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Enddarm-Vorfall

Rektumprolaps, Mastdarm-Vorfall

Ein Enddarm-Vorfall, auch Rektumprolaps oder Mastdarm-Vorfall, kann durch den Stuhlgang ausgelöst werden. Bei einem Rektumprolaps rutschen komplette Enddarmanteile über den After nach aussen. Wenn die Teile sich nicht wieder von alleine zurückziehen oder zurückschieben lassen, muss operiert werden.

Was ist ein Enddarm-Vorfall (Rektumprolaps)?

Bei einem Enddarm-Vorfall, auch Rektumprolaps, wölbt sich der Enddarm aus dem Anus. Der Vorfall kann durch Stuhlgang ausgelöst werden, aber auch spontan auftreten. Oft gleitet der Rektumprolaps von alleine an seine Position zurück. In einigen Fällen kann er mit der Hand wieder an der richtigen Stelle positioniert werden. Gelingt das nicht, wird der Vorfall operiert. Zu Mastdarmvorfällen kommt es häufiger bei älteren Menschen, insbesondere bei Frauen.

Je eher ein Rektumprolaps erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Früherkennung minimiert zudem mögliche Risiken. Ein Rektumprolaps ist zwar selten lebensgefährlich. Er schränkt die Lebensqualität der Betroffenen allerdings stark ein.

Welche Enddarm-Vorfall-Arten gibt es?

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Arten von Enddarm-Vorfällen:

  • Innerer Rektumprolaps: Beim inneren Prolaps oder auch Intussuszeption genannt, kommt es zu einer zylindrischen Einstülpung der Schleimhaut der oberen Mastdarmabschnitte in die Mastdarmlichtung ohne Austritt aus dem After. Ein innerer Prolaps führt zu Verstopfung und flüssigen, fetthaltigen, eventuell auch blutigen Stühlen.
  • Äusserer Rektumprolaps: Beim äusseren Prolaps stülpen sich sämtliche Darmschichten aus dem Anus hinaus.

Was ist der Unterschied zwischen einem Analprolaps und einem Rektumprolaps?

Ein Enddarm-Vorfall tritt häufig in Kombination mit einem Afterprolaps (Analprolaps) auf. Bei einem Enddarm-Prolaps drückt sich die Wand des Mastdarms komplett aus dem After. Sie kann acht bis zehn Zentimeter nach aussen ragen. Bei einem Analprolaps stülpt sich lediglich die Afterinnenhaut nach aussen.

Enddarm-Vorfall (Rektumprolaps): Ursachen und Risikofaktoren

Ein Enddarm-Vorfall gehört zu den häufigsten Krankheiten des Enddarms bei Menschen ab einem Alter von 50 Jahren. Eine zentrale Rolle für eine Erkrankung spielt eine schwache Beckenbodenmuskulatur. Frauen trifft die Krankheit wesentlich häufiger, weil ihr Beckenboden durch Schwangerschaften und Geburten in der Regel stärker belastet wird als der Beckenboden von Männern. Mehr als acht von zehn Patientinnen und Patienten sind Frauen. Ein Rektumprolaps kann aber weitere Ursachen haben. Die Hauptursachen für einen Enddarm-Vorfall sind

  • schwache Beckenbodenmuskulatur,
  • Beckenbodensenkung,
  • chronische Verstopfung (Obstipation),
  • übermässiges Pressen beim Stuhlgang,
  • Fixationsschwäche des Enddarms im Bereich des Beckens,
  • Hormonumstellung bei Frauen in den Wechseljahren oder
  • genetische Disposition.

