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Endokarditis

Die Endokarditis, eine Entzündung der Herzinnenwand, ist recht selten: Rund drei von 100’000 Westeuropäern und Westeuropäerinnen erkranken jedes Jahr daran. Bei manchen Betroffenen zeigen sich zunächst nur harmlos wirkende Symptome wie veränderte Herzgeräusche. Bei anderen kommt es plötzlich zu hohem Fieber.

Vor allem für Menschen, die ohnehin an Herzproblemen leiden, ist es wichtig, dass die Endokarditis frühzeitig entdeckt und behandelt wird. Eine zu späte Therapie erhöht die Gefahr eines tödlichen Verlaufs.

Überblick: Was ist eine Endokarditis?

Eine Endokarditis ist eine Infektion der Herzinnenhaut, unter der vor allem die Herzklappen leiden. Betroffen sind häufig Menschen, die bereits vorbelastet sind, zum Beispiel weil sie eine Herzfehlbildung oder eine Herzerkrankung haben. Das liegt daran, dass sich Bakterien am geschädigten Herzen leichter ansiedeln können. Häufig gelangen sie über kleine Verletzungen im Mundraum in die Blutbahn und setzen sich schliesslich an der Herzinnenhaut fest, am sogenannten Endokard. Diese glatte, dünne Gewebeschicht kleidet das Herz innen aus und trennt den Herzmuskel vom Hohlraum des Herzens.

Endokarditis: Ursachen und Risikofaktoren

Männer sind doppelt so häufig von einer bakteriellen Endokarditis betroffen wie Frauen. Wenn ihr Herz bereits krank oder belastet ist, müssen Sie besonders aufpassen.

Risikofaktoren: Herzkrankheiten und Herzoperationen

Die Wahrscheinlichkeit, sich eine bakterielle Endokarditis zuzuziehen, ist bei Menschen mit Herzklappenersatz, Herzfehlbildung und anderen Herzerkrankungen erhöht. Kleine Verletzungen in der Mundschleimhaut reichen bei ihnen aus, um die Erkrankung auszulösen. Bei einer Zahnoperation beispielsweise entstehen minimale Öffnungen im Zahnfleisch, über die die Bakterien in den Körper eindringen können. Auch beim Zähneputzen können Reizungen zu Blutungen führen, die die Keime dann als Eingangspforte in den Körper nutzen.

Ursachen: Bakterien und andere Erreger

Die Endokarditis wird meist durch Bakterien ausgelöst. Es gibt mehrere Arten, die für die Herzinnenhautentzündung verantwortlich sein können:

  • Staphylokokken: Normalerweise siedeln sich diese Bakterien an Haut und Schleimhäuten an, ohne zu Erkrankungen zu führen. Aber in der Herzregion können sie eine besonders schädliche Wirkung entfalten.
  • Streptokokken: Diese Bakterienart wird vor allem durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen. Häufig führen sie zu Infektionen der Haut oder der oberen Atemwege.
  • Enterokokken: Sie sind oft für Harnwegsinfektionen verantwortlich und befinden sich im Darm.

Auch Pilze oder andere seltene Erreger können eine Endokarditis hervorrufen.

Neben der infektiösen Endokarditis gibt es weitere Formen der Herzinnenhautentzündung, die durch andere Ursachen entstehen. Sie sind jedoch deutlich seltener. Dazu gehören:

  • Rheumatische Endokarditis: Betroffene leiden unter rheumatischem Fieber, auf das der Körper mit einer Herzinnenhautentzündung reagiert. Hier handelt es sich also um eine Autoimmunreaktion.
  • Löffler-Syndrom: Bei diesem Syndrom wird die Herzinnenwand immer dicker.
  • Libman-Sacks-Endokarditis: Diese Erkrankung tritt manchmal mit dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) auf. Dabei handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung, die überall im Körper Entzündungen entstehen lässt.

Wie eine Herzinnenhautentzündung entsteht

Bei einer bakteriellen Endokarditis bilden sich – meist unbemerkt – Entzündungsherde im Körper. Beschwerden treten zunächst keine auf. Dennoch können diese Entzündungsherde gefährlich werden, da sich dort immer mehr Bakterien ansammeln. Sie beginnen sich mit der Zeit zu lösen, wandern durch den Körper und setzen sich am Herzen fest.

Modell eines Herzes

Abhängig von den Erregern verläuft die Infektion an der Herzinnenwand schwerer oder milder. Auch die Abwehrmechanismen des Körpers beeinflussen den Verlauf der Infektion: Meist arbeitet die Immunabwehr effektiv genug, um die Bakterien schnell wieder loszuwerden. Selbst wenn die Keime bis ans Herz vordringen, setzen sie sich in der Regel nicht fest und werden von Immunzellen eliminiert. Kleine Verletzungen etwa nach Herzoperationen können jedoch gute Anknüpfungspunkte für Bakterien sein.

Wenn sich die Keime erst einmal eingenistet haben, schädigen sie das Gewebe und lösen schliesslich eine Endokarditis aus. Der Körper schafft es nicht mehr, das zerstörte Gewebe zu erneuern. Besonders aggressive Erreger können grössere Schäden anrichten. Umfangreichere Defekte treten deshalb auch häufiger bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem auf. Betroffen ist häufig die Aortenklappe und/oder die Mitralklappe, dies sind Herzklappen auf der linken Seite des Herzens. Die Entzündung führt möglicherweise dazu, dass die Herzklappe zerstört wird. Dann kann sie ihrer Ventil-Funktion immer schlechter nachkommen und den Blutfluss nicht mehr adäquat regulieren. Probleme entstehen manchmal auch, wenn sich Ablagerungen auf der Herzklappe bilden, die aus Bakterien und Entzündungszellen bestehen.

Symptome: Fieber und veränderte Herzgeräusche

Manche Erkrankte haben fast keine Beschwerden, andere leiden unter stärkeren Symptomen. Häufig verändern sich die Herzgeräusche oder neue kommen innerhalb weniger Tage hinzu. Die meisten Betroffenen haben auch mehr oder weniger starkes Fieber. Fachleute unterscheiden zwischen der akuten und der subakuten Form der Erkrankung, denn beide machen sich durch unterschiedliche Anzeichen bemerkbar.

Subakute bakterielle Endokarditis

Die subakute Endokarditis zeigt sich durch eher unspezifische Symptome. Viele Betroffene bemerken, dass ihre Körpertemperatur langsam ansteigt. Meist bleibt sie aber unter 39 Grad, so dass kein schweres Fieber entsteht.

Manche Betroffene berichten auch von weiteren Symptomen wie:

  • Schüttelfrost
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Gliederschmerzen
  • Nachtschweiss
  • Appetitlosigkeit

Da diese Symptome eher allgemein sind, können medizinische Laien sie nur schwer zuordnen. Deshalb sollten sich vor allem Risikopatientinnen und Risikopatienten mit Herzkrankheiten ärztlich untersuchen lassen.

Akute bakterielle Endokarditis

Diese Form zeichnet sich durch einen raschen Krankheitsverlauf aus. Betroffene haben schnell über 39 Grad Fieber, das von weiteren Symptomen begleitet sein kann. Dazu gehören:

  • Schwächegefühl
  • Herzrasen
  • Schüttelfrost
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Atemnot
  • Bewusstseinstrübung
  • Schlaganfall
  • Hautknötchen
  • Hauteinblutungen
  • Blutungen an der Netzhaut

Diagnose Endokarditis

Wenn Sie sich mit entsprechenden Beschwerden bei uns vorstellen, interessieren wir uns bei einer ersten Befragung zunächst für Ihre Symptome und Ihre Vorerkrankungen – besonders was Herz- und Kreislaufprobleme betrifft. Im Anschluss folgt eine sorgfältige Diagnostik. Dabei setzen wir folgende Methoden ein:

  • Blutuntersuchung: Ist zum Beispiel der CRP-Spiegel erhöht oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit verringert, kann eine Entzündung vorliegen. Die Leber setzt CRP (C-reaktives Protein) frei, um einen Infekt zu bekämpfen.
  • Echokardiografie: Die Ultraschalluntersuchung des Herzens ist eine wichtige Routine-Untersuchung, um die Funktion und Struktur des Herzens zu erkennen und Veränderungen an den Herzklappen nachzuweisen.
  • Computertomografie (CT): Bei dieser modernen Röntgenuntersuchung erhalten wir schichtweise Bilder aus dem Körperinneren. Damit Blutgefässe und Organe besser erkennbar sind, kann es sein, dass Sie ein jodhaltiges Kontrastmittel bekommen.
  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit CT: Dank Einsatz von radioaktiv markiertem Zucker können wir Stoffwechselvorgänge erkennen und damit eine Entzündung z.B. im Herzen nachweisen.

Endokarditis: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Eine frühzeitige Therapie ist wichtig, da eine bakterielle Endokarditis unbehandelt häufig zum Tod führt. Suchen Sie uns bei Beschwerden und einer Vorbelastung des Herzens deshalb unbedingt auf.

Verlauf und Prognose (Endokarditis)

Ob die Krankheit langsam verläuft oder sich rasch deutlich spürbare Symptome zeigen, hängt von der Form der Endokarditis ab. Die akute Form schreitet schnell fort, die subakute setzt eher schleichend ein. Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

  • Die Art des Erregers: Manche Erreger reagieren empfindlicher als andere auf Antibiotika.
  • Behandlungsbeginn: Je früher die Therapie anfängt, desto besser.
  • Alter: Ältere Patientinnen und Patienten haben häufig eine schlechtere Immunabwehr als jüngere.
  • Immunsystem: Die Stärke der körpereigenen Abwehrkräfte unterscheidet sich bei jedem einzelnen.
  • Vorerkrankungen: Menschen mit Herzklappenprothesen oder einer Herzschwäche haben eine schlechtere Prognose als andere.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen können entstehen, wenn sich auf den Herzklappen abgelagerte Bakterien lösen und über den Blutstrom durch den Körper wandern. Dann droht eine Verstopfung der Blutgefässe und Embolien mit lebensbedrohlichen Blutgerinnseln. Die möglichen Folgen sind:

  • Atemnot
  • Schmerzen
  • Herzinfarkte
  • Schlaganfälle

Blutgerinnsel sind deshalb so gefährlich, weil sie die Blutversorgung von Organen behindern können. Verengen sie die Gefässe so stark, dass das Blut nicht mehr richtig passieren kann, droht eine mangelnde Sauerstoff- und Nährstoffversorgung – häufig betroffen sind Gehirn, Nieren und Milz. Ist die Gehirnarterie blockiert, droht möglicherweise ein Schlaganfall. Betrifft es Gefässe im Nierenbereich, bemerken die Erkrankten Blut im Urin und klagen über Flankenschmerzen. Kommt es dagegen zu Bauchschmerzen, kann es sein, dass die Arterien verstopft sind, die den Darm versorgen. Manchmal dauern die Ausfälle nur kurz an, aber manchmal sind die Schäden so stark, dass eine Besserung schwer möglich ist.

Embolien machen sich gelegentlich auch an der Haut bemerkbar. Hier können rote Knötchen entstehen, die etwa so gross sind wie eine Linse und empfindlich auf Druck reagieren. Manchmal bilden sich auch auf der Haut und am Augenhintergrund kleine rote Punkte. Dabei handelt es sich um Einblutungen, die sogenannten Petechien.

Haben die Bakterien bereits die Herzklappen geschädigt, kann eine Herzschwäche entstehen. Mögliche Symptome einer Herzinsuffizienz sind:

  • Kurzatmigkeit und Atemnot
  • Leistungsminderung
  • Erschöpfung
  • Trockener Husten
  • Schneller Herzschlag
  • Häufige Toilettengänge in der Nacht
  • Plötzliche Gewichtszunahme
  • Vermehrte Flüssigkeitsansammlungen, etwa in den Beinen oder der Lunge

Weitere mögliche Komplikationen einer Endokarditis:

  • Blutarmut: Die Betroffenen haben zu wenige rote Blutkörperchen im Blut.
  • Uhrglasnägel: Finger- und Fussnägel werden rundlicher.
  • Gelbsucht: Gelber Farbstoff sammelt sich im Gewebe, so dass Haut und Schleimhäute einen gelblichen Ton annehmen.
  • Glomerulonephritis: Wenn sich Abwehrzellen in der Niere anlagern, kann eine Nierenentzündung entstehen. Sie kann zu Nierenversagen führen.
  • Anschwellen der Milz
  • Abszesse im Gehirn

So können Sie vorbeugen

Risikopatientinnen und Risikopatienten sollten bei Operationen im Mund- und Rachenbereich vorbeugend mit einem Antibiotikum behandelt werden. Risikopatientin oder -patient sind Sie, wenn Sie einen schweren angeborenen Herzfehler haben, früher bereits eine Endokarditis hatten, einen Klappenersatz oder rekonstruierte Herzklappen haben und nach einer Herztransplantation mit Klappenkrankheit. Auch bei Zahnbehandlungen sollten Sie als Risikopatientin oder -patient ein Antibiotikum einnehmen, um zu verhindern, dass Bakterien Schäden anrichten, die über Verletzungen im Mundraum in den Blutkreislauf gelangen können. Sprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt über Ihre Vorerkrankungen und er wird entsprechende Massnahmen ergreifen.

Was Sie selbst tun können: Achten Sie auf eine gründliche Mundhygiene, damit Sie eine Parodontitis vermeiden und Ihr Zahnfleisch nicht zu bluten beginnt. Auch regelmässige Kontrolluntersuchungen bei der Zahnärztin oder beim Zahnarzt helfen, mögliche Zahnerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, um eine Operation überflüssig zu machen. Vermeiden Sie ausserdem Tattoos.

Interdisziplinäre Behandlung am USZ

Wir beraten Sie gerne welche Therapie notwendig ist. Am USZ behandeln wir Endokarditis Patienten und Patientinnen interdisziplinär, wobei in wöchentliche Besprechungen zwischen Spezialistinnen und Spezialisten der Herzchirurgie, der Infektiologie und weiteren Fachbereichen der weitere Behandlungsplan festgelegt wird.

Endokarditis: Behandlung mit Medikamenten und Operationen

Üblicherweise verordnen wir bei einer Endokarditis eine vier- bis sechswöchige Antibiotikatherapie, mit einem Mittel, das genau zu dem Erreger passt.  Haben Sie in den letzten zwölf Monaten eine künstliche Herzklappe erhalten und leiden an einer Endokarditis, kann es sein, dass der die neue Herzklappe ebenfalls betroffen ist. In diesem Fall steigen Ihre Heilungschancen, wenn der Kunstklappe zusätzlich zur medikamentösen Therapie ausgetauscht wird. Bei schweren Komplikationen müssen chirurgische Expertinnen und Experten das entzündete Gewebe entfernen. Durch diesen Eingriff können eine Sepsis oder eine fortschreitende Herzinsuffizienz verhindert werden.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Herzchirurgie

Klinik für Kardiologie

Klinik für Nuklearmedizin

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie