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Fettstoffwechselstörung

Bei einer Fettstoffwechselstörung (auch Dyslipoproteinämie oder Lipidstoffwechselstörung genannt) liegen die Werte der im Blut enthaltenen Fette über dem normalen Bereich. Dieser erhöhte Blutfettspiegel ist meist Folge einer ungünstigen Lebensweise, der genetischen Veranlagung oder anderer Krankheiten. Meist liegt eine Kombination von Ursachen vor.

Überblick: Was ist eine Fettstoffwechselstörung?

Eine Fettstoffwechselstörung liegt vor, wenn im Blut enthaltene Fette (Lipide) eine zu hohe Konzentration aufweisen. Es gibt körpereigene Fette und Fette, die wir über Lebensmittel zu uns nehmen. Sie liefern dem Körper Energie. Die Fette werden im Blut transportiert und gelangen über die Verteiler Leber und Darm zu anderen Organen. Durch Störungen des Fettstoffwechsels können weitere Erkrankungen entstehen – zum Beispiel ist ein Risiko, dass sich aufgrund erhöhter Fettwerte zu viele Ablagerungen (Plaques) an den Rändern der Blutgefäße festsetzen und diese sich verengen und schlimmstenfalls verstopfen, falls sich die Plaques lösen. Ein Hinweis auf Störungen des Fettstoffwechsels geben die Cholesterin- und Triglyceridwerte – andere Fette verursachen seltener eine Störung:

  • Ist der Cholesterinspiegel erhöht, nennt man dies Hypercholesterinämie.
  • Ist der Triglyceridspiegel erhöht, spricht man von Hypertriglyceridämie.

Sind beide Fettwerte erhöht, wird dies als kombinierte Hyperlipidämie bezeichnet.

Fettstoffwechselstörung: Ursachen und Risikofaktoren

Cholesterin und Triglyceride sind hydrophob, sozusagen wasserscheu und wie alle Fette nicht wasserlöslich. Deshalb lösen sie sich auch nicht in Blut. Das Blut kann Fette nur transportieren und dem Körper damit Energie zuführen, wenn diese sich transportfähig machen. Dies geschieht, indem sich die nicht wasserlöslichen Fette an Eiweisse binden. So entstehen Lipoproteine (Fetteiweisse), die sich im Blut verteilen können. Die Lipoproteine, welche Cholesterin transportieren, werden in drei Kategorien eingeteilt:

  • LDL (Low-Density Lipoprotein), wenig dichtes Fetteiweiss: Diese Form des Lipoproteins enthält Cholesterin, welches an die Körperzellen weitergegeben wird. Bei einem Überschuss an LDL-Cholesterin im Blut lagern sich Bestände an den Wänden der Arterien (vom Herzen wegführende Blutgefässe) ab. Dieser Vorgang wird auch als Verkalkung bezeichnet. Umgangssprachlich ist das LDL-Cholesterin, insbesondere bei erhöhtem Aufkommen, als „schlechtes“ Cholesterin bekannt.
  • HDL (High-Density Lipoprotein), sehr dichtes Fetteiweiss: Dieses Lipoprotein ist der Gegenentwurf zum LDL-Cholesterin und wird als „gutes“ Cholesterin bezeichnet. Das HDL-Cholesterin hat die Aufgabe überflüssiges Cholesterin von den Zellen und Organen aufzusammeln und zur Leber zurück zu transportieren, wo es entsorgt wird. Dieser Prozess soll eine Verengung der Blutgefässe (Arteriosklerose) verhindern.
  • VLDL (Very-Low-Density Lipoprotein), sehr wenig dichtes Fetteiweiss: Das VLDL transportiert Triglyceride und Cholesterin von der Leber zum Gewebe. Während des Transports werden Triglyceride abgegeben und so entsteht aus dem VLD-Lipoprotein (VLDL) das LD-Lipoprotein (LDL).

Bei einer Analyse des Blutes werden vor allem LDL-und HDL-Wert ermittelt, ausserdem kann auch das Gesamtcholesterin und die Höhe der Triglyceride festgestellt werden. Eine Fettstoffwechselstörung liegt vor, wenn einer oder mehrere dieser Werte über einen längeren Zeitraum ausserhalb des Normbereichs liegen.

Primäre Fettstoffwechselstörung

Ein grosser Teil der Erkrankungen ist genetisch (mit-)bedingt. In diesen Fällen sprechen wir von einer primären Fettstoffwechselstörung. Die fünf verschiedenen Typen dieser sogenannten Hyperlipoproteinämie (HLP) unterscheiden sich durch unterschiedliche Schwere und Verteilung der Symptome.

Lebensumstände wie Bewegungsmangel, ungünstige Ernährung oder Alkoholkonsum verstärken die Schwere der vererbten Erkrankung.

Sekundäre Fettstoffwechselstörung

Weitere Fälle sind sekundäre Fettstoffwechselstörungen, diese sind durch die Lebensweise des Betroffenen oder eine Vorerkrankung ausgelöst und / oder begünstigt. Mögliche Ursachen sind:

  • Alkoholüberkonsum
  • Zuckererkrankung (Diabetes mellitus)
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Lebererkrankungen
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Metabolisches Syndrom (Kombination aus Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Insulinresistenz bei Zuckererkrankung, Fettstoffwechselstörungen)
  • Magersucht (Anorexia nervosa)
  • Nephrotisches Syndrom (Sammlung von verschiedenen Symptomen bei Erkrankungen der Nierenkörperchen)

Einige dieser Erkrankungen und Zustände sind von den Betroffenen selbst beeinflussbar, ein angepasstes Verhalten ist empfehlenswert. Daneben können verschiedene Medikamente oder Medikamentenbestandteile zu einer Fettstoffwechselstörung beitragen. Dazu zählen Betablocker (zum Beispiel bei Herzkrankheiten), Östrogene (zum Beispiel Anti-Baby-Pille), Diuretika (Wassertreibende Mittel) oder Glukokortikoide (zum Beispiel Kortison). Den möglicherweise ungünstigen Einfluss solcher Präparate werden wir durch eine Korrektur von Medikation und/oder Dosis bei Bedarf eindämmen.

Symptome: Fettstoffwechselstörung

Um eine Fettstoffwechselstörung behandeln zu können, muss sie zunächst erkannt werden. Dies ist häufig nicht ganz einfach. Bei genetisch bedingten Erkrankungen treten im längeren Verlauf charakteristische Knötchen (Xanthome) auf. Je nach Typ der Hyperlipoproteinämie bilden sich diese kleinen gelb-orangen Oberflächenveränderungen an verschiedenen Stellen des Körpers: Brust, Rücken, Arme, Gesäss, Ohren, Augen, Ellbogen, Knie, Fingerzwischenräume oder auch innere Organe, Leber und Milz.

Das Auftreten der Knötchen führt häufig zum Arztbesuch, in dessen Folge die Ursache gefunden wird. Wer allerdings keine oder nur wenige Symptome hat, sieht keine Veranlassung ärztlichen Rat einzuholen. Erst bei erheblichen Folgeschäden lassen sie sich untersuchen. Bei einigen Betroffenen taucht die Diagnose erst im Rahmen der Behandlung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. Symptome einer langjährigen und massiven Fettstoffwechselstörung können sein:

  • Getrübter weisslicher Ring im Auge
  • Oberbauchschmerzen (durch Entzündungen an Bauchspeicheldrüse oder Leber)
  • Schmerzen in der Brust (Angina pectoris) und/oder linker Arm oder in den Beinen (Schaufensterkrankheit) durch Fettablagerungen in Arterien (Arteriosklerose)
  • Erhebliche Verstopfung von Arterien, auch genannt periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Schmerzen (vor allem bei Bewegung) der Beine (mögliche Durchblutungsstörung durch Arteriosklerose)

Fettstoffwechselstörung: Diagnose durch uns

Die Entwicklung von Symptomen bei einer Fettstoffwechselstörung vollzieht sich schleichend und zeigt die Erkrankung oft erst zu einem späten Zeitpunkt. Ab Mitte 30 ist es deshalb empfehlenswert, die Blutwerte regelmäßig überprüfen zu lassen. Bei diesen Analysen werden Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin gemessen. Sind einer oder mehrere Werte erhöht, prüfen wir andere Ursachen für die kritischen Werte. Zudem suchen wir mittels EKG (Elektrokardiogramm), Blutdruck- und Blutzuckermessung nach weiteren Risikofaktoren. Dann werden wir gezielt die Fettstoffwechselstörung behandeln. Wenn Sie als betroffene Person einzelne oder mehrere Symptome bei sich beobachten, sollten Sie uns zeitnah aufsuchen.

Am USZ werden Lipidstoffwechselstörungen unter der Verantwortung anerkannter Expertinnen und Experten in diesem Gebiet durchgeführt. Die Behandlung komplexer Fälle erfolgt im interdisziplinären Team, das heisst Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen (zum Beispiel Stoffwechselmedizin, Herzmedizin und Gefässmedizin) besprechen die Fälle und finden einen bestmöglichen Therapievorschlag.

Fettstoffwechselstörung: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Einer Fettstoffwechselstörung können Sie selbst vorbeugen, indem Sie auf einen gesunden Lebensstil achten. Dazu gehören folgende Massnahmen:

  • eine gesunde und bewusste Ernährung
  • ein möglichst geringer Alkoholkonsum
  • ausreichend Bewegung, optimalerweise an der frischen Luft
  • das Vermeiden von Stress
  • Reduzierung von Übergewicht
  • Verzicht auf Nikotin und andere Drogen

Da sich die gesundheitlichen Folgen einer Fettstoffwechselstörung meist erst spät zeigen, reagieren viele Betroffene erst, wenn sich bereits erste Schäden zum Beispiel an den Gefäßen zeigen. Deshalb ist eine möglichst frühe Erkennung die beste Chance auf eine Minimierung der Risiken. Fachleute empfehlen deshalb regelmässige Blut-Untersuchungen ab 35 Lebensjahren.

Verlauf und Prognose der Fettstoffwechselstörung

Je früher eine Fettstoffwechselstörung entdeckt wird, umso mehr Folgeschäden lassen sich durch entsprechende Umstellungen des Lebensstils oder medikamentöse Therapien lindern oder vermeiden. Typische Folgen einer Störung des Fettstoffwechsels sind

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie etwa Angina pectoris, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Schädigungen verschiedener Organe wie beispielsweise Leber

In der Todesstatistik Mitteleuropas gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von Fettstoffwechselstörungen zu den häufigen Sterbe-Ursachen. Schätzungen gehen davon aus, dass im mitteleuropäischen Raum etwa jeder zweite im Alter von über 40 Jahren erhöhte Blutfettwerte aufweist. Durch eine gesundheitsorientierte Lebensweise ist aber eine positive Krankheitsentwicklung möglich.

Fettstoffwechselstörung: mögliche Behandlung

Eine Behandlung zielt darauf ab, die Blutfettwerte wieder zu senken. Grundsätzlich trägt eine gesunde Lebenshaltung dazu bei, den Fettstoffwechsel zu regulieren. Dies ist aber nicht immer möglich. Zusätzlich können Medikamente die Blutfettwerte senken.

Behandelnde Kliniken

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung