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Dyspareunie

Für viele Menschen sind Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) noch ein Tabuthema; dabei leiden relativ viele Frauen im Laufe ihres Lebens darunter. Die einen spüren den Schmerz nur beim Geschlechtsverkehr, andere fortwährend. Die Ursachen für die Dyspareunie können sehr unterschiedlich sein.

Überblick: Was ist eine Dyspareunie?

Es gibt unterschiedliche Zonen, die bei einer Dyspareunie schmerzen können: Einerseits können die Probleme am Scheidenausgang entstehen, an den grossen Schamlippen, der Klitoris, am Damm oder sogar am After. Andererseits können auch die inneren Sexualorgane betroffen sein, etwa die Gebärmutter, die Harnblase, die Eierstöcke oder der Mastdarm. Anfangs fühlt sich bei vielen Frauen die Scheide einfach trocken an. Dann beginnt sie zu brennen oder zu jucken, oft fühlt sie sich bei jeder Berührung wund an. Die Frauen empfinden Schmerzen, wenn der Mann in sie eindringt, oder etwas später während des Geschlechtsverkehrs. Manche fühlen dieses Missempfinden auch nur bei einem Orgasmus. Während bei den einen die Schmerzen anschliessend sofort abklingen, bleiben sie bei anderen tagelang bestehen.

Der Grund solcher Beschwerden können Infektionen sein. Doch auch körperliche Veränderungen sind oft die Ursache. Häufig tritt eine chronische Dyspareunie in Zusammenhang mit einer überaktiven Blase auf. In sehr vielen Fällen leiden Betroffene auch unter starken psychosozialen oder emotionalen Herausforderungen. Viele von ihnen sind perfektionistisch veranlagt oder haben in ihrer Kindheit chronischen Stress erlebt. Meist hilft ein Zusammenspiel aus psychologischer Behandlung und Medikamenten mit Sport und Entspannungstechniken am besten. Betroffene Frauen brauchen jedoch Geduld bis zu einer signifikanten Besserung ihrer Symptome.

Häufigkeit und Alter

Wie häufig eine Dyspareunie auftritt, bleibt weitgehend im Dunkeln. Viele Frauen verschweigen ihr Problem und beissen lieber die Zähne zusammen, als sich Hilfe zu suchen. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen fünf und 20 Prozent aller Frauen Schmerzen beim Sex erleben. Viele glauben, dass diese Beschwerden „normal“ seien und sie sie ertragen müssten. Dyspareunie kann bei Frauen jeden Alters auftreten, kommt jedoch bei sehr jungen Frauen besonders häufig vor.

Dyspareunie: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Dyspareunie hängt häufig auch mit kulturellen Faktoren zusammen: Wie wird im Umfeld einer Frau über Sexualität gesprochen? Was für ein Verhältnis hat sie zu ihrem Körper? Welchen Erwartungen fühlt sie sich ausgesetzt? Vorhergegangene traumatische Erlebnisse können ebenso Ursache einer Dyspareunie sein wie sexueller Missbrauch. Auch Depressionen oder Burn-out können mit Schmerzen beim Sex verbunden sein. Eine Chemotherapie bei einer Krebserkrankung führt oft zu trockenen Genitalschleimhäuten. Auch die Wechseljahre und Stillzeit mit ihren Hormonveränderungen sind meist damit verbunden, dass die Vagina weniger schnell und weniger stark feucht wird bei sexueller Erregung. Viele von Dyspareunie betroffene Frauen haben auch eine besonders grosse Angst vor Schmerzen.

Gleichzeitig ist eine Dyspareunie jedoch in vielen Fällen mit organischen Problemen oder Infektionen verbunden.

Symptome: Dyspareunie

Entweder schmerzt es Betroffene bereits, wenn der Mann versucht, in sie einzudringen. Oder sie fühlen die Schmerzen erst, wenn der Penis sich bereits in der Vagina befindet und an eine bestimmte Stelle stösst. Diese Schmerzen können sich ganz leicht äussern oder so stark sein, dass sie nahezu unerträglich sind. Manche Frauen mit Dyspareunie können auch keine Tampons einführen oder selbst eine Berührung tut weh. Manche Frauen vermeiden Sportarten wie Velofahren. Die Schmerzen können sich als Brennen, Stechen, Jucken oder Wundgefühl äussern. Oft sind die Symptome ähnlich wie bei einer Vaginalkandidose, deshalb wird die Erkrankung häufig mit dieser verwechselt. In vielen Fällen tritt die Dyspareunie gemeinsam mit einer überaktiven Blase auf – Betroffene müssen besonders häufig Wasser lassen.

Dyspareunie: Diagnose durch uns

In einem ausführlichen Gespräch versuchen wir herauszubekommen, wo genau die Probleme liegen. Dabei könnten wir Fragen wie diese stellen:

  • Wie lange haben Sie die Probleme schon?
  • Gab es einen Auslöser dafür?
  • Haben Sie die Schmerzen immer beim Geschlechtsverkehr oder nur manchmal?
  • In welchem Moment treten sie dabei genau auf?
  • Wie fühlen sich die Schmerzen an?
  • Haben Sie weitere Symptome, etwa Blutungen oder einen Harndrang?
  • Erleben Sie trotz der Schmerzen sexuelle Erregung?
  • Haben Sie Probleme mit Pilzinfektionen der Vagina?
  • Haben Sie weitere Beschwerden, etwa häufige Blaseninfekte, Unterbauchschmerzen oder Rückenbeschwerden?

Dann erfolgt eine gynäkologische Untersuchung. Problematisch ist dabei, dass bei vielen Betroffenen eine Einführung des Spekulums zum Einblick in die Vagina nicht möglich ist. Wir versuchen, zu lokalisieren, welche Stellen von Vulva oder Vagina genau weh tun. Wir kontrollieren, ob die äusseren (und falls möglich die inneren) Genitalien Auffälligkeiten aufweisen. Falls möglich, nehmen wir einen Abstrich vom Scheidensekret, um ihn auf Erreger und Pilze hin zu untersuchen. Auch eine Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane ist sinnvoll, um organische Ursachen zu entdecken oder auszuschliessen. Weiterhin beobachten wir die Muskelspannung von Bauch und Gesäss während der Untersuchung. Zeigt die Untersuchung, dass keine organischen Ursachen für die Dyspareunie vorliegen, fragen wir in der Regel nach psychischen und sozialen Problemen oder Ängsten.

Dyspareunie: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Wer seinen Körper gut kennt und mag, hat ein kleineres Risiko, an Dyspareunie zu erkranken. Deshalb ist es wichtig, Mädchen von Anfang an einen positiven Eindruck von ihren Geschlechtsorganen zu vermitteln. Das beginnt bei den Begriffen: Nur wer Wörter dafür hat, kann sich mit seinen Organen auseinandersetzen. Selbst erwachsene Frauen kennen oft nicht den Unterschied zwischen der Vulva und der Vagina. In vielen Familien und Kulturen gilt alles „da unten“ als Tabuthema. Manchmal wird Sexualität über Generationen hinweg unter Frauen als schmerzbehaftetes Thema weitergegeben. Dagegen hilft ein offenes Gespräch – in der Schule, bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt, unter Freunden oder Freundinnen. Auch Sportarten, insbesondere Tanz oder Bauchtanz, können für ein positives Erleben des eigenen Beckens sorgen.

Wenn Sie Sorgen bezüglich Ihrer Sexualität haben oder bereits Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erlebt haben, sollten Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber sprechen. Wer sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, hat gute Chancen, zu einer erfüllten und freudvollen Sexualität zu finden. Sind die Schmerzen beim Sex jedoch schon seit längerer Zeit vorhanden, brauchen die Frauen und ihre Partner Geduld, bis eine Besserung eintritt. Oft haben die Frauen eine Odyssee von einer Ärztin oder einem Arzt zum nächsten hinter sich, bis ihre Erkrankung richtig diagnostiziert ist. Für die Behandlung ist ein gutes Zusammenspiel verschiedener Fachdisziplinen nötig.

Aufbau der weiblichen Geschlechtsorgane

Von aussen ist bei Frauen die Scham oder Vulva zu sehen. Sie besteht aus dem Schamhügel (Venushügel), den grossen äusseren Schamlippen und den kleinen inneren Schamlippen. Ausserdem gehören der Scheidenvorhof und die Klitoris (Kitzler) zur Vulva. Innen befindet sich die Vagina (Scheide) und dahinter die Gebärmutter sowie auf beiden Seiten symmetrisch die Eileiter und Eierstöcke. Bei sexueller Erregung sondern Drüsen an der Innenseite des Scheideneingangs ein Sekret ab, das die Vagina befeuchtet. Dadurch kann beim Geschlechtsverkehr einerseits der Penis besser in der Vagina gleiten. Andererseits enthält das Sekret Glukose, welche den Spermien auf dem Weg zur Eizelle Energie liefert.

Details zu den Behandlungen

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Gynäkologie

Klinik für Reproduktions-Endokrinologie