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Divertikelkrankheit

Divertikulose, Divertikulitis

Divertikel sind Ausstülpungen, die sich besonders oft in der Darmschleimhaut des Dickdarms bilden. In vielen Fällen verursachen die Wölbungen keine Symptome und bleiben unbemerkt. Manchmal rufen Divertikel jedoch Beschwerden hervor, etwa wenn sie sich entzünden oder bluten.

Was ist die Divertikelkrankheit?

Divertikel sind ganz allgemein Ausstülpungen an der Wand eines Hohlorgans. Besonders oft bilden sie sich an der Darmschleimhaut im Dickdarm. Ein bevorzugter Ort ist der Darmabschnitt oberhalb des Mastdarms – das Sigma. Dort bilden sich Divertikel oft in grosser Anzahl, weil das Sigma einen kurvigen Verlauf nimmt und dort ein besonders hoher Druck im Inneren herrscht. Divertikel können jedoch auch andere Organe betreffen, etwa die Blase oder Speiseröhre. Sie können verschiedenste Formen annehmen. Oft ähneln sie optisch einem Ballon, Pilz, einer Birne oder einem Säckchen. Grob lassen sich folgende Formen der Erkrankungen unterscheiden:

  • Divertikulose: Im Darm bilden sich an vielen Stellen Divertikel. Die Ausstülpungen verursachen aber keine Beschwerden und Betroffene spüren sie nicht.
  • Divertikelkrankheit: Die Ausstülpungen rufen Beschwerden oder Komplikationen hervor.
  • Divertikulitis: Die Ausstülpungen entzünden sich. Dies geschieht zum Beispiel, wenn ein Stuhlpropf im Divertikeleingang entsteht.

Divertikel – angeboren oder erworben?

Ärztinnen und Ärzte machen zudem einen Unterschied, ob die Divertikel angeboren sind (echte Divertikel) oder ob sie ein Mensch im Lauf des Lebens erworben hat (unechte, falsche oder Pseudo-Divertikel). Die Dickdarmdivertikel sind erworbene Divertikel, die dort entstehen, wo die Darmwand bereits schwächer ist. Dies ist bei den Durchtrittsstellen der Blutgefässe der Fall.

Divertikelkrankheit – Häufigkeit und Alter

Viele Menschen in den westlichen Industrieländern haben Divertikel in ihrem Körper, ohne dass sie es wissen. Je älter ein Mensch ist, desto häufiger treten Divertikel im Darm auf. So haben nur etwa 10 Prozent der Menschen unter 50 Jahren solche Ausstülpungen im Darm. Anders sieht es bei betagteren Personen über 70 Jahren aus: Hier haben rund 50 Prozent Divertikel im Darm. Allerdings werden Divertikel bei jüngeren Menschen häufiger. Das wird durch sitzende Tätigkeiten und Bewegungsarmut begünstigt.

In asiatischen und afrikanischen Ländern sind Divertikel seltener zu finden, selbst in höherem Lebensalter. Den Grund vermuten Medizinerinnen und Mediziner in anderen Ernährungsgewohnheiten.

Frauen und Männer sind etwa gleich oft betroffen. Selten (bei ungefähr einem Prozent) entwickelt sich aus der Divertikulose innerhalb einiger Jahre eine Divertikulitis – die Ausstülpungen entzünden sich dann. Die Divertikulitis kann in jedem Alter auftreten.

Divertikelkrankheit: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Divertikelkrankheit sind noch nicht genau geklärt. Bekannt sind aber einige Risikofaktoren, welche die Entstehung von Divertikeln begünstigen. Die Ausstülpungen bilden sich vor allem an Stellen, an denen die Darmmuskulatur schwächer ausgebildet ist und an denen ein hoher Druck herrscht. Dies gilt allen voran für das Sigma, einem besonderen Abschnitt des Dickdarms. Er verläuft kurvig in einer S-Form und befindet sich direkt vor dem Mastdarm. Hier übt der Stuhl einen sehr hohen Druck auf die Darmwand aus. Das Sigma gilt als „Hochdruckzone“ des Darms und so können dort Vorwölbungen entstehen.

Folgende Faktoren können Divertikel vermutlich begünstigen:

  • Erblich bedingte Anfälligkeit für Divertikel im Darm
  • Geschwächtes Bindegewebe
  • Störungen der Darmbewegungen
  • Starkes Übergewicht
  • Ballaststoffarme Ernährung: Sie begünstigt Verstopfung und harten Stuhlgang
  • Hoher Konsum von rotem Fleisch (Schwein, Rind, Lamm, Wild, Ziege)
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Sitzende Tätigkeiten mit erhöhtem Druck im Bauch

Der Einfluss des Lebensstils auf das Risiko für Divertikel ist aber noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen. Vermutlich steht die Lebensweise aber mit den Darmausstülpungen in Verbindung.

Divertikulitis: Ursachen der Entzündung

Auch hier sind die Gründe noch nicht ganz klar, warum sich Divertikel entzünden und eine Divertikulitis auslösen. Folgende Ursachen vermuten Ärztinnen und Ärzte:

  • Eine verminderte Durchblutung begünstigt Entzündungen, insbesondere wenn der Eingang des Divertikels selbst mit Stuhl verschlossen wird.
  • Geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Krebserkrankung oder nach einer Organtransplantation.
  • Schwere Nierenerkrankungen
  • Einnahme bestimmter Medikamente über längere Zeit: Beispiele sind bestimmte Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR), entzündungshemmende Medikamente (Kortikoide, „Kortison“), Acetylsalicylsäure (ASS) oder Opioide.

Divertikelkrankheit bleibt oft unentdeckt

Die Mehrzahl der Menschen mit Divertikeln im Darm bemerken die Ausstülpungen nicht, weil sie keine Symptome hervorrufen. Doch bei einer Divertikelkrankheit treten Beschwerden auf, zum Beispiel:

  • Bauchschmerzen im linken Unterbauch
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Verstopfung und Durchfall
  • Manchmal können Divertikel auch bluten.

Oft sind die Beschwerden nur vorübergehender Natur und klingen dann wieder ab. Manchmal bleiben sie jedoch länger bestehen. Nach dem Essen sind die Symptome oft intensiver ausgeprägt, nach dem Stuhlgang bessern sie sich wieder.

Wenn die Ärztin oder der Arzt bei Ihnen eine Divertikulose festgestellt hat, ist es ratsam, sich ballaststoffreich zu ernähren und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. So lassen sich Beschwerden und Komplikationen zum Teil vermeiden.

Divertikulitis: Symptome können intensiv ausgeprägt sein

Wenn sich die Divertikel entzünden, können sehr schwere Symptome auftreten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Plötzliche Schmerzen im Unterbauch, die sehr stark sein und länger anhalten können. Drückt die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch, spannt sich die Bauchmuskulatur sofort an (sogenannte Abwehrspannung). Lässt er plötzlich los, verstärkt sich der Schmerz.
  • Leichtes Fieber
  • Verstopfung, Durchfall
  • Blähungen
  • Übelkeit, seltener Erbrechen

Divertikelkrankheit und Divertikulitis: Diagnose bei uns

Zu Beginn der Diagnose befragen wir Sie zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Folgende Fragen sind zum Beispiel wichtig:

  • Welche Symptome verspüren Sie und seit wann?
  • Wie intensiv sind die Beschwerden?
  • Gibt es Situationen, in denen sich die Symptome bessern oder verstärken? (Nach dem Stuhlgang oder Essen)
  • Wurden bei Ihnen schon einmal Divertikel diagnostiziert?
  • Wurde bei Ihnen bereits eine Darmspiegelung durchgeführt?
  • Sind Darmerkrankungen oder andere Krankheiten bei Ihnen bekannt?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Falls ja: Welche und seit wann?
  • Wie steht es um Ihre Ernährungsweise?

Wir versuchen ausserdem andere Ursachen für die Beschwerden auszuschliessen, zum Beispiel eine Blinddarmentzündung, das Reizdarmsyndrom oder Darmkrebs. Folgende Untersuchungen kommen in der Diagnostik zum Einsatz:

  • Körperliche Untersuchung: Durch Abtasten des Bauchs lassen sich Auffälligkeiten oft schon mit den Händen aufspüren, über ein Stethoskop können wir zudem die Darmgeräusche abhören.
  • Tastuntersuchung des Enddarms mit dem Finger (digitale rektale Untersuchung, DRU)
  • Körpertemperatur messen
  • Blutuntersuchung: Bei einer Entzündung sind die weissen Blutkörperchen, das C-reaktive Protein (CRP, es gilt als allgemeiner Entzündungsmarker) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht.
  • Urinuntersuchung: Hat die Entzündung auf die Harnblase übergegriffen, finden sich vermehrt weisse und rote Blutkörperchen im Urin.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Die Ultraschalluntersuchung des Darmes zeigt sehr zuverlässig, ob eine Divertikulitis vorliegt. Sie macht in den meisten Fällen eine Computertomographie überflüssig.
  • Eventuell Darmspiegelung (nicht bei akuter Divertikulitis!): Wir verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt, wenn die Entzündungen weitgehend abgeheilt sind. Weil die Darmwand schon genügend strapaziert ist, könnte das Endoskop die Darmwand verletzen.

Manchmal Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) (aber immer nach dem Ultraschall).

Modernste Behandlungsmethoden am USZ

Die Behandlung der Divertikelkrankheit hat sich in den letzten Jahren markant verändert. Am USZ richten wir uns nach den modernsten Empfehlungen der Fachgesellschaften und können damit oftmals auch unnötige Operationen vermeiden. Wenn es aber zur Operation kommt, kann diese heute in der Regel minimal-invasiv und unter Vermeidung eines künstlichen Darmausganges durchgeführt werden.

Divertikelkrankheit: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Divertikeln im Darm können Sie nicht mit 100-prozentiger Sicherheit vorbeugen. Dennoch kann eine Ernährung mit vielen Ballaststoffen und regelmässige Bewegung das Risiko für die Divertikelkrankheit senken. Auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (1.5 bis 2 Liter pro Tag), Bewegung und Sport, ein Rauchstopp sowie ein normales Körpergewicht sind gut für die Verdauung und den Darm.

Die Früherkennung der Divertikel spielt hier im Vergleich zu anderen Krankheiten eine geringere Rolle. Denn die meisten verspüren keine Beschwerden, wenn sich Divertikel im Darm gebildet haben. Sie können mit den Ausstülpungen ohne gesundheitliche Probleme leben. Sind jedoch Divertikel bekannt, gilt es, einen möglichen Übergang von der Divertikelkrankheit in die Divertikulitis möglichst frühzeitig zu erkennen.

Divertikelkrankheit – Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose sind bei der Divertikelkrankheit insgesamt günstig – das gilt besonders, wenn Sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Viele Betroffene können so einen ganz normalen Alltag leben. Auch die Entwicklung einer Divertikulitis lässt sich dadurch oft verhindern.

Selten (etwa bei einem Prozent der Betroffenen) entwickelt sich aus der Divertikelkrankheit eine Divertikulitis. Dann entzünden sich die Ausstülpungen im Darm und Bakterien können sich dort ansiedeln. Zudem können Eiterherde (Abszesse) in der Darmwand entstehen. Ohne Behandlung kann sich die Entzündung auf benachbartes Gewebe und andere Organe ausbreiten, etwa den Dünndarm oder die Harnblase.

Am meisten gefürchtet ist der Durchbruch der Divertikel. Dann ergiesst sich deren Inhalt samt Bakterien und Eiter in die Bauchhöhle, was lebensgefährlich ist! Wir müssen die Bauchfellentzündung sofort behandeln.

Kehrt die Divertikulitis häufiger wieder, kann die Darmwand vernarben. Dadurch entstehen Engstellen im Darm und im schlimmsten Fall kommt es zum Darmverschluss. Manchmal werden durch die Entzündungsreaktionen auch Blutgefässe in Mitleidenschaft gezogen – Darmblutungen sind die Folge. Oft stoppt die Blutung von selbst wieder, aber manchmal müssen wir auch therapeutisch eingreifen.

Divertikelkrankheit: Behandlung je nach Beschwerden

Sofern die Divertikel im Darm keine unangenehmen Symptome hervorrufen, ist eine Therapie nicht notwendig. Die Behandlung der Divertikelkrankheit hängt immer davon ab, ob und welche Beschwerden sie verursacht. Einige Massnahmen, die Sie selbst durchführen können, wirken sich positiv bei Divertikeln aus. Womöglich senken sie somit auch die Gefahr, dass sich eine Divertikulitis entwickelt. Diese müssen wir in jedem Fall behandeln, damit sich die Entzündung nicht im Körper ausbreitet.

Behandelnde Kliniken

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie

Klinik für Nuklearmedizin

Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie