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Story

Mich hat eine Zecke gebissen – wie weiter?

19. Juni 2018

Durch den milden Winter sind wieder sehr viele Zecken in Wiesen und Gärten zu finden. Wir wollten von Frau Dr. med. Yvonne Achermann, Oberärztin an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am USZ, wissen, wie Zeckenbisse behandelt werden können und welche Erkrankungen mit Zeckenbissen in Zusammenhang stehen können.

​Wie soll man vorgehen, wenn man von einer Zecke gebissen wurde?

Zeckenbisse werden häufig nicht bemerkt, weshalb empfohlen wird, nach Aufenthalten in der Natur den ganzen Körper und die Kleidung nach Zecken abzusuchen. Zecken beissen besonders häufig an den Körperstellen, wo die Haut dünn ist, und wo es warm und feucht ist (Kniekehlen, Innenseite der Oberschenkel, Leistenregion, Hals, Nacken und Achselhöhlen). Wird eine Zecke entdeckt, ist es wichtig, diese so schnell wie möglich zu entfernen. Am besten sollte sie direkt über der Haut mit einer Pinzette gefasst und mit kontinuierlichem Zug herausgezogen werden. Früher gelegentlich angewandte Methoden wie Beträufeln mit Öl sind nicht empfohlen. Nach Entfernung der Zecke sollte die Bissstelle gründlich desinfiziert werden. Sehr häufig kommt es zu einer kleinen Hautreaktion auf den Zeckenbiss. Treten nach dem Zeckenbiss Symptome wie zum Beispiel grippeartige Symptome oder eine ungewöhnlich grosse Hautrötung von mehr als 5 cm Durchmesser auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine prophylaktische antibiotische Therapie ohne Symptome wird nicht empfohlen.

Welche Krankheiten können in der Schweiz durch Zeckenbiss ausgelöst werden, wie häufig kommen sie vor und wie gefährlich sind sie?

In unseren Breitengraden können Zecken verschiedene Krankheitserreger auf den Menschen übertragen. In erster Linie sind dies vor allem die Lyme Borreliose und die Zecken-Enzephalitis oder Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME).

Die Lyme Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Schätzungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zufolge, sind in der ganzen Schweiz etwa 5-30% der Zecken mit diesem Bakterium infiziert, und etwa 6000-12000 Personen erkranken pro Jahr an Borreliose. Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt und – bei rechtzeitiger Diagnose und adäquater Therapie – auch vollständig geheilt werden.

Die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) wird durch das FSME-Virus verursacht. Bezüglich der Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus sind weniger genaue Angaben möglich als bei der Borreliose. Allerdings können Verbreitungsgebiete mit gehäuftem Auftreten definiert werden, die in der Schweizer Karte eingezeichnet sind. In diesen sogenannten Endemiegebieten sind nur wenige Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. In der Schweiz erkranken etwa 100-250 Personen pro Jahr an FSME; viele davon müssen im Spital behandelt werden. Gegen FSME gibt es keine wirksame Therapie. Es können lediglich Symptome gelindert werden.

Eine weitere, seltene Erkrankung, die unter anderem von Zecken übertragen werden kann, ist die Hasenpest (Tularämie), die durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht wird und deren Fallzahlen in der Region zwar sehr klein, aber doch über die letzten Jahre stetig angestiegen sind. Die Hasenpest kann sich in unterschiedlicher Ausprägung entweder nur lokal, oder sehr selten auch generalisiert manifestieren und im Extremfall lebensbedrohlich sein. Eine antibiotische Therapie über mehrere Wochen ist wirksam.

Auf welche Symptome muss nach einem Zeckenbiss geachtet werden und wie soll man vorgehen, wenn sie auftreten?

Nach einem Zeckenbiss mit der Übertragung von Borrelien in die Haut kann es einige Tage später zu einer Wanderröte (Erythema migrans) kommen. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Haut im Bereich der Bissstelle, die sich im Verlauf ringförmig ausdehnt und im Bereich der Stichstelle wieder abblasst. Die Rötung auf der Haut sieht wie eine Zielscheibe aus. Diese ist von der lokalen und harmlosen Hautreaktion auf den Zeckenbiss zu unterscheiden, welche typischerweise nur gerade um die Bissstelle herum entsteht und sich nicht über 5 cm ausdehnt. Bei einer Borrelien-typischen Hautrötung über 5 cm im Durchmesser sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine antibiotische Therapie einzuleiten. Es sind keine Borrelien-spezifischen Laboruntersuchungen indiziert; behandelt wird rein nach klinischen Gesichtspunkten. In seltenen Fällen kann es mehrere Wochen nach einem Zeckenbiss mit der Übertragung von Borrelien zur Entzündung von Gelenken (vor allem Kniegelenk), des Nervensystems (Gesichtsnerven, Hirnhaut, Gehirn), der Haut (Hautatrophie) und des Herzens (Herzrhythmusstörungen) kommen. In diesen Fällen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Borreliose zu diagnostizieren oder auszuschliessen. Bei Bestätigung wird der Arzt eine Antibiotika-Therapie empfehlen.

Die FSME verläuft typischerweise in zwei Phasen: In der 1. Phase (7-14 Tage nach Zeckenstich) können grippale Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Gelenkschmerzen auftreten, die aber nach wenigen Tagen wieder vollständig verschwinden. Für die meisten Patienten ist die Krankheit an diesem Punkt ausgeheilt. Für einen kleinen Teil der Patienten kommt es nach einem beschwerdefreien Intervall zu einer 2. Phase, in der das Nervensystem befallen wird: Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, Lähmungen der Gesichtsnerven, der Arme oder Beine. Schwere Verläufe können zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen.

Bei der Hasenpest kommt es innerhalb von etwa 10 Tagen nach dem Zeckenbiss entweder zu lokal begrenzten Krankheitsformen, die häufig von Fieber begleitet sind – wie beispielsweise Geschwüre an der Bissstelle oder entzündete und vergrösserte Lymphknoten in der Region der Stichstelle – oder die Krankheit breitet sich im Körper aus, dann kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Im Falle der Ausbildung einer eitrigen Entzündung oder eines Geschwürs an der Bissstelle, Lymphknotenvergrösserungen oder allgemeinem Krankheitsgefühl nach Zeckenbissen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Welche Impfungen sind möglich und empfehlenswert?

Von den in der Schweiz vorkommenden Zecken-übertragenen Erkrankungen gibt es aktuell lediglich gegen die FSME eine wirksame Impfung. Personen, die im Verbreitungsgebiet der FSME Erreger wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten, wird empfohlen, sich gegen FSME impfen zu lassen. Für eine vollständige Immunisierung sind drei Impfdosen erforderlich (zwei Dosen im Abstand von einem Monat, dann eine dritte Dosis nach fünf bis zwölf Monaten). Danach wird eine Auffrischimpfung alle zehn Jahre empfohlen. Die Kosten für die Impfung werden von den Krankenkassen gemäss den Empfehlungen im Rahmen der Grundversicherung übernommen.

Yvonne Achermann, PD Dr. med.

Oberärztin, Klinik für Infektionskrankheiten & Spitalhygiene, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene

Spezialgebiete: Orthopädische Infektionen, Andere Biofilm-assoziierte Infektionen mit oder ohne Implantat, Lokale Antibiotika Träger (resorbierbare und nicht resorbierbare)
Tel. +41 44 255 33 22