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Chlamydien

Chlamydien bezeichnen im Sprachgebrauch oft eine sexuell übertragbare Geschlechtskrankheit. Vor allem jüngere, sexuell aktive Menschen sind davon betroffen. Um Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit zu vermeiden, sollten Sie sich möglichst früh behandeln lassen.

Überblick: Was sind Chlamydien?

„Chlamydien“ ist eigentlich der umgangssprachliche Begriff für verschiedene Arten von Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae. Typisch ist, dass sie eine Wirtszelle brauchen, um sich vermehren zu können. Generell können Chlamydien verschiedene Krankheiten auslösen. Am häufigsten infizieren die Krankheitserreger aber die Harnwege und Geschlechtsorgane. Wer also von Chlamydien spricht, meint in der Regel die sexuell übertragbare Geschlechtskrankheit. Mitunter sind die Symptome nur sehr schwach ausgeprägt. Daher passiert es oft, dass eine Chlamydien-Infektion unbemerkt bleibt. In der Schweiz gehört die Infektion mit Chlamydia trachomatis zu den meldepflichtigen sexuell übertragbaren Krankheiten und zeigen in den vergangenen Jahren eine zunehmende Verbreitung.

Häufigkeit und Alter

Eine Infektion mit Chlamydien ist schweizweit die am häufigsten diagnostizierte meldepflichtige sexuell übertragbare Krankheit. 2016 wurde bei 11‘013 Personen eine Chlamydien-infektion neu diagnostiziert. Vor allem Jugendliche und junge Frauen unter 24 Jahren sind davon betroffen. Das Alter der Männer ist zum Zeitpunkt der Diagnose etwas höher.

Chlamydien: Ursachen und Risikofaktoren

Chlamydien liegen in zwei unterschiedlichen Formen vor: Innerhalb von Zellen leben sie als sogenannte Retikularkörperchen, die sich vermehren können und dafür Energie von der Wirtszelle abzapfen. Nachdem die Retikularkörperchen einen Entwicklungszyklus durchlaufen haben, wandeln sie sich in die sogenannten Elementarkörperchen ohne eigenen Stoffwechsel um. Nur in dieser Form können Chlamydien Infektionen auslösen. Die Elementarkörperchen werden dafür aus der Wirtszelle herausgeschleust oder automatisch freigesetzt, wenn diese zerstört wird. Dann können sie in benachbarte Körperzellen eindringen oder auf andere Personen übertragen werden.

Der Erreger der sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheit ist Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K). Er gelangt vor allem über die Schleimhäute der Harn- und Geschlechtsorgane in den menschlichen Körper. Der grösste Risikofaktor für eine sexuell übertragbare Chlamydien-Infektion ist daher ungeschützter Geschlechtsverkehr. Je nach Art der sexuellen Praktik können die Erreger dabei auch in die Schleimhäute des Rachens und der Atemwege sowie der Augen und des Analbereiches eindringen. Zudem ist bei der Geburt eine Übertragung auf das Neugeborene möglich, wenn die Mutter infiziert ist.

Symptome: Chlamydien bleiben oft unbemerkt

Nach einer Infektion mit Chlamydien dauert es in der Regel durchschnittlich zwei bis sechs Wochen, bis erste Symptome auftreten. Vor allem Frauen haben aber oft gar keine oder nur sehr schwache Beschwerden. Daher bleibt eine Chlamydien-Infektion häufig unbemerkt.

Generell ist aber eine eitrige Harnröhrenentzündung ein typisches, erstes Anzeichen. Sie äussert sich zum Beispiel durch starken, manchmal übelriechenden Ausfluss und Probleme beim Wasserlassen (Brennen, Jucken, Schmerzen). Häufig können sie auch Ursache sein für Zwischenblutungen bei der Frau.

Bei Neugeborenen, die durch die Geburt mit Chlamydien infiziert wurden, kommt es dagegen zu einer Entzündung der Lunge oder der Bindehaut.

Chlamydien: Diagnose durch uns

Um eine Infektion mit Chlamydien feststellen zu können, müssen wir zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen. Dafür ist es wichtig, dass Sie Ihre Beschwerden so genau wie möglich schildern. Wir werden auch Fragen nach Ihren sexuellen Gewohnheiten stellen wie zum Beispiel, ob Sie in letzter Zeit ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten oder ob Sie Ihre Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner häufig wechseln. Nach der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) folgt die körperliche Untersuchung.

Körperliche Untersuchung bei Chlamydien

Bei Beschwerden, die Harnwege, Geschlechtsorgane oder den Analbereich betreffen, werden wir nach sichtbaren Symptomen wie zum Beispiel Ausfluss oder Rötungen suchen. Zudem werden wir die benachbarten Lymphknoten sowie den Bauch abtasten. Damit kann er Schwellungen feststellen, die zum Beispiel auf Entzündungen hinweisen können. Um den Auslöser für die Beschwerden zu identifizieren, entnehmen wir normalerweise auch einen Abstrich vom Gebärmutterhals bei Frauen sowie bei Männern von der Harnröhre. Auch eine Urinprobe ist möglich, um den Krankheitserreger nachzuweisen. Die Proben werden anschliessend ins Labor geschickt und untersucht. In der Schweiz gehört eine Infektion mit Chlamydia trachomatis zu den meldepflichtigen Krankheiten. Wichtig ist auch, dass sich Ihre Sexualpartnerin oder Ihr Sexualpartner untersuchen und gegebenenfalls in Behandlung begibt. Das verhindert, dass Sie sich gegenseitig immer wieder neu anstecken.

Antikörper-Nachweis

Mithilfe einer Blutprobe können wir feststellen, ob Sie Antikörper gegen Chlamydien gebildet haben. Dabei können aber falsch negative Befunde entstehen. Denn bei einer akuten Infektion dauert es einige Wochen, bis das Immunsystem Antikörper produziert. Auch ein positiver Befund kann nicht beweisen, ob die Infektion akut ist oder bereits einige Zeit zurückliegt. Ein Antikörper-Test kann aber helfen, die Ursachen für eine mögliche Unfruchtbarkeit einzugrenzen.

Chlamydien: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

70 bis 95 Prozent der Frauen und über der Hälfte der Männer, bei denen eine bestätigte Infektion mit sexuell übertragbaren Chlamydien vorliegt, spüren keine Symptome. Daher ist eine Früherkennung oft schwierig. Es gibt aber die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Vor allem für sexuell aktive, junge Frauen ist das sinnvoll. Eine offizielle Empfehlung, junge Frauen unter 25 Jahren regelmässig auf Chlamydien zu testen, gibt es in der Schweiz zwar nicht. Manche Frauenärztinnen und Frauenärzte bieten den Chlamydien-Test aber an, zum Beispiel im Rahmen der jährlichen Kontrolluntersuchung. Zudem erfolgt eine Testung oft

  • vor Eingriffen im Urogenitalbereich,
  • vor einem Schwangerschaftsabbruch,
  • vor dem Einsetzen einer Spirale sowie
  • in der Schwangerschaft.

Auch wenn die Sexualpartnerin oder der Sexualpartner infiziert ist, sollte man sich möglichst schnell testen lassen.

Chlamydien werden vor allem beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Daher sind Kondome die beste Möglichkeit, einer Infektion vorzubeugen. Diese sollte man am besten auch beim Oral- oder Analverkehr verwenden.

Verlauf und Prognose

In der Regel lässt sich eine Chlamydien-Infektion gut behandeln – vor allem, wenn sie möglichst frühzeitig festgestellt wird. Wichtig ist auch, dass sich Ihre Sexualpartnerin oder Ihr Sexualpartner untersuchen und gegebenenfalls in Behandlung begibt. Das verhindert, dass Sie sich gegenseitig immer wieder neu anstecken. Ohne Behandlung besteht die Möglichkeit, dass sich die Infektion weiter ausbreitet. Bei Männern entzünden sich dann zum Beispiel Prostata oder Nebenhoden. Bei Frauen kann es zu eitrigen Entzündungen am Gebärmutterhals und an den Eileitern sowie den Eierstöcken kommen. Im schlimmsten Fall verkleben dadurch die Eileiter und die betroffene Frau wird unfruchtbar. Auch das Risiko, dass sich ein befruchtetes Ei nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter oder in der Bauchhöhle einnistet, ist durch eine Infektion mit Chlamydien erhöht. Zudem erleiden infizierte Schwangere häufiger eine Frühgeburt und können den Erreger bei der Geburt auf ihr Kind übertragen.

Manchmal tritt einige Wochen nach einer Chlamydien-Infektion eine sogenannte reaktive Arthritis auf. Typisches Anzeichen dafür ist eine Gelenkentzündung, die oft von Fieber begleitet wird. Mitunter entzünden sich auch die Bindehaut und die Harnröhre. Liegen alle drei Symptome gleichzeitig vor, sprechen Fachleute von der sogenannten Reiter-Trias.

Behandelnde Klinik

Klinik für Gynäkologie