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Exogene allergische Alveolitis

EAA, Hypersensitivitätspneumonitis, exogen-allergische Pneumonitis (EAP)

Die exogene allergische Alveolitis (EAA) ist eine Lungenerkrankung, die allergisch bedingt ist. Dabei reagiert das Immunsystem auf organische Stäube oder chemische Substanzen, die eigentlich ungefährlich sind. Mehr als 300 solcher Allergieauslöser sind bekannt, zum Beispiel aus Vogelfedern oder Heu und Stroh in der Landwirtschaft. Lesen Sie alles über die Symptome und Behandlungen bei EAA.

Überblick: Was ist eine Exogene allergische Alveolitis?

Die exogene allergische Alveolitis umfasst eine Gruppe von Lungenerkrankungen. Ihre Gemeinsamkeit ist eine Entzündung des Lungengewebes, die meist die Lungenbläschen (Alveolen) betrifft und allergisch bedingt ist. Die Lungenkrankheit entsteht, wenn ein Mensch organische Stäube oder chemische Substanzen einatmet und darauf überempfindlich reagiert.

Beim Kontakt mit dem Allergieauslöser antwortet das Immunsystem überschiessend und setzt eine Immunreaktion in Gang. Allerdings muss bei der betroffenen Person eine genetische Veranlagung vorhanden sein, sie muss also eine gewisse Übersensibilität besitzen. Die exogene allergische Alveolitis heisst auch Hypersensitivitätspneumonitis. Sie ist nicht ansteckend für andere Menschen.

Oft handelt es sich bei den Allergieauslösern um feine Partikel von Vogelfedern, Holzstaub oder Schimmelpilzen, mit denen die Betroffenen meist beruflich, und manchmal auch privat in Kontakt kommen. Je nach Ursache der exogenen allergischen Alveolitis unterscheiden Fachleute daher die Farmerlunge, Vogelhalterlunge, Pilzzüchterlunge, Befeuchterlunge (z.B. durch Klimaanlagen) und andere Formen. Wenn Sie in Ihrem Beruf daran erkranken, gilt dies in vielen Ländern als Berufskrankheit.

Ist das Allergen in die Lunge eingedrungen, erleben Betroffene Symptome wie Atemnot, Reizhusten, Fieber und Schüttelfrost. Die Therapie Nummer eins heisst: das auslösende Allergen meiden!

Exogene allergische Alveolitis – Häufigkeit und Alter

Die exogene allergische Alveolitis kommt in der Allgemeinbevölkerung selten vor und zählt daher bei Erwachsenen zu den seltenen Erkrankungen. Männer erkranken genauso oft wie Frauen daran. Bei Kindern ist die EAA allerdings öfters zu finden, meist in Form der Vogelhalterlunge.

Ein Mähtraktor fährt bei Sonnenuntergang über ein Feld

Auch in bestimmten Berufsgruppen ist die EAA weiter verbreitet. Das gilt zum Beispiel für Landwirte und Landwirtinnen, Vogelzüchter/-innen oder Arbeiter/-innen, die beruflich mit chemischen Substanzen hantieren. Früher erkrankten mehr Menschen in ihren Berufen an dieser Lungenkrankheit, aber dank verbesserter Massnahmen zum Arbeitsschutz ist sie heute seltener geworden. Das gilt zum Beispiel für die Farmerlunge, die inzwischen aufgrund der Fütterung mit Silage kaum noch auftritt.

Bei der Befeuchterlunge, deren Ursache krankmachende Keime aus Klimaanlagen oder Luftbefeuchtern sind, registrieren Fachleute dagegen steigende Erkrankungsfälle – wahrscheinlich, weil Klimaanlagen in Autos und Gebäuden heute weiter verbreitet sind als früher. Dennoch gibt es keine genauen Zahlen über die Häufigkeit der exogenen allergischen Alveolitis und das Alter der Betroffenen.

Exogene allergische Alveolitis: Ursachen und Risikofaktoren

Fachleute kennen heute mehr als 300 verschiedene Allergene, die als Ursachen der exogenen allergischen Alveolitis in Frage kommen. Die Palette der Allergieauslöser ist gross: Sie reicht von Chemikalien, Bakterien und Pilzsporen bis hin zu tierischen und pflanzlichen Eiweissen (Antigene), die sich in den Federn oder im Kot von Vögeln befinden.

Allerdings erkrankt nicht jede Person die in der Vogelzucht oder in der Landwirtschaft arbeitet und die organische Stäube oder Chemikalien einatmet, zwangsläufig an EAA. Vielmehr bringen Betroffene vermutlich eine genetische Veranlagung zur Überempfindlichkeitsreaktion mit. Daneben diskutieren Forschende Infektionen und bestehende Atemwegserkrankung als begünstigende Faktoren.

Daneben gibt es noch einige andere Formen der exogenen allergischen Alveolitis: Dampfbügeleisenalveolitis (Bakterien im Wassertank), Saunabesucherlunge (Pilzsporen auf verschimmeltem Holz), Blasinstrumentenspielerlunge (eingeatmete Bakterien oder Schimmelpilze) oder die Fusspflegealveolitis (Pilze in Haut und Fussnägeln).

Symptome: Exogene allergische Alveolitis verläuft akut oder chronisch

Die exogene allergische Alveolitis kann akut oder chronisch verlaufen. Im ersten Fall setzen die Symptome schnell ein, wenn Sie mit grösseren Mengen an Allergenen in Berührung kommen. Die chronische EAA verläuft dagegen schleichend und die Symptome setzen nach und nach ein.

Akute exogene allergische Alveolitis

Die Symptome beginnen etwa vier bis zwölf Stunden, nachdem Sie massiv dem Allergieauslöser ausgesetzt waren, etwa wenn Sie verschimmeltes Heu umgelagert oder den Taubenschlag gereinigt haben:

  • Atemnot in Ruhe ohne körperliche Anstrengung
  • Reizhusten
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Hohes Fieber
  • Schüttelfrost

Die Symptome verschwinden nach wenigen Tagen wieder, auch ohne Behandlung. Die akute Form ist heilbar, wenn Sie den Allergieauslöser vollständig meiden. „Allergenkarenz“ ist der Fachbegriff dafür.

Chronische exogene allergische Alveolitis

Die chronische EAA entsteht, wenn Sie über längere Zeit mit geringen Mengen des jeweiligen Allergens in Kontakt kommen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie Vögel in Ihrer Wohnung halten. Die allergischen Reaktionen sorgen dafür, dass sich das Lungengewebe in Bindegewebe umbaut und die Wände der Alveolen verdicken. Es entsteht eine Lungenfibrose. Dabei wird der Gasaustausch allmählich immer weiter eingeschränkt. Bemerkbar macht sich die chronische exogene allergische Alveolitis anhand von uncharakteristischen Symptomen, die auch im Rahmen anderer Erkrankungen vorkommen können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Atemnot bei körperlicher Anstrengung, die sich immer weiter verstärkt
  • Husten (oft mit Auswurf)
  • Frösteln
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • allgemeines Krankheitsgefühl

Diagnose exogene allergische Alveolitis

Die Diagnose der exogenen allergischen Alveolitis beginnt immer mit dem Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte, der Anamnese.

Daneben fragen wir Sie meist auch zu Ihrer Wohnsituation, Ihren Tätigkeiten im Alltag oder Hobbys in der Freizeit, um der Ursache der Symptome besser auf die Spur zu kommen. Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Wir hören die Lunge mit dem Stethoskop ab. Bei einer EAA lässt sich ein Knistern/Rasseln feststellen.

Folgende Untersuchungen ziehen wir darüber hinaus zur Diagnose heran:

  • Lungenspiegelung (Bronchoskopie): Wir schieben ein biegsames Instrument mit einer Kamera und Lichtquelle in die Bronchien vor, das Endoskop. Dann spülen wir die unteren Atemwege aus (bronchoalveoläre Lavage, BAL). Das Verhältnis bestimmter Immunzellen in der Spülflüssigkeit (T-Helfer- und T-Suppressorzellen) ist bei EAA verändert. Ausserdem sind die neutrophilen Granulozyten (besondere weisse Blutkörperchen) und später auch die Lymphozyten vermehrt.
  • Blutuntersuchung: Im Blut lassen sich mittels bestimmter Labortechniken Abwehrstoffe (Antikörper) gegen den Allergieauslöser (Antigene) nachweisen. Auch die Entzündungsparameter C-reaktives Protein und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) sind in vielen Fällen erhöht.
  • Lungenfunktionsprüfung: Eine Spirometrie zeigt zum Beispiel, ob die Lungenfunktion herabgesetzt ist.
  • Röntgenuntersuchung, um den Zustand der Lunge zu überprüfen – bei der akuten EAA sind Röntgenbilder jedoch wenig aussagekräftig.
  • Computertomografie (CT): Eine Röntgenuntersuchung mit hoher Auflösung (HR-CT), die detaillierte Schnittbilder der Lunge liefert. Auf den Aufnahmen sind die akute EAA und frühe Stadien gut erkennbar.
  • Gewebeprobe (Biopsie): Sie ist nur nötig, wenn die Diagnose weiterhin unklar ist.

Wichtig ist, die exogene allergische Alveolitis von einem Asthma bronchiale und anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Allergische Alveolitis: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Besondere Massnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung der exogenen allergischen Alveolitis gibt es nicht. Allgemein gilt: Suchen Sie uns immer zeitnah auf, wenn Sie unter Atemnot, Husten und anderen Beschwerden leiden. Das gilt besonders, wenn Sie zuhause Vögel halten oder in der Landwirtschaft arbeiten. Heute gibt es in vielen Betrieben wirksame Schutzmassnahmen, mit denen die Beschäftigten einer EAA und anderen Lungenerkrankungen vorbeugen können. So sind auch die Erkrankungszahlen in den letzten Jahren zurückgegangen.

Verlauf und Prognose bei Allergischer Alveolitis

Die akute exogene allergische Alveolitis besitzt eine gute Prognose, wenn Sie den Allergieauslöser strikt meiden. Dann ist der Verlauf günstig und die EAA heilbar. Die Prognose der chronischen EAA ist dagegen ungünstiger, weil die Veränderungen in der Lunge auch dann bestehen bleiben, wenn Sie den Allergieauslöser meiden. Die Lungenfibrose kann fortschreiten und in verschiedenen Komplikationen münden. Dazu gehören beispielsweise der Lungenhochdruck und die Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmonale). Diese verschlechtern die Überlebenschancen. Manchmal hilft dann nur noch eine Lungentransplantation.

Exogene allergische Alveolitis: Behandlung heisst „Allergen meiden"

Die wichtigste Behandlung bei exogener allergischer Alveolitis heisst: das auslösende Allergen meiden! Sie müssen zukünftig einen grossen Bogen um „Ihren“ Allergieauslöser machen. Durch diese Allergenkarenz bessern sich die Beschwerden meist. So müssen Menschen mit einer Vogelhalterlunge nicht nur die Tiere selbst abschaffen, sondern auch Federbetten und -kissen sowie Daunenkleidung. Wenn Sie eine Befeuchterlunge haben, lauten die Massnahmen: Klimaanlagen professionell reinigen und warten oder Luftbefeuchter und Zimmerspringbrunnen aus den Wohnräumen entfernen.

EAA: Schutzmassnahmen im Beruf

Schwieriger ist es, wenn Sie in Ihrem Beruf bestimmten Allergenen ausgesetzt sind. Denn manchmal ist es nur schlecht möglich, den Allergieauslöser komplett zu vermeiden. Aber bestimmte Schutzmassnahmen können die Mengen an Allergenen verringern, denen Sie ausgesetzt sind. Dazu gehören Atemschutzgeräte für Mitarbeiter/-innen oder Filteranlagen, etwa in landwirtschaftlichen Betrieben. Wenn eine vollständige Allergenkarenz nicht möglich ist, müssen Sie auch einen Wechsel Ihrer beruflichen Tätigkeit in Betracht ziehen. Denn es gilt, schwerwiegende Folgen der EAA wie eine Lungenfibrose zu verhindern.

Die exogene allergische Alveolitis erkennen die Behörden in manchen Fällen als Berufskrankheit an. Informieren Sie sich, ob dies bei Ihnen der Fall ist.

Exogene allergische Alveolitis – weitere Therapien

Daneben gibt es folgende Behandlungen bei EAA:

  • Glukokortikoide („Kortison): Diese Medikamente gelten als sehr wirksame „Entzündungsbremse“. Sie dämpfen das Immunsystem sowie die allergische Reaktion und lindern die Symptome. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Prednisolon. Glukokortikoide eignen sich sowohl für die akute als auch die chronische EAA.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente setzen wir meist bei chronischer EAA ein. Sie verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet und halten eine vorhandene Lungenfibrose auf. Die Lungenschäden rückgängig machen können Immunsuppressiva jedoch nicht. Zum Einsatz kommen beispielsweise die Wirkstoffe Azathioprin, Cyclophosphamid oder Methotrexat
  • Pulmonale Rehabilitation: Es gibt spezielle Lungensportgruppen, die sich für Patienten und Patientinnen mit Atemwegserkrankungen eignen. Das sportliche Angebot ist speziell auf sie zugeschnitten.
  • Atemtechniken erlernen: Ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin zeigt Ihnen besondere Atemübungen und Atemtechniken, die Ihnen das Atmen erleichtern und die Atemnot lindern.

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