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Maskenpflicht und Lippenlesen

16. Dezember 2020

Masken gehören zu den wichtigsten Schutzmassnahmen in der Pandemie. Im Universitätsspital Zürich besteht deshalb seit Monaten Maskenpflicht. Viele Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen sind jedoch darauf angewiesen, bei ihrem Gegenüber von den Lippen abzulesen, was gesprochen wird – mit Maske unmöglich. Im Alltag kann man sich mit schriftlicher Verständigung behelfen oder mit grossem Abstand. Wie löst man dieses Problem aber bei Patientinnen und Patienten, die im Spital liegen oder in die Sprechstunde kommen?

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​In der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie gibt es besonders viele Patientinnen und Patienten mit eingeschränktem Hörvermögen, stationär und in den ambulanten Sprechstunden, z.B. Patientinnen und Patienten mit einem Cochlea-Implantat. «Bei uns haben sich Plexiglasscheiben, die wir mobil platzieren können, dort wo wir sie gerade brauchen, als bestes Hilfsmittel bewährt», so Dorothe Veraguth, Leitende Ärztin in der Klinik für Ohren- Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie (ORL). «Wir achten dann auf genügend Abstand und nur die sprechende Person legt die Maske ab.» Bei Kindern werden in gewissen Situationen auch für kurze Zeit Visiere eingesetzt. Zudem dürfen nur wenige Personen im Raum sein und es wird häufig gelüftet. Hörende Begleitpersonen sind zugelassen, müssen aber eine Maske tragen. Sind transparente Gesichtsmasken eine Lösung? «Wir haben verschiedene ganz oder teilweise durchsichtige Modelle ausprobiert, aber sie beschlagen leider oft und sind dann auch nicht hilfreich», so Veraguth. Häufiger als vor der Pandemie werden Gebärdendolmetscher eingesetzt, mitunter auch zugeschaltet per Video. Von der grossen Erfahrung mit den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten mit Hörproblemen profitieren auch die anderen Kliniken und Abteilungen. «Wir leisten gerne Unterstützung, geben Tipps und suchen mit ihnen individuelle Lösungen. Das war aber auch schon vor der Corona-Pandemie so.»

Eine besondere Situation sind Geburten. «Wir haben uns schon früh dazu Gedanken gemacht», erzählt Barbara Günthard-Uhl, Leiterin Hebammen in der Klinik für Geburtshilfe. «Es kann ja jederzeit eine Frau zur Geburt kommen, mit der wir uns nur über Lippenlesen verständigen können. Wir würden deshalb bei einer solchen Geburt ausnahmsweise transparente Schilde anstelle der chirurgischen Masken tragen, damit die Frau unsere Gesichter gut sehen kann.» Auch die gebärende Frau würde eine solche Maske tragen, damit die Hebammen und Ärzte sie gut sehen können. Bisher ist der Fall noch nicht eingetreten, aber die speziellen Masken liegen bereit.

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