ist die Ansteckungsgefahr sehr hoch. Manchmal zeigt sich als Begleiterscheinung allgemeines Unwohlsein. Viele Erkrankte nehmen die Hepatitis E-Infektion allerdings gar nicht wahr und oft heilt sie völlig unbemerkt von selbst aus. Sollten sich Symptome zeigen, dann sind das im ersten Verlauf:

  • Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Erhöhte Temperatur bis Fieber
  • Druckgefühl oder Schmerzen im Bereich der Leber (rechter Oberbauch)

Bei einem Teil der Hepatitis-E-Erkrankten zeigen sich weitere Symptome:

  • Gelbsucht (Ikterus): Durch eine Erhöhung des Bilirubins im Blut färben sich Haut, Schleimhäute und Augenweiss gelblich, Urin wird dunkel, Stuhl entfärbt sich.
  • Vergrösserung von Leber, Milz oder Lymphknoten
  • Starker Juckreiz

Nach einigen Wochen ist die Leberentzündung normalerweise überstanden. Ein günstiger Krankheitsverlauf kann von den Betroffenen durch gesunde Ernährung, regelmässige Bewegung und eine gesundheitsbewusste Lebensweise erheblich unterstützt werden.

Hepatitis E: Diagnose bei uns

Wenn Sie mit grippeähnlichen Symptomen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen, ist für ihn die Information über kürzliche Reisen in Risikogebiete hilfreich. Sie sollten sie oder ihn auch informieren, ob Sie zu einer Risikogruppe gehören. Bei einer körperlichen Untersuchung können wir eine mögliche Vergrösserung von Leber oder Milz ertasten. Bei Auftreten von schwereren Merkmalen einer Hepatitis (vor allem Gelbsucht) werden wir über eine Blutuntersuchung bestimmte Werte ermitteln. Hepatitis A ist der Hepatitis E sehr ähnlich, auch das Grippe- oder das Epstein-Barr-Virus äussern sich ähnlich im Krankheitsbild. Diese Erkrankungen gilt es auszuschliessen. Neben verschiedenen Parametern wie Bilirubin, Gamma-GT, GOT und GPT ist das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Hepatitis-E-Virus ein Beweis für eine akute Leberentzündung vom Typ E. Über Blut und Stuhl kann das Virus im frühen Krankheitsverlauf auch direkt nachgewiesen werden, diese Untersuchung ist jedoch selten. Bei Verdacht oder Nachweis einer Hepatitis-E-Erkrankung ist die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt zur Meldung verpflichtet.

Hepatitis E: Weitere Diagnoseverfahren

Da die meisten Hepatitis-E-Erkrankungen gutartig verlaufen, ist ein weitergehendes diagnostische Vorgehen durch eine Ärztin oder einen Arzt zunächst nicht erforderlich. Für Schwangere und Menschen mit vorgeschädigter Leber ist ein ungünstiger Krankheitsverlauf eher wahrscheinlich. Hier werden wir durch stete Überwachung der Blutwerte den Verlauf beobachten und durch verschiedene Ultraschallverfahren den Zustand der Leber überprüfen. Bei schwangeren Erkrankten besprechen sich die betreuenden Ärztinnen und Ärzte interdisziplinär, um das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt zu minimieren. Bei schweren Fällen von Hepatitis E können die Betroffenen mittels MRT (Magnetresonanztomografie) und Biopsie (Gewebeentnahme) auf mögliche Folgeschäden wie Zirrhose oder Leberkrebs untersucht werden.

Hepatitis E: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Schwangere Frauen und Menschen mit verschiedenen anderen Vorerkrankungen sollten sich vor einer Hepatitis-E-Infektion besonders schützen. Aber auch wenn Sie zu keiner Risikogruppe zählen, ist es sinnvoll, eine Erkrankung möglichst zu vermeiden. Das Ausheilen einer Leberentzündung kostet den Körper viel Kraft und macht ihn anfälliger gegenüber anderen Krankheiten. Anders als bei Hepatitis A und Hepatitis B gibt es bisher nur in China eine zugelassene Impfung gegen Hepatitis E. Deshalb ist ein verantwortungsbewusstes Reisen in Risikogebiete die beste Möglichkeit, eine Ansteckung zu verhindern. So schützen Sie sich am besten:

  • Obst und Gemüse mit abgekochtem Wasser gründlich waschen oder schälen
  • Nur abgefülltes Mineralwasser oder abgekochtes Wasser trinken
  • Verzicht auf Eiswürfel
  • Umsichtige Körperhygiene
  • Vorsicht beim Essen an Imbissständen
  • Verzicht auf Speiseeis und rohe Gerichte (z. Salat, Meeresfrüchte)

Grundsätzlich gilt für unterwegs: Kochen, Braten, Schälen oder Verzichten.

Auch zu Hause können Sie sich über den Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch mit dem Hepatitis-E-Erreger infizieren. Deshalb sollten vor allem Schwangere Fleisch wenigstens zwanzig Minuten auf mindestens siebzig Grad erhitzen. Damit sind die im Fleisch befindlichen Viren und Bakterien abgetötet – eine einfache Regel, die unter Umständen Leben rettet.

Verlauf und Prognose der Hepatitis E

Die Hepatitis-E-Infektion dauert in der Regel wenige Wochen. Ein chronischer Verlauf mit folgender Leberzirrhose gilt als Ausnahmefall und tritt möglicherweise dann ein, wenn die oder der Erkrankte bereits erheblich immungeschwächt war (beispielsweise durch Organtransplantation). Bei vorgeschädigter Leber oder erkrankten Schwangeren kann eine Leberentzündung von Typ E zur Einschränkung der Leberfunktion bis zu einem akuten Ausfall führen. Gegebenenfalls muss eine Transplantation vorgenommen werden. Weitere Folgen einer fulminanten Hepatitis (schwerste Leberentzündung) sind möglicherweise Entzündungen von Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Herzmuskel. Ausserdem besteht bei schwangeren Hepatitis-E-Erkrankten ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt, eines zu geringen Geburtsgewichts des Neugeborenen und möglicherweise des Todes von Mutter und Kind. In den allermeisten Fällen reicht aber die Selbstheilungskraft des Körpers, um eine Hepatitis E zu überstehen.

Hepatitis E: Behandlung

Da im Normalfall der menschliche Körper eine Hepatitis-E-Erkrankung eigenständig bewältigt, ist eine Behandlung nicht notwendig. Während das Immunsystem die Infektion bekämpft, sollten Sie auf Alkohol verzichten. Auch Medikamente, die die Leber belasten, können in Abstimmung mit uns auf ein Minimum reduziert oder abgesetzt werden. Grundsätzlich sind alle Massnahmen, die die Gesamtgesundheit und vor allem die Leber unterstützen und stärken sinnvoll. Mit Vorbeugung, Unterstützung der Heilung und Nachsorge haben Sie als betroffene Person einen grossen Einfluss auf Ihre Gesundheit.

Behandelnde Klinik

Klinik für Immunologie