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Aortendissektion

Die Aortendissektion ist potentiell lebensgefährlich. Es handelt sich dabei um einen Riss in der inneren Schicht der Hauptschlagader (Aorta), wodurch Blut in die Gefässwand eindringt und diese aufspaltet. Er kann an verschiedenen Abschnitten der Aorta auftreten. Die Ursachen können Erkrankungen, aber auch ein Trauma sein, etwa durch einen Unfall. Lesen Sie alles über die Symptome und Behandlungen bei Aortendissektion.

Überblick: Was ist eine Aortendissektion?

Bei einer akuten Aortendissektion kommt es zu einem Einriss der inneren Schicht der Aorta. Dadurch dringt Blut in die Wandschichten ein und spalten diese auf (lat. dissecare = zerschneiden). In der Mehrzahl der Fälle ist die Brustaorta betroffen, wobei man grob unterscheidet ob der Einriss Herznah (Typ A nach Stanford) oder erst nach Abgang der linken Schulterarterie (A. subclavia; Typ B nach Stanford) erfolgt ist.

Die Symptome bei einer akuten Aortendissektion sind heftige Brust- oder Rückenschmerzen, die in verschiedene andere Körperregionen ausstrahlen können. Dazu können Atemnot und viele weitere Symptome kommen, wenn Organe Schaden nehmen, die der betroffene Abschnitt der Aorta normalerweise mit Blut versorgt. In der Regel werden die Schmerzen als sogenannter „Vernichtungsschmerz“, als etwas „noch nie Dagewesenes“ beschrieben.  Ganz selten treten keine Symptome auf.

Die Aortendissektion Typ A ist lebensbedrohlich, da hier unter anderem Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen. Ärztinnen und Ärzte müssen die Erkrankung sofort behandeln – dann steigen die Überlebenschancen. Bei jeglichem Verdacht, rufen Sie sofort den Notfall unter der Telefonnummer 144! Einen kompletten Aortenriss – die Aortenruptur –  überleben die meisten Menschen nicht.

Die Ursachen der Aortendissektion können Erkrankungen sein, welche die Schichten der Hauptschlagader mit der Zeit schwächen. Vor allem Bluthochdruck (Hypertonie) oder die Arteriosklerose wirken sich schädlich auf die Gefässe aus. Sie stressen die Hauptschlagader und führen zu einer Wandschädigung. Auch erblich bedingte Erkrankungen des Bindegewebes (zum Beispiel das Marfan- oder Ehlers-Danolos-Syndrom) oder Traumata (Verletzungen), etwa durch einen Unfall, können eine Aortendissektion verursachen.

Die akute Aortendissektion Typ A ist in der Regel ein Notfall. Wir müssen sofort operieren, um den normalen Blutfluss wiederherzustellen und dadurch die Organfunktion zu gewährleisten. Nur so haben Betroffene eine Überlebenschance. Bei der akuten Aortendissektion Typ B braucht es in der Regel keine Operation, jedoch vorerst intensivmedizinische Überwachung, Blutdruckeinstellung und eine adäquate Schmerztherapie.

Aortendissektion – Häufigkeit und Alter

Die Häufigkeit der Aortendissektion beziffern Fachleute mit etwa 3 von 100‘000 Einwohnern pro Jahr. Die Aortendissektion kommt in höherem Lebensalter häufiger vor. Im Schnitt sind Betroffene um die 60 Jahre alt. Ein Grund ist, dass mit zunehmenden Lebensjahren viele unter Erkrankungen wie Arteriosklerose (Gefässverkalkung), Hypertonie (Bluthochdruck) oder einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leiden. Diese Erkrankungen schwächen und schädigen die Gefässwände und machen sie anfälliger für einen Einriss. Auch das Bauchaortenaneurysma – ein Risikofaktor für die Aortendissektion – kommt bei älteren Menschen häufiger vor. Und weil die Bevölkerung immer mehr altert, rechnen Fachleute mit steigenden Zahlen von Aortendissektionen.

Zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede in der Häufigkeit: Männer sind ungefähr dreimal so oft von der Aortendissektion betroffen wie Frauen.

Aortendissektion: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache der Aortendissektion ist ein Riss in der inneren Schicht der Aorta. Insgesamt besitzt die Hauptschlagader drei Wandschichten:

  • innere Schicht (Intima) aus Gefässzellen
  • mittlere Schicht (Media oder Tunica media) aus Muskelzellen
  • äußere Schicht (Adventitia oder Tunica externa) aus Bindegewebe

Durch den Riss der Intima (meist in der Brustaorta) dringt Blut in die mittlere Schicht ein und spaltet die Wandschichten voneinander ab. So bilden sich 2 Kanäle: ein sogenannter „falscher“ Kanal und der ursprüngliche „wahre“ Kanal, durch den das Blut strömt. Je nachdem aus welchem Kanal dann abzweigende Gefässe abgehen und welcher Kanal besser durchblutet wird, können Organe aufgrund der Minderdurchblutung nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Bei der Typ A Aortendissektion können das Herz und das Gehirn betroffen sein. Bei der Typ B Aortendissektion die Organe im Bauch und die Beine. Wegen des hohen Drucks in der Gefässwand kann sogar die Aussenwand der Aorta aufplatzen – es kommt zur Aortenruptur.

Aortendissektion kann an verschiedenen Stellen auftreten

Die Aorta ist die zentrale, grösste und dickste Arterie des Körpers. Sie zieht von der linken Herzkammer in einem Bogen durch den Brustkorb. Sie besitzt viele Abzweigungen in verschiedenste Körperregionen und versorgt sie mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen: Kopf, Arme, Bauchraum (dort zweigt sie sich in die Beckengefässe auf), Leber, Milz, Darm und Nieren. Grob lässt sie sich in folgende Abschnitte gliedern:

  • Aorta ascendens: Der aufsteigende Abschnitt der Aorta, der von der linken Herzkammer ausgeht. Der Beginn liegt innerhalb des Herzbeutels. Zwei davon abgehende Äste versorgen den Herzmuskel.
  • Aortenbogen (Arcus aortae): Der zweite Abschnitt beginnt an der Stelle, an der die Aorta durch den Herzbeutel hindurchtritt. Die Aorta macht einen Bogen nach oben und nach schräg links hinten. Drei abgehende Äste versorgen die Arme, den Kopf und Hals.
  • Aorta descendens: Der absteigende Ast der Hauptschlagader durchzieht den Brustraum (Brustaorta, versorgt zum Beispiel Brustwand) und tritt dann durch das Zwerchfell hindurch.
  • Aorta abdominalis: Nach Durchtritt durch das Zwerchfell erreicht sie schliesslich den Bauchraum (Bauchaorta, versorgt die Bauchorgane). Auf Höhe des Bauchnabels verzweigt sich die Aorta in die beiden Beckenarterien, die mit ihren Ästen wiederum das Becken und die Beine mit Blut versorgen.

Die Aortendissektion kann an verschiedenen Stellen im Verlauf der Aorta geschehen:

  • Aorta ascendens: ungefähr 65 Prozent
  • Aortenbogen: ungefähr 5 bis 10 Prozent
  • Aorta descendens: ungefähr 20 bis 25 Prozent
  • Aorta abdominalis: ungefähr 5 bis 10 Prozent

Risikofaktoren für eine Aortendissektion

Verantwortlich für die Aortendissektion sind oft Erkrankungen, welche im Lauf der Zeit die Gefässe schwächen. Aber auch Traumata (Verletzungen) können einen Riss in der Gefässwand verursachen.

Symptome: Aortendissektion verursacht heftigen Brustschmerz

Die akute Aortendissektion ist ein Notfall. Die Überlebenschancen steigen, wenn Sie schnell handeln und Ärztinnen Ärzte umgehend mit der Therapie beginnen können.

Das wichtigste Symptom bei der akuten Aortendissektion ist:

  • Plötzlich einsetzender, heftigster Brust- oder Rückenschmerz, wenn die Brustaorta betroffen ist. Viele empfinden den Schmerz als stechend oder reissend und beschreiben ihn als „Vernichtungsschmerz“, manche auch wie einen „Axthieb“. Die Schmerzen können in andere Körperbereiche ausstrahlen, etwa in den Nacken, die Arme oder zwischen die Schulterblätter. Bei einer Dissektion der Bauchaorta strahlen die Schmerzen oft in den Bauch, Rücken oder die Beine aus. Sind die Eingeweidegefässe blockiert, erleben Betroffene kolikartige Schmerzen (stärkste, bewegungsunabhängige, meist wehenartige Schmerzen) um den Nabel herum.

Symptome, wenn Organe nicht mehr durchblutet werden

Je nach Ort des Risses werden anschliessend verschiedene Organe nicht mehr ausreichend durchblutet. Aufgrund dieser Durchblutungsstörungen können weitere Symptome hinzukommen, zum Beispiel:

Diagnose Aortendissektion

Die Diagnosestellung der Aortendissektion beginnt – wenn die betroffene Person ansprechbar ist – immer mit Fragen zu den Symptomen. Ein wichtiger Hinweis sind heftige Brustschmerzen. Die Notärztin oder der Notarzt versucht, möglichst schnell eine Diagnose zu stellen und die Behandlung zu beginnen. So steigen die Überlebenschancen. Folgende Untersuchungen helfen bei der Diagnose:

  • Körperliche Untersuchung mit Puls- und Blutdruckmessung: Ein plötzlicher Blutdruckunterschied an den Extremitäten in Kombination mit Brustschmerzen ist der wichtigste Hinweis auf eine Aortendissektion. Zudem hören wir die Herzgeräusche mit einem Stethoskop ab und prüfen die Beweglichkeit der Arme und Beine.
  • Blutuntersuchung: Wir bestimmen verschiedene Blutwerte, unter anderem D-Dimere, C-reaktives Protein (CRP), Troponin I, Kreatinkinase und Laktat.
  • Elektrokardiografie (EKG), um die Herztätigkeit zu überprüfen
  • Transösophageale Echokardiografie (TEE): Eine Ultraschalluntersuchung, bei der wir ein biegsames Instrument (Endoskop) mit einem Schallkopf in die Speiseröhre einführen.
  • Computertomografie (CT): Eine Röntgenuntersuchung, die Schnittbilder aus dem Körperinneren liefert.

Aortendissektion Typ A und Typ B

Wir unterscheiden zwei Typen von Aortendissektionen (nach Stanford-Klassifikation) – je nach Abschnitt der Aorta, der betroffen ist. Davon hängt auch die Behandlung massgeblich ab.

  • Standford Typ A: Der Riss liegt in jenem Abschnitt der Aorta, an dem sie das Herz verlässt und in den aufsteigenden Teil übergeht (Aorta ascendens). Dies ist der häufigste Typ der Aortendissektion – und auch die gefährlichste Variante. Denn das Risiko eines Herzinfarktes, eines Schlafanfalls oder einer Aortenruptur ist hoch.
  • Stanford Typ B: Der Riss liegt im absteigenden Teil der Aorta (Aorta descendens). Dieser Typ kommt seltener vor und ist weniger gefährlich, außer Abgänge zu Organen wie Leber, Darm, Nieren oder die Blutversorgung der Beine ist verlegt.

Steht die Diagnose Aortendissektion, beginnen wir sofort mit der Behandlung, um die Überlebenschancen zu verbessern.

Aortendissektion: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Bei der Aortendissektion spielen verschiedenen Krankheiten eine Rolle, etwa Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Diabetes mellitus. Alle schädigen und schwächen die Gefässwände. Durch einen gesunden Lebensstil können Sie Ihre Gefässe bis zu einem gewissen Grad schützen – und so eventuell einer Aortendissektion vorbeugen. Einige Tipps:

  • Rauchen Sie nicht und falls rauchen: Versuchen Sie, das Rauchen aufzugeben. Holen Sie sich professionelle Unterstützung, wenn Sie es nicht alleine schaffen.
  • Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, zum Beispiel mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, aber wenig Fleisch, Wurst und gesättigten Fetten.
  • Sorgen Sie für viel Bewegung im Alltag und treiben Sie Sport, am besten Ausdauersport.
  • Trinken Sie nur wenig Alkohol und legen Sie regelmässige Alkoholpausen ein.
  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht. Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) setzen auch Ihren Gefässen zu. Falls nötig: Versuchen Sie, einige Kilos abzunehmen. Das gelingt am besten mit gesunder Ernährung und viel Bewegung.

Im Falle von Bluthochdruck oder erhöhten Blutfette, sollten diese ausreichend mit Medikamenten behandelt werden. Auch eine gesunde Lebensweise kann diese Werte verbessern.

Zudem können Sie durch Ihren Lebensstil eventuell einem Aortenaneurysma vorbeugen, dass ebenfalls ein Risikofaktor für die Aortendissektion ist. Für das Bauchaortenaneurysma wird eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums für Risikopersonen ab dem 65. Lebensjahr empfohlen, etwa für Rauchende. Auch eine vorbeugende Operation kommt in Frage, wenn ein gewisser Durchmesser erreicht ist und ein Aortenruptur droht.

Und weil die Aortendissektion auch durch Unfälle geschehen kann: Schnallen Sie sich im Auto grundsätzlich an, um das Verletzungsrisiko im Brustbereich zu vermindern.

Verlauf und Prognose bei Aortendissektion

Die akute Aortendissektion ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Besonders gefährlich ist die Aortendissektion Typ A, die zugleich auch der häufigste Fall ist. Hier ist die Gefahr für einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder eine Aortenruptur am höchsten. Dank schnellerer Diagnostik und Operation überleben heute allerdings mehr betroffene Personen als noch vor einigen Jahren. Dennoch sterben leider einige Patientinnen und Patienten noch innerhalb der ersten Tage oder Wochen.

Nach der akuten Phase, die in der Regel nach 14 Tagen überstanden ist, spricht man von einer chronischen Aortendissektion. In diesem Stadium wird die Gefässwand zunehmend stabiler. Falls jedoch Risikofaktoren wie zum Beispiel das Rauchen fortbestehen, ein Bluthochdruck nicht richtig eingestellt ist oder bei der betroffenen Person genetische Ursachen vorliegen, kann die Aorta sich über die Jahre erweitern. Es bildet sich ein Aneurysma. Dieses betrifft dann in der Regel die gesamte Aorta (man spricht von thorako-abdominalen Aortenaneurysmen). Es besteht erneut die Gefahr einer Aortenruptur. Je früher ein Anwachsen der Aorta erkannt wird desto besser. Deshalb sind regelmäßige Nachkontrollen (einmal pro Jahr) unerlässlich.

Aortendissektion: Behandlung muss schnellstens beginnen

Die akute Aortendissektion ist ein Notfall, der eine sofortige Behandlung nötig macht. Zuerst verabreichen die Notärztin oder der Notarzt Schmerzmittel und Medikamente zur Senkung des Blutdrucks. Häufig ist dann eine Operation unausweichlich. Welches Vorgehen Ärztinnen und Ärzte wählen, hängt davon ab, in welchem Abschnitt die innere Schicht der Aorta eingerissen ist (Typ A oder B).

  • Die Aortendissektion Typ A muss möglichst rasch operiert werden. Der betroffene Abschnitt der Aorta wird dabei in der Regel durch eine Gefässprothese, meist aus künstlichem Gewebe, ersetzt Hierbei muss meistens der Brustkorb eröffnet werden. Wenn nötig ersetzen wir gleichzeitig die Aortenklappe während des chirurgischen Eingriffs.
  • Im Falle einer Aortendissektion Typ B wird in der Regel erst unter intensivmedizinischer Überwachung der Blutdruck und mögliche Schmerzen medikamentös eingestellt. Eine Operation ist nötig falls Gefässabgänge verlegt sind (drohende Organminderdurchblutung) oder eine Aortenruptur droht. Bei der Operation implantieren wir eine behüllte Gefässstütze (Stentgraft). Hierdurch soll der Einriss abgedichtet werden und der normale Blutfluss im „wahren Kanal“ wieder hergestellt werden.

Ob mit oder ohne Operation: Wichtig ist, dass betroffene Personen regelmässigen Kontrolluntersuchungen bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt unterziehen. Sie kontrollieren zum Beispiel den allgemeinen Gesundheitszustand, die Aortendissektion und prüfen die Lage der Gefässprothese beziehungsweise des Stentgrafts, fall einer implantiert wurde. Mögliche Komplikationen und Folgen lassen sich so rechtzeitig aufdecken und behandeln.

Behandelnde Kliniken

Klinik für Angiologie

Klinik für Gefässchirurgie

Institut für Intensivmedizin

Klinik für Nuklearmedizin

Kompetenzzentrum Palliative Care

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Schlaganfallzentrum Zürich