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Fazialisparese (Gesichtslähmung)

Wenn Sie plötzlich Ihre Gesichtsmuskeln nicht mehr beherrschen, Sie nicht mehr lächeln, die Stirn runzeln oder pfeifen können, dann kann eine Fazialisparese die Ursache sein. Die Gesichtslähmung lässt Ihre Mimikmuskeln erschlaffen.

Was ist eine Fazialisparese (Gesichtslähmung)?

Bei einer Fazialisparese handelt es sich um eine Lähmung (Parese) des Gesichtsnervs Nervus facialis. Über ihn laufen die Impulse aus dem Gehirn hin zu den Muskeln von Stirn, Wangen, Mund und Hals. Er steuert alle wichtigen Muskeln Ihres Gesichts, zudem den Speichel- und Tränenfluss, die Drüsen der Nasenschleimhaut und den Geschmackssinn auf den vorderen beiden Dritteln der Zunge. Ist der Fazialisnerv geschädigt, funktionieren die ihm zugeordneten Muskeln und Drüsen nicht mehr korrekt.

Die Schädigung kann sowohl im Gehirn entstehen, etwa durch einen Schlaganfall oder Gehirntumor. Oder der Nerv selbst ist angegriffen, etwa durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren. In letzterem Fall tritt die Fazialisparese in etwa zwei Dritteln der Fälle idiopathisch auf. Das heisst, es lässt sich keine direkte Ursache finden. Die idiopathische Fazialisparese, nach dem Londoner Arzt Charles Bell auch als Bell‘sche Lähmung bezeichnet, betrifft jedes Jahr etwa 7 bis 40 von 100‘000 Menschen. Sie ist die häufigste Hirnnervenerkrankung. Beide Geschlechter sind etwa gleich häufig betroffen. Die Gefahr dafür steigt mit dem Lebensalter. Zudem ist das Risiko von Frauen während der Schwangerschaft um das Dreifache erhöht.

Wird die Gesichtslähmung richtig erkannt und behandelt, lässt sie sich in den überwiegenden Fällen heilen. Selten bleibt eine deutliche Folge wie ein asymmetrisches Gesicht bestehen.

Fazialisparese: Ursachen und Risikofaktoren

Die Medizin differenziert zwei verschiedene Formen der Fazialisparese:

Zentrale Fazialisparese: Die Schädigung betrifft das Gehirn. Mögliche Ursachen sind:

  • Schlaganfall (Hirninfarkt, Hirnblutung): Die Blutversorgung des Gehirns ist plötzlich unterbrochen, die Folge sind Ausfälle des zentralen Nervensystems und eventuell Lähmungserscheinungen bestimmter Körperteile.
  • Gehirntumor: Eine Geschwulst kann die Hirnregion beeinträchtigen, die den Nervus facialis steuert.

Periphere Fazialisparese: Der Gesichtsnerv direkt ist beschädigt. In 70 Prozent der Fälle entsteht die Gesichtslähmung als Folge des peripher geschädigten Gesichtsnervs idiopathisch, also ohne eindeutig erkennbaren Auslöser. In den übrigen rund 30 Prozent ist die Fazialisparese Folge einer infektiösen oder entzündlichen Erkrankung, wenn diese neben bestimmten Organen auch den Gesichtsnerv betrifft. Die Lähmungserscheinungen im Gesicht treten dann akut neben anderen typischen Symptomen auf. Ursachen der entzündlich bedingten peripheren Fazialisparese können sein:

  • Infektion mit den Viren Herpes Simplex, Herpes Zoster (Gürtelrose) oder dessen Sonderform Zoster oticus, der speziell den Ohrbereich angreift. Er führt in zwei Drittel der Fälle zu einer Gesichtslähmung.
  • Borreliose, verursacht durch das durch Zecken übertragene Bakterium Borrelia burgdorferi.
  • Mittelohrentzündung: Sie greift manchmal auf die Verästelung des Nervus facialis über, der zwischen Paukenhöhle und Warzenfortsatz verläuft.
  • Hirnhautentzündung: Sie kann auf den Nervus facialis übergreifen.
  • Melkersson-Rosenthal-Syndrom: Eine entzündliche Erkrankung unbekannter Ursache mit vielfältigen Symptomen, darunter manchmal Gesichtslähmung.
  • Sarkoidose: Die Erkrankung des Bindegewebes befällt in der Regel mehrere Organe und kann die Fazialisparese auslösen.
  • Sjögren-Syndrom: Körpereigene Immunzellen greifen die Speichel- und Tränendrüsen an. Eine Lähmung des Gesichtsnervs kann eine der Folgen sein.

Auch eine Nervenverletzung, beispielsweise nach einem Schädelbruch oder einer Weichteilverletzung, kann zu einer peripheren Fazialisparese führen.

Risikofaktoren für die Fazialisparese

  • Bluthochdruck und Diabetes mellitus gelten als Risikofaktoren für eine Gesichtslähmung. Sind die Blutwerte unzureichend eingestellt, schädigt der erhöhte Blutzucker nicht selten die Nerven, teils auch den Nervus facialis.
  • Auch extremer Stress kann eine Gesichtslähmung begünstigen. Gelegentlich ist kalte Zugluft als Auslöser bekannt.
  • Während einer Schwangerschaft ist das Risiko einer Fazialislähmung ebenfalls erhöht.
  • Neugeborene können eine Gesichtslähmung bekommen, wenn der Nervus facialis im Geburtskanal oder durch Zangeneinsatz während der Geburt komprimiert wurde.

Symptome: Meist einseitig gelähmte Mimik

Eine Fazialisparese entwickelt sich in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Oft beginnt sie mit Schmerzen hinter dem Ohr. Hauptsymptom ist die Lähmung der Muskeln auf einer Hälfte Ihres Gesichts. Meist ist die Seite betroffen, wo der Nerv geschädigt ist. Das bedeutet, Sie können nur unter Mühe lächeln, sprechen, pfeifen, die Nase rümpfen, die Stirn oder runzeln, blinzeln. Meist hängt ein Mundwinkel herunter, eine kleine Region hinter dem Ohr zeigt eine gestörte Empfindung.

Zudem können folgende Symptome auftreten:

  • Insgesamt asymmetrische Gesichtspartie
  • Sie können ein Auge nicht mehr komplett schliessen.
  • Wenn Sie das Lid nur unvollständig schliessen können, bewegt sich der Augapfel nach oben (positives Bell-Phänomen).
  • Da Ihre Wangen- und Lippenmuskulatur gelähmt sind, können Sie nur schwer sprechen.
  • Die Haut zwischen Nase und Mundwinkel sowie auf der Stirn ist plötzlich faltenfrei.
  • Sie sind überempfindlich gegenüber Geräuschen.
  • Ihr Geschmackssinn ist gestört.
  • Sie bilden weniger Tränenflüssigkeit und Speichel.

Ist die zentrale Fazialisparese (Schädigung der Nervenzellen im Gehirn) Auslöser der Gesichtslähmung, betrifft sie vor allem die mimische Muskulatur im Mundbereich. Dann können Sie Ihre Stirnmuskulatur nach wie vor bewegen.

Diagnose Fazialisparese

Wenn einer Ihrer Mundwinkel herabhängt und Sie ein Auge nur unvollständig schliessen können, erkennen wir anhand dieser Symptome, dass Sie an einer Fazialisparese leiden. Können Sie zudem die Stirn nicht runzeln, die Lippen nicht spitzen oder die Wangen nicht aufblasen, bestätigt das den Verdacht.

Um das Ausmass der Gesichtslähmung zu bestimmen, können wir verschiedene Tests vornehmen. Hier arbeiten unterschiedliche Disziplinen des USZ eng vernetzt zusammen. Zu den Untersuchungen gehören u.a.:

  • Ein Geschmackstest zeigt, ob Sie auf der Zunge zwischen süss, sauer, salzig oder bitter unterscheiden können. Falls nicht, sind Ihre Geschmacksnervenbahnen mitbetroffen.
  • Der Schirmer-Test stellt fest, ob Ihr Auge ausreichend Tränenflüssigkeit herstellt. Für den Test legen wir schmale Papierstreifen in das Unterlid beider Augen. Durch den Vergleich erkennen wir, ob in einem ein verminderter Tränenfluss vorliegt.
  • Mit einem speziellen Verfahren (Impedanz-Messung) überprüfen wir, ob der Stapediusreflex, der Mechanismus, der Ihr Innenohr vor zu grosser Lautstärke bewahrt, noch intakt ist.
  • Mit einem Otoskop (mit Licht und Lupe ausgestatteter Ohrtrichter) nehmen wir eine Ohrspiegelung vor. Damit können wir erkennen, ob Bläschen auf dem Trommelfell oder im Gehörgang einen Zoster oticus vermuten lassen.
  • Mithilfe der Elektromyografie (EMG)– einer Methode zur Messung der elektrischen Ströme im Muskel – können wir feststellen, ob ein Muskel oder der ihn versorgende Nerv geschädigt ist. Diese Untersuchung kombinieren wir bei Verdacht auf eine Nervenschädigung eventuell mit der Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie). Abhängig vom Ergebnis wird über eine mögliche operative Rekonstruktion des geschädigten Nervs entschieden.
  • Eine Blutuntersuchung kann aufdecken, ob womöglich eine Grunderkrankung die Fazialisparese ausgelöst hat. Anhand der Blutwerte erkennen wir beispielweise folgende Ursachen:
    • Borreliose
    • Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus oder Varicella Zoster.
    • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
    • Diabetes mellitus
  • Eine Röntgenaufnahme Ihres Schädels zeigt, ob womöglich Brüche oder knöcherne Veränderungen die Nervenfunktion beeinträchtigen und die Gesichtslähmung ausgelöst haben.
  • In Einzelfällen kann es notwendig sein, mithilfe einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie einen Hirntumor als Auslöser auszuschliessen.
  • Manchmal ist auch eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquoruntersuchung) auf Krankheitserreger angebracht.

Fazialisparese: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Da die Ursache der idiopathischen Fazialisparese unbekannt ist, können Sie ihr nicht vorbeugen. Ist die Gesichtslähmung Begleiterscheinung einer Krankheit wie Borreliose, Zoster oticus oder Diabetes, ist es entscheidend, dass Sie die ursächliche Erkrankung frühzeitig behandeln.

Früherkennung der Gesichtslähmung

Eine Früherkennung der Fazialisparese ist schwierig, da sie meist relativ plötzlich auftritt.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Gesichtslähmung hängt von ihrer Ursache ab. Im Fall der häufigsten Form, der idiopathischen Fazialisparese, bestehen gute Chancen, dass sich die Krankheit günstig entwickelt. In über 80 Prozent der Fälle bilden sich die Symptome innerhalb von sechs Wochen bis sechs Monaten von selbst zurück. Auch eine Fazialislähmung infolge eines Unfalls hat gute Heilungschancen.

Einige Betroffene behalten allerdings auch nach optimaler Behandlung unbeabsichtigte Mitbewegungen der mimischen Muskulatur (sogenannte Synkinesien) bei. Weniger als zehn Prozent müssen mit dauerhaften Gesichtsasymmetrien rechnen, die sie optisch beeinträchtigen können.

Ausserdem kann im Verlauf der Heilung das sogenannte Krokodilstränen-Phänomen entstehen: Dabei kommt es beim Essen zu einem einseitigen Tränenfluss. Grund ist eine falsche Vernetzung zwischen Geschmacksfasern und Tränendrüse bei der Neubildung von Nervenfasern. Sie entsteht, wenn die Gesichtslähmung fehlerhaft abheilt. Zudem folgen in etwa 7 von 100 Fällen einer idiopathischen Fazialisparese später erneut Lähmungen derselben oder der anderen Hälfte des Gesichts.

Fazialisparese: Behandlung je nach Ursache

Die Therapie der Fazialisparese verläuft zweigleisig: Zum einen behandeln wir die Grunderkrankung, zum anderen therapieren wir die direkten Auswirkungen der Lähmungserscheinungen.

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