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Autoimmunthyreoiditis: Hashimoto-Thyreoiditis

Wenn sich die Schilddrüse entzündet, handelt es sich in den allermeisten Fällen um eine Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). Fast jede zehnte Person Mitteleuropas ist betroffen, dabei vor allem Frauen. Die chronische Krankheit zerstört Schilddrüsengewebe, was zu einer Unterfunktion dieser Drüse führt und ausgeprägte Folgen für die Gesundheit hat. Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen und regelmässige Kontrollen ermöglichen jedoch ein normales Leben.

Was ist eine Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis?

Dabei handelt es sich um eine Entzündungs-Reaktion der Schilddrüse. Das körpereigene Abwehrsystem richtet sich irrtümlich gegen Schilddrüsenzellen. Das Immunsystem greift also körpereigenes Gewebe an. Diese anhaltende Autoimmunreaktion führt dazu, dass über Jahre hinweg Schilddrüsengewebe zerstört wird. Die chronische Entzündung verkleinert die Schilddrüse also mit der Zeit, das Organ arbeitet immer weniger und es entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion, medizinisch Hypothyreose.

Das kann eine ganze Reihe von negativen Folgen für den gesamten Stoffwechsel nach sich ziehen. Die häufigste Ursache für eine Hypothyreose ist übrigens die Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis.

Autoimmunthyreoiditis – Häufigkeit und Alter

Die chronische Schilddrüsenentzündung tritt oft erst im Erwachsenenalter auf, also meist ab 30 Jahren und bis zu 50 Jahren. Betroffene sind häufig Frauen, ihr Risiko für diese Form der Schilddrüsenentzündung beträgt etwa 5:1 im Vergleich zu Männern.

Dabei stehen die Begriffe Autoimmunthyreoiditis für Autoimmun-Schilddrüsenentzündung und Hashimoto-Thyreoiditis ist benannt nach dem japanischen Mediziner Hakaru Hashimoto, der vor rund 100 Jahren als erster diese Schilddrüsenstörung als eigenständige Krankheit beschrieb. Umgangssprachlich wird die Krankheit häufig auch abgekürzt als „Hashimoto“ bezeichnet.

Autoimmunthyreoiditis: Ursachen und Risikofaktoren

Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen die Schilddrüse richtet.

Dabei greifen Abwehrzellen wie etwa T-Lymphozyten Zellen die Schilddrüse an, als würden diese nicht zum Körper gehören, sondern zu fremdem Gewebe. Wegen der Beteiligung der T-Lymphozyten wird diese Autoimmunkrankheit auch als chronisch-lymphozytäre Thyreoiditis bezeichnet.

Welche Auslöser es sind, die unsere Abwehrkräfte falsch lenken und sie deshalb Antikörper gegen Schilddrüsengewebe bilden, ist immer noch unbekannt. Es gibt aber Vermutungen:

  • Familiäre Vorbelastung: Die Gene könnten eine Rolle spielen, denn Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis tritt in manchen Familien gehäuft auf. Manche der Betroffenen haben zusätzlich noch andere Autoimmunkrankheiten, was die These von der familiären Belastung bekräftigt. Dazu gehören etwa Diabetes Typ 1 sowie Zöliakie, aber auch seltenere Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Morbus Addison (Nebennierenunterfunktion), Vitamin-B12-Mangelanämie oder perniziöse Anämie, aber auch die Weissfleckenkrankheit (Vitiligo) kann parallel zu einer Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis vorliegen. Sind mindestens zwei Organe, die zum Hormonhaushalt gehören, oder zwei verschiedene Drüsen in ihrer Funktion eingeschränkt, beziehungsweise arbeiten nicht mehr, sprechen wir von einem polyglandulärem Autoimmun-Syndrom, etwa bei Diabetes Typ 1 und Schilddrüsenentzündung. Die Bezeichnung polyglandulär ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern „poly“ für viel und „glandula“ für Drüse.
  • Jodreiche Ernährung: Bei familiärer Belastung könnte ausserdem besonders jodreiche Ernährung ein Risikofaktor für die Entstehung der Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung sein – ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass jodreiche Ernährung der Schilddrüse guttut.
  • Infektionen: Eine Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren könnte die familiär bedingte Bereitschaft zur Entwicklung einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sozusagen triggern.

Eine genetische Vorbelastung plus eine Infektion könnten also Ursache für diese Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sein, so wird vermutet, bewiesen ist das allerdings nicht.

Anfangs manchmal wie bei Schilddrüsenüberfunktion, später typisch für eine Unterfunktion

Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis bleibt oft lange unentdeckt, weil so gut wie keine Frühsymptome auftreten. Die chronische Krankheit schreitet langsam voran. Manchmal kann es im frühen Stadium als Antwort auf die Entzündung zu einer milden Schilddrüsenüberfunktion kommen. Dann zeigen sich folgende Symptome, die für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) typisch sind:

  • Sie schwitzen mehr als früher.
  • Obwohl Sie nicht weniger essen als sonst, verlieren Sie Gewicht.
  • Sie sind nervös.
  • Sie leiden immer wieder unter Herzklopfen.

Mit Voranschreiten der Autoimmunthyreoiditis wird Schilddrüsengewebe zerstört, damit nimmt die Produktion von Schilddrüsenhormonen ab. Dadurch zeigen sich die spezifischen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wie:

  • Der Antrieb fehlt.
  • Sie nehmen zu, neigen zu Verstopfung.
  • Es kommt zu Konzentrationsstörungen.
  • Sie sind ständig müde, obwohl Sie mehr schlafen als früher.
  • Sie frösteln schnell, sind besonders kälteempfindlich.
  • Die Haut wird trocken.
  • Auch die Haare verändern sich, werden brüchig.

Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis verändern die Schilddrüse. Dabei kann sich das Organ beispielsweise verkleinern (Atrophie der Schilddrüse), manchmal aber auch vergrössern. Die Vergrösserung der Schilddrüse nehmen Betroffene oft als zusätzliches Symptom war, als so genanntes Globusgefühl im Hals. Sie beschreiben das, als würde ein Kloss im Hals drücken und den Schlund etwas verengen.

Autoimmunthyreoiditis: Diagnose im USZ

Weil die Symptome erst nach und nach deutlicher werden, holen die meisten Betroffenen erst spät ärztlichen Rat ein. Die Diagnose einer Schilddrüsenentzündung erfolgt deshalb häufig erst dann, wenn das Organ bereits merklich geschädigt und in seiner Funktion eingeschränkt ist.

Um eine Schilddrüsenentzündung wie Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis erkennen zu können, werden vor allem drei verschiedene Methoden genutzt:

  • Tastuntersuchung: Bei der Tastuntersuchung kontrollieren wir, ob die Schilddrüse vergrössert oder verkleinert ist, ob sie druckempfindlich reagiert. Abtasten kann also bereits erste Anhaltspunkte liefern.
  • Blutuntersuchung: Aussagekräftiger ist der Bluttest bei Verdacht auf eine Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis. Dazu gehören verschiedene Blutwerte, die mit der Schilddrüse in Zusammenhang stehen. Dabei geht es einerseits um die gezielte Suche nach speziellen Antikörpern, die bei einer Autoimmunthyreoiditis auftreten. Sie weisen darauf hin, ob diese Krankheit vorliegt, aber nicht, ob dadurch auch die Schilddrüsenfunktion leidet. Deshalb werden zusätzlich die Schilddrüsenwerte kontrolliert, weil sie zeigen, ob und wie stark die chronische Entzündung die Schilddrüsenfunktion bereits beeinflusst. Gemeinsam geben diese Werte Aufschluss darüber, ob eine Hashimoto-Thyreoiditis vorliegt und inwieweit sie eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenfunktionsstörung nach sich zieht. Typisches Beispiel für den Nachweis einer Autoimmunthyreoiditis und die damit meist verbundene Unterfunktion der Schilddrüse: TSH-Wert und TPO-AK-Werte sind erhöht, die T4-Werte zu niedrig.
  • Ultraschalluntersuchung: Schliesslich gibt die Ultraschalluntersuchung zusätzlich Aufschluss darüber, ob die Schilddrüse durch Entzündungen verändert ist. Ergänzend lassen sich ausserdem weitere Untersuchungen durchführen wie die Feinnadelbiopsie zur Gewebeentnahme und die Schilddrüsenszintigrafie als bildgebende Diagnosemöglichkeit.
  • Szintigraphie: Mittels einer Schilddrüsenszintigraphie können zudem Informationen über die Funktion der Schilddrüse gewonnen werden.

Autoimmunthyreoiditis: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Gezielte Prävention gegen Hashimoto-Thyreoiditis ist nicht möglich. Weil die Ursachen dieser chronischen Schilddrüsenerkrankung nicht bekannt sind, gibt es in diesem Zusammenhang keine vernünftigen Ansatzpunkte.

Versäumen Sie deshalb nicht, die Krankheit wenigstens so früh wie möglich zu erkennen. Lassen Sie die aufgeführten Symptome auf jeden Fall ärztlich abklären. Der einfache Bluttest überprüft die wichtigsten Schilddrüsenparameter sicher und rasch.

Verlauf und Prognose der Autoimmunthyreoiditis

Es gibt zwar keine Möglichkeit, die Hashimoto-Thyreoiditis zu heilen. Die chronische Entzündung schreitet fort und zerstört dabei nach und nach Schilddrüsengewebe. Dadurch entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion. Diese lässt sich jedoch mit entsprechenden Tabletten ausgleichen.

Gefährlich wird eine Autoimmunthyreoiditis erst dann, wenn diese Therapie ausbleibt. Wird die Schilddrüsenfunktionsstörung behandelt und gezielt ausgeglichen, können die Betroffenen jedoch normal leben und gelten als gesund.

Hashimoto-Thyreoiditis: Behandlung mit Schilddrüsenhormonen

Nicht immer muss eine Autoimmunthyreoiditis behandelt werden. Denn auch wenn die Antikörperwerte hoch sind – so lange die Schilddrüsenwerte normal sind, die Schilddrüse also gut funktioniert, sind keine Medikamente nötig. Allerdings sollten Sie, wenn bereits erhöhte Antikörperwerte festgestellt wurden, sicherheitshalber die Schilddrüsenwerte jährlich überprüfen lassen, damit eine Funktionsstörung frühzeitig erkannt wird und gegengesteuert werden kann.

Das Besondere an dieser chronischen Schilddrüsenerkrankung ist dabei: Nicht die Krankheit selbst ist Ziel der Therapie, die Entzündung kann und muss auch nicht behandelt werden, aber ihre Symptome, hervorgerufen durch die Schilddrüsenunterfunktion als Folge der Entzündung.

Erst wenn eine Hypothyreose eintritt, ist also Behandlung nötig und zwar in Form einer Hormonersatztherapie, die den Mangel an Schilddrüsenhormonen ausgleichen kann. Als Wirkstoff wird L-Thyroxin (Levothyroxin) eingesetzt, dabei richtet sich die Dosis exakt danach, wie stark ausgeprägt der Mangel an diesem Hormon ist.

Damit die Menge optimal stimmt, sollten Sie in regelmässigen Abständen Ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen. Meist sinkt im Laufe des Lebens die Schilddrüsenfunktion weiter, weshalb die Dosis des Hormonmedikaments angepasst werden muss. Selbstverständlich muss die Medikamentation meist lebenslang durchgeführt werden, weil bereits untergegangenes Schilddrüsengewebe sich nicht mehr erholt, die Unterfunktion also bestehen bleibt und ausgeglichen werden muss.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung

Klinik für Nuklearmedizin