Ein Rektumprolaps kann auch das Symptom für eine andere Erkrankung sein. Deshalb sollte er in jedem Fall ärztlich behandelt werden, da er nicht von alleine abheilt. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Enddarm-Vorfall:

  • Angeborene Fehlbildungen
  • Gynäkologische Eingriffe (zum Beispiel Entfernung der Gebärmutter)
  • Infektionen
  • Neurologische Schäden der Nerven im Becken
  • Tumore
  • Verletzungen des Schliessmuskels

Risikofaktor schwache Beckenbodenmuskulatur

Es ist ganz normal, dass unsere Beckenbodenmuskeln mit der Zeit an Stabilität verlieren. So setzen schwere Geburten, harte körperliche Arbeit, chronischer Husten und ein ungesunder Lebensstil unserem Beckenboden zu. Selbst jüngere Frauen leiden häufig an einer schwachen Beckenbodenmuskulatur, wenn sie beispielsweise innerhalb relativ kurzer Zeit mehrere Kinder auf die Welt gebracht haben. Die Überdehnung der Muskeln bei einer Geburt oder einem Dammriss schwächen die Beckenbodenmuskulatur nachhaltig. In Folge kann es zu einem Enddarm-Vorfall kommen.

Risikofaktor chronische Verstopfung

Chronische Verstopfung und ein hoher Defäkationsdruck können ebenfalls einen Enddarm-Vorfall begünstigen. Sind die Muskeln des Beckenbodens zu schwach, tritt der Enddarm durch den dauerhaft erhöhten Druck aus dem After.

Risikofaktor Mukoviszidose

Bei gesunden Kindern treten Enddarm- und Analvorfälle sehr selten auf.

Anders ist es bei Kindern mit Mukoviszidose. Diese kämpfen teilweise mit voluminösen Stuhlentleerungen und Verstopfung. Das erklärt, warum Enddarm-Vorfälle bei Patientinnen und Patienten mit zystischer Fibrose häufiger vorkommen als bei gesunden Menschen.

Symptome: Enddarm-Vorfall (Rektumprolaps)

In der Frühphase der Erkrankung spüren Betroffene bei einem inneren Enddarm-Vorfall zunächst ein Druckgefühl im Beckenboden. Hinzu kommt eine erschwerte Entleerung des Darmes. Häufig bestehen eine Verstopfungsneigung und ein Stuhlschmieren bis hin zu dem Unvermögen, den Stuhlgang halten zu können. Patientinnen berichten davon, nur mit manuellem Druck auf die Scheide eine Stuhlentleerung zu erreichen. Manchmal treten Darmanteile aus dem After heraus. Zudem können Schmerzen im Bereich des Afters auftreten. Eine chronische Verstopfung kann ausserdem zu einer Beckenbodensenkung, einer Ausbuchtung zur Scheide (Rektozele) und zu Hämorrhoiden führen.

Im Laufe der Zeit kann sich eine dauerhafte Darm-Inkontinenz entwickeln. Enddarm-Vorfälle werden in der Frühphase häufig übersehen, da sie erst bei stärkerem Pressen auftreten.

Diese Symptome können auf einen Enddarm-Vorfall hindeuten:

  • Eventuell Juckreiz
  • Defäkationsstörung
  • Starkes Druckgefühl oder Fremdkörpergefühl am Darmausgang
  • Schleimabsonderung
  • Blutung der Schleimhaut
  • Gefühl, nach der Darmentleerung noch nicht „fertig“ zu sein
  • Zunehmende anale Kontinenzeinschränkung
  • Chronische Verstopfung
Mann steht vor einer Toilette und hält die Hände an den Bauch

Rektumprolaps – wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Viele Betroffene gehen erst zur Ärztin oder zum Arzt, wenn ein Enddarm-Prolaps vorgefallen ist. Aber je länger Sie mit der Behandlung warten, desto stärker werden die Symptome. Ein Vorfall sollte rechtzeitig behandelt werden. Konsultieren Sie eine Ärztin oder einen Arzt, wenn Ihnen die oben genannten Symptome bekannt vorkommen.

Enddarm-Vorfall (Rektumprolaps): Diagnose bei uns

Die Ursachen für einen Rektumprolaps sind nicht immer feststellbar. In den meisten Fällen kann die Ärztin oder der Arzt einen akuten Enddarm-Vorfall durch reines Betrachten diagnostizieren. Ansonsten kann ein Prolaps durch Pressen hervorgerufen werden. Zur weiteren Abklärung stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung:

Eventuell sind Bluttests und weitere Untersuchungen nötig, um den gesundheitlichen Zustand der oder des Betroffenen zu untersuchen und das OP-Risiko besser abschätzen zu können. Vor einer Operation wird in der Regel eine endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms durchgeführt.

Stadieneinteilung Rektumprolaps

  • Grad I: unsichtbare, innere Einstülpung (Intussuszeption),
  • Grad II: sichtbarer Prolaps mit spontaner Reposition,
  • Grad III: sichtbarer Prolaps, manuelle Reposition nötig,
  • Grad IV: Reposition nicht möglich.

Enddarm-Vorfall (Rektumprolaps): Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Je nach Ursache können Sie einen Rektumprolaps gezielt vorbeugen.

Beckenbodentraining – Tipps für den Alltag

  • Sie vermeiden starkes Pressen beim Stuhlgang, indem Sie auf eine gute Verdauung achten. Hilfreich ist eine abwechslungsreiche ballaststoffreiche Ernährung sowie ausreichend trinken. Diese fördert weichere Stühle und vermeidet übermässiges Pressen.
  • Bringen Sie Ihren Darm mit Bewegung auf Trab. Bewegung hilft auch bei Verstopfungen.
  • Stärken Sie Ihren Beckenboden mit einem gezielten Beckenbodentraining. Sie können Ihren Beckenboden auch im Alltag trainieren. Spannen Sie bei jeder passenden Gelegenheit die Muskeln im Beckenboden so an, als ob Sie Stuhlgang halten oder den Urinstrahl unterbrechen wollten.
  • Frauen sollten konsequent während der Schwangerschaft und im Wochenbett ihren Beckenboden trainieren.
  • Husten und Niesen Sie beckenbodenfreundlich. Denn Husten und Niesen erhöht den Druck im Bauch, vor allem wenn wir uns mit dem Oberkörper nach vorne beugen. Sie können den Druck einfach reduzieren, indem Sie beim Husten oder Niesen nach oben oder über die Schulter blicken.
  • Es ist weniger belastend für den Beckenboden, wenn Sie beim Heben in die Knie gehen und Gegenstände mit der Kraft Ihrer Beine anheben. Halten Sie Gegenstände möglichst nahe am Körper, wenn Sie diese tragen. Und vergessen Sie dabei nicht, zu atmen.

Verlauf und Prognose

Ein Rektumprolaps führt in der Regel dazu, dass Betroffene ihren Darm nicht mehr vollständig entleeren können. Deshalb ist es wichtig, den Vorfall fachgerecht behandeln zu lassen. Die Heilungsaussichten nach einem Rektumprolaps gelten als gut. Es ist nicht sinnvoll, sich selbst damit zu behelfen, den Darm in den After zurückzuschieben. Denn auf Dauer schwächt ein Rektumprolaps den Schliessmuskel. Als Folge kann sich eine Stuhlinkontinenz entwickeln, bei der unbeabsichtigter Stuhl abgeht. Die sinnvollste Möglichkeit, einen Enddarm-Vorfall zu beheben, ist eine Operation. Betroffene können sich im Spital vorstellen und gemeinsam mit der Chirurgin oder dem Chirurgen das beste Verfahren auswählen.

Behandlung des Enddarm-Vorfalls (Rektumprolaps)

In der Regel werden Enddarm-Vorfälle operiert. Bei Kindern ist eine OP meist nicht nötig. Hier genügt eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung (etwa Mukoviszidose).

Bei einer Operation eines Enddarm-Vorfalls stehen verschiedene minimal-invasive Verfahren zur Verfügung. Die Wahl des OP-Verfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Allgemeinzustand des Betroffenen, Alter, Begleiterkrankungen und dem Kontinenz-Status. Begleitend kommen Ernährungstherapien zur Stuhlregulation in Frage. Die Standardoperationen für Enddarm-Vorfälle höheren Grades sind folgende:

  • Operation über eine Bauchspiegelung mit Fixation des Enddarmes mit einem Netz oder einer Naht. Kombiniert kann dieser Eingriff mit einer Entfernung eines Darmteils werden.
  • Operation über den After nach Rehn-Delorme oder Altemeier.

Behandelnde Kliniken

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie