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Alles ambulant am USZ Flughafen

21. Juni 2021

Seit dem 5. Oktober 2020 ist das ambulante Gesundheitszentrum USZ Flughafen in Betrieb. Für ambulante Eingriffe stehen dort drei Operationssäle zur Verfügung. Was sind die Vorteile einer ambulanten Operation?

Viele Spitäler in der Schweiz mussten ihre Operationstätigkeiten im Winter 2020/21 zurückfahren, damit namentlich auf den Intensivstationen immer genügend Kapazitäten für schwerkranke Patientinnen und Patienten vorhanden waren – nur eine von vielen grossen Herausforderungen der COVID-19-Pandemie für die Krankenhäuser. So auch am USZ. Ambulant hingegen wurden mehr Menschen operiert – das war möglich, denn sie benötigen kein Spitalbett. Die Eröffnung des USZ Flughafen im Oktober 2020 führte für das USZ insgesamt zu einer Entlastung. «Der Fahrplan für die Eröffnung des dritten Operationssaals wurde wegen Corona beschleunigt. Der Abschied vom Campus war für einige von uns deshalb ziemlich abrupt», erzählt Erika Lindgren. Sie leitet zusammen mit Susanne Blum Lord die Abteilung Anästhesiepflege des ambulanten Operierens am USZ.

Operationen dauern von wenigen Minuten bis mehrere Stunden

Pro Tag werden am USZ Flughafen insgesamt zwischen 14 und 22 Patientinnen und Patienten in drei Operationssälen ambulant operiert. «Die grösste Operation, die hier gemacht wird, ist die Brustrekonstruktion nach Brustkrebs», weiss Dirk Ubmann. Er ist operativer Leiter des ambulanten OP-Bereichs «Diese Operation dauert etwa drei Stunden. Mit Vor- und Nachbereitung sind betroffene Patientinnen etwa sechs Stunden bei uns.» Eine der kürzesten Operationen am USZ Flughafen ist die sogenannte Zyklophotokoagulation, eine Operationsmethode bei Glaukom, sprich grünem Star. «Nach zwei oder drei Minuten ist der Eingriff schon wieder vorbei», so Dirk Ubmann. Weil der Einsatz des Lasers am Auge für die Patienten schmerzhaft ist, werden sie dennoch in eine kurze Narkose versetzt. Acht Kliniken des USZ führen ihre ambulanten Operationen am USZ Flughafen durch. «Durch immer diffenziertere Anästhesie- und Operationsmethoden können Operationen vermehrt ambulant durchgeführt werden», erklärt Dirk Ubmann. «Das hat für die Patientinnen und Patienten Vorteile.» Sie können am selben Tag der Operation wieder nach Hause. Zudem ist ein Eingriff günstiger, als wenn sie im Spital bleiben müssen. Die Qualität einer ambulanten Operation ist dabei keineswegs schlechter als bei einem stationären Eingriff. «Die Qualität ist ambulant und stationär genau gleich», so Susanne Blum Lord, «bei uns jedoch ist immer dasselbe Team vor Ort. Wir sind ein kleines, eingespieltes und extrem effizientes Team.»

Fertig vorbereitet in den Operationssaal

Innert 60 bis 90 Minuten nach Eintreffen am USZ Flughafen werden die Patienten operiert. Zur auf dem Aufgebot angegebenen Zeit melden sie sich im 7. Stock am USZ Flughafen am Empfang. Dort werden sie wie bereits am Eingang im Erdgeschoss nach allfälligen COVID-19-Symptomen befragt. Haben sie keine Symptome, können sie sich in den Wartebereich setzen – mit Maske versteht sich. «Die Kollegen vom Aufwachraum rufen am Empfang an, sobald sie für den nächsten Patienten bereit sind», erklärt Dirk Ubmann. Die Patientin wird dann zum Aufwachraum begleitet, wo sie von der Leitstelle des OP-Bereichs empfangen wird und das Nachthemd und die blauen Überzieher für die Schuhe erhält. Drei Schritte weiter befinden sich die Umkleidekabinen und Schliessfächer für die Wertsachen. Ist die Person umgezogen, wird sie von einer Pflegefachperson der Eintrittsund Austrittseinheit (EAE) einer Koje zugeteilt. Dort werden die Patienten mit OP-Monitoring versorgt: Blutdruckmanschette, Sättigungsclip, Venenzugang, Infusion, EKG und gegebenenfalls präoperative Medikamente. «Das ist ein erster Unterschied zum Operieren im stationären Bereich», erklärt Dirk Ubmann. «Dort kommen die Patienten in eine OP-Schleuse, werden auf eine Operationsliege umgelagert, kommen dann in den Operationssaal und werden erst im Saal vorbereitet.» Am USZ Flughafen sind die Patienten schon komplett vorbereitet, wenn sie in den Operationssaal kommen. «Im Saal machen wir vor der Operation nur noch den Anästhesiecheck und beginnen dann mit der Narkose», so Dirk Ubmann. Das hat den Vorteil, dass die Chirurgin sofort mit der Operation beginnen kann, sobald der Patient unter Narkose ist. Währenddessen bereitet die OP-Pflege alle Geräte, Instrumentarien und Materialien für die Operation vor. «Im Anschluss an die Narkose lagern wir die Patientin mithilfe der Chirurgin», erklärt Claudio Petrini, Abteilungsleiter OP-Pflege am USZ Flughafen. Nach der Desinfektion und dem Abdecken der Patientin kann die Operation beginnen. Ist die Operation fertig, wird die Narkose noch im Operationssaal wieder ausgeleitet und der Patient im wachen Zustand zurück in die Koje gefahren – wo er sich erholen kann, bevor er nach Hause entlassen wird. Empfang, Koje und Operationssaal sind dabei nur wenige Schritte voneinander entfernt. «Die Patienten werden bei uns sehr
persönlich betreut. Alle Wege sind kurz, wir sind sofort bei ihnen, wenn sie etwas benötigen», so die Erfahrung von Erika Lindgren.

Effizient für Patienten und Personal

«Im Schnitt sind die Patienten etwa 3,5 Stunden bei uns», sagt Dirk Ubmann. «Als wir den Betrieb im ambulanten Operieren am USZ Flughafen aufgenommen haben, haben wir die Patienten über eine Stunde vor der Operation aufgeboten. Zudem waren wir noch nicht so flexibel, wenn eine Patientin kurzfristig ausfiel.» Deshalb gab es zu Beginn einzelne Reklamationen wegen langer Wartezeiten. Dirk Ubmann und die beiden Co-Leiterinnen Anästhesiepflege sind sich einig, dass das nach wenigen Monaten Betrieb nun ziemlich glatt läuft. Fallen Patienten kurzfristig aus, rufen die Pflegefachpersonen der EAE Personen, die später am Tag operiert werden sollten, an und fragen, ob sie früher kommen können. Das klappt bis jetzt sehr gut. Nicht nur die Patienten sind sehr zufrieden, sagt Erika Lindgren: «Weil wir hier von den Kliniken unabhängig arbeiten, müssen wir zum Beispiel nicht warten, bis jemand von der Abteilung den Patienten abholt. Oder wir müssen uns nicht in einen anderen Raum begeben, um die nächste Einleitung vorzunehmen. Deshalb arbeiten wir äusserst effizient.» Das ist auch für die Operateure gut, sie müssen zwischen den Operationen beispielsweise nicht länger warten, bis die nächste Patientin bereit ist.

Ambulantes Operieren

​​Im USZ Flughafen werden monatlich 168 Patientinnen und Patienten aus acht verschiedenen Kliniken des USZ ambulant operiert. Das Team vor Ort besteht aus 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: 10 Anästhesiepflegende, Mitarbeitende Eintritts- und Austrittseinheit, 8 OP-Pflegende, ein Abteilungsleiter OP-Pflege, ein Zivildienstleistender, zwei Abteilungsleiterinnen Anästhesiepflege, ein Oberarzt Anästhesie und ein Assistenzarzt Anästhesie. Die Chirurginnen und Chirurgen arbeiten nicht fix am USZ Flughafen. Sie stossen für die jeweiligen Operationen dazu; ihre Sprechstunden führen sie je nach Klinik auch am Campus durch. Die häufigsten ambulanten Operationen am USZ Flughafen sind die Entfernung des grauen Stars (Phako-Operation) und Metallentfernungen.

